Familie Scheiermann ist „fledermausfreundlich“

Hagen. (AnS) Sie fliegen lautlos und wer einmal ihre Flugkünste in der Dunkelheit  beobachtet hat, ist meist fasziniert von ihnen: Fledermäuse. So ging es auch Familie Scheiermann oberhalb der Selbecke.

Sie sind vom Nabu als erstes Gebäude in Hagen mit der Plakette „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet worden. „Schon in unserem Urlaub im polnischen Masuren haben uns die Tierchen interessiert“, erzählt Brigitte Scheiermann. Und auch in der heimischen Höhe konnten sie den einen oder anderen „Flieger“ sehen.

Schuld, dass seit rund acht Jahren ein Fledermauskasten an der Giebelwand hängt, ist allerdings die Tochter der Eilper Familie. „Sie hat uns genötigt“, lacht Winfried Scheiermann, „unsere tierischen Mitbewohner anzulocken.“

Als Geografiestudentin und Praktikantin beim Nabu musste sie ihre naturverbundenen Eltern, die auch Meise und Hausrotschwanz Bruthilfe geben, jedoch nicht großartig überreden.

Ein Baukasten mit extra Ein- und Ausgang war schnell montiert, blieb nach seiner Anbringung aber zunächst leer. Erst seit rund drei Jahren ist das Heim nahe des Waldrands besiedelt.

„Kobolde“ oft vertrieben

Nabu-Projektkoordinatorin Sarah Sherwin freut sich über das Engagement von Scheiermanns. „Der natürliche Lebensraum der Fledermäuse wird immer kleiner. Daher suchen viele von ihnen längst in unseren Städten und Dörfern nach einer neuen Bleibe“, weiß sie. „Die heimlichen Untermieter bleiben an unseren Häusern aber häufig unbemerkt, weshalb Fledermausquartiere oft bei Renovierungsmaßnahmen  unbewusst zerstört und die kleinen Kobolde der Nacht dabei vertrieben oder sogar getötet werden.“ Unterkünfte für die bedrohten Säugetiere tun deshalb not.

Kästen lassen sich einfach montieren

Und das ist einfacher als man denkt. Die Kästen können überall angebracht werden. „Wir beraten mittlerweile sogar Wohnungsgesellschaften mit ihren Häuserblocks“, erklärt Franco Cassese von der Biologischen Station Hagen. Und ergänzt: „Fledermäuse haben sogar unter Autobahnbrücken ein neues Zuhause gefunden. Selbst Lärm scheint sie nicht zu stören.“

Auch die Familie Scheiermann überlegt, weitere Häuschen anzubringen. Dass manche Menschen Angst vor den harmlosen Fledermäusen haben, können sie nicht verstehen. „Gerade deren Mystik fasziniert uns“, schmunzelt Brigitte Scheiermann. „Zudem sind sie nützlich. Mücken gibt es bei uns kaum mehr.“

Kot-Reste bestimmen

Welcher Art ihre Nachbarn sind, wissen sie nicht. „Die huschen so schnell hin und her.“ Aber Sarah Sherwin hat die Kot-Reste auf der Terrasse eingesammelt, um sie von Experten bestimmen zu lassen. „Zehn bis zwölf Arten“, vermutet Frank Munzlinger vom Nabu, „sind in der Volmestadt heimisch.“ Dazu gehören Mausohr und Wasserfledermaus. Bei den Scheiermanns wird eher eine kleinere Art leben.

„Wir hoffen, mit dieser vom NRW-Umweltministerium geförderten Aktion Verständnis bei den Bürgern zu finden“, werben alle Beteiligten. Und so dem Ziel nahezukommen, in ganz NRW 300 fledermausfreundliche Gebäude mit der Plakette, wie sie die Scheiermanns jetzt bekommen haben, auszuzeichnen.