Fahrrad-Klau nach erster Tour

Altenhagen. (anna) Nur wenige Minuten lang stand das silberne Mountainbike der 19-jährigen Nadja Raabe unbeaufsichtigt im Flur des Hauses Vinckestraße 6a. Die junge Frau wollte mal eben den Schlüssel für den Keller holen, um den Drahtesel darin zu verstauen. Als sie Augenblicke später wieder aus der Wohnung kommt, ist der Drahtesel verschwunden, obwohl er mit einem dunkelblauen Schloss gesichert war.

Hier an dieser Stelle, im Hausflur Vinckestraße 6a, stand das silberne Mountainbike von Ingrid Raabes Tochter Nadja nur wenige Minuten lang, dann war es wie vom Erdboden verschluckt. (Foto: Anna Linne)

Ein ungewöhnlicher Diebstahl, findet Mutter Ingrid Raabe, die sich immer wieder vorstellt, mit welcher Schnelligkeit der Dieb das abgeschlossene Rad weggeschafft haben muss. Und besonders tragisch ist der Diebstahl dazu, denn es war seit langer Zeit die erste Fahrradtour der Tochter.

Erblindet in Costa Rica

Wie Ingrid Raabe erzählt, sei ihr Mann vor über 16 Jahren gestorben. Als Witwe habe sie die Tochter alleine groß ziehen müssen. Die Rechtspflegerin beim Amtsgericht Hagen hat immer bedauert, dass sie ihrer Tochter kein richtiges Familienleben mit Geschwistern bieten konnte. Aus diesem Grunde entschieden sich Mutter und Tochter vor gut drei Jahren zu einem Auslandsaufenthalt: Ein Jahr lang sollte die damals 16-jährige Tochter bei einer großen Familie auf einem Bauernhof in Costa Rica (Zentralamerika) leben.

Zusammen mit vielen Kindern und zahlreichen Tieren genoss Nadja die wunderbare Zeit in dem traumhaft schönen Land. Einziger Wermutstropfen: In Costa Rica zog sich die 16-Jährige eine bakterielle Hornhautentzündung zu, die ihr linkes Auge erblinden ließ. Zurück in Deutschland machten ihr die Ärzte in der Uniklinik wenig Hoffnung auf Heilung. Die Bakterien hatten die Hornhaut zerfressen. Nur eine Organspende, eine neue Hornhaut, könne Nadja das Augenlicht zurück geben, hieß es.

Wunder geschieht

Ganze neun Monate lang warten Mutter und Tochter auf einen geeigneten Spender. Nadja hat sich mit ihrer verminderten Sehfähigkeit zwar arrangiert, aber es fällt ihr schwer aufs Fahrradfahren zu verzichten. Auch ist es ihr nicht möglich, den Führerschein zu machen, und beim Sport landet der Ball häufig an ihrem Kopf, weil sie die Entfernung nicht richtig einschätzen kann.

Der Tod eines Motorradfahrers wird dann zur Hoffnung. Die Transplantation der neuen Hornhaut verläuft ohne Komplikationen und die junge Frau sieht nach dem Eingriff besser als je zuvor. Mutter und Tochter sind glücklich. Jetzt beginnt für Beide ein neues Leben.

Erste Fahrradtour

Dazu gehört für Nadja allerdings auch das Fahrradfahren. Jetzt, nachdem das Auge gut verheilt ist und die Ärzte Grünes Licht für jedwede Aktivitäten gegeben haben, will die 19-Jährige schnell wieder auf ihrem geliebten Mountainbike sitzen.

Am Mittwoch, 5. Oktober 2011, Nadja hat gerade ihren ersten Tag an der Bochumer Uni hinter sich, holt sie ihr silbernes Mountainbike aus dem Keller. Im Hausflur Vinckestraße 6a bringt die 19-Jährige das alte Rad mit großem Getöse wieder auf Vordermann. Dann geht es los in Richtung Hengsteysee, der einmal umrundet werden soll.

Um 17.15 Uhr, Mutter Ingrid Raabe kommt gerade von der Arbeit nach Hause, trifft auch Tochter Nadja daheim ein. Sie stellt ihr Rad in den Hausflur, verschließt es mit einem dunkelblauen Schloss und geht zwei Etagen hoch, um den Kellerschlüssel aus der Wohnung zu holen. Als sie ein paar Minuten später wieder nach unten kommt, ist das verschlossene Mountainbike spurlos verschwunden.

Bevor Mutter Ingrid den Diebstahl bei der Polizei meldet, werden erst einmal die acht Nachbarn im Haus und auch die von gegenüber befragt. „Schließlich muss es doch auffallen, wenn jemand ein verschlossenes Fahrrad auf dem Arm transportiert oder es in einem Combi verschwinden lässt.“ Doch wider Erwarten hat niemand etwas gesehen. „Nur ein Nachbar berichtete, er habe einen jungen Mann, der zu einem anderen Nachbarn wollte, ins Haus gelassen“, berichtet Ingrid Raabe verwundert. „Und sie ist traurig: Da kann meine Tochter nach drei Jahren endlich wieder in die Pedale treten, jetzt ist ihr Fahrrad geklaut.“

Wo ist das Mountainbike?

Wer etwas zu dem Diebstahl sagen kann oder weiß, wo das Fahrrad ist, kann sich bei Ingrid Raabe unter Telefon 01 60 / 5 70 81 81 melden. Das silberne Mountainbike der Marke Shimano hat übrigens weiße Farbspritzer am Lenker.