Feier mit fliegenden Fäusten

Haspe. (NO, 22.05.10) Der BSC Haspe zählt wieder zu den Elitevereinen in Westfalen und ist dabei, Haspe erneut zu einer regionalen Boxhochburg werden zu lassen. Seit 60 Jahren wird hier der Faustkampf gepflegt – das will gefeiert werden. Die Party mit spannenden Kämpfen, Ehemaligen und Stargästen sowie buntem Rahmenprogramm steigt am Samstag, 29. Mai, in der Rundsporthalle Haspe.

Gründung

Mit der Gründung des BSC 1949 Haspe am 2. Oktober wurde ein junger, aufstrebender Verein zu den ersten Adressen im westfälischen und deutschen Boxsport und knüpfte an die ruhmreichen Zeiten der SSV-Boxabteilung an. (Vor allem Ferdi Hoog ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Der Federgewichtler wurde sechsmal Westfalenmeister und zweimal Deutscher Meister; zuletzt trat er bei der Europameisterschaft 1952 in Italien in den Ring.)

Mit der Anfangszeit des BSC 1949 Haspe verbunden sind die Namen Willi Makosch, Otto Kalbfell (Vater von Hans Kalbfell), Philipp Becker und Heinrich Otto.

Unvergessen:

Hans Kalbfell

Sportliches Aushängeschild des BSC 1949 war lange Zeit zweifellos Hans Kalbfell. Der am 16. Mai 1930 geborene Schwergewichtsboxer, der in seiner aktiven Zeit rund 90 Kilo wog, begann 1955 mit dem Profiboxen und konnte 1957 gegen Heinz Neuhaus die Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht erringen. Daraufhin folgte jedoch eine Punktniederlage gegen Henry Cooper und der Verlust des Meistertitels an Albert Westphal.

Im April 1959 gelang dann die Revanche, Kalbfell schlug Westphal im Rückkampf. Nachdem er auch den Italiener Mino Bozzano bezwang, bekam er eine Chance, um die vakante Europameisterschaft zu kämpfen. Gegner war am 27. März 1960 in der Dortmunder Westfalenhalle der Brite Dick Richardson, dem er in dieser nunmehr zweiten Begegnung abermals unterlag. Kalbfell schlug dann den US-Amerikaner Tommy Jackson und versuchte es 1961 ein drittes Mal gegen Europameister Richardson. Wieder verlor er, diesmal aber nur nach Punkten. Bei Kämpfen um die deutsche Meisterschaft unterlag er dann jeweils noch einmal Westphal und Erich Schöppner und beendete anschließend seine Karriere. Hans Kalbfell verstarb am 23. März 1984 im Alter von nur 54 Jahren.

Die große Zeit des Boxens

In seinen großen Jahren löste Hans Kalbfell beim BSC Haspe einen regelrechten Boxboom aus. Einige Namen aus der großen Zeit: Gustav Sommer, Hermann Kühne, Günther Freckmann und Reinhold Hübner (die teils zweimal den Westfalenmeister-Titel holten) sowie Theo Thünken und Walter Möbus (Junioren-Westfalenmeister 1955 und 1959). 1958 schließlich stieg mit Jürgen Schröder ein weiteres Nachwuchstalent in den Boxolymp auf. Als amtierender Südwestfalenmeister erkämpfte das damals 17-jährige Bantamgewicht die Deutsche Juniorenmeisterschaft.

Zenit überschritten

Mitte der 60er Jahre hatte der Boxsport vor Ort seinen Zenit deutlich überschritten. An sportlichen Aushängeschildern mangelte es ebenso wie an Nachwuchskräften. Einzige rühmliche Ausnahme blieb Nachwuchstalent Werner Leismann, der 1987 bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften die Bronzemedaille holte.

Hallen-Höhepunkte

Für einen kurzen Augenblick erwachte der Boxsport wieder aus dem Dornröschenschlaf, als am 13. April 1984 ein Europameisterschaftskampf in der Ischelandhalle stattfand. Ein weiteres Großereignis fand 13 Jahre später in der kurz zuvor eröffneten Hohenlimburger Berlet-Halle statt.

Neugründung

Auf Initiative von Erich Borowski und Mahmut Kurukafa wurde am 21. Oktober 1997 im Hasper Ratskeller der BSC Haspe 1949/97 (neu) gegründet, der vorher unter dem Dach des in Konkurs gegangenen Hasper SV existierte. Zur Zeit lassen rund 70 Aktive aus neun Nationen in drei Trainingseinheiten pro Woche in der Hasper Rundturnhalle und der Turnhalle am Kirmesplatz die Fäuste fliegen.

Und auch Erfolge lassen sich wieder vermelden: Numan Kaya wurde letztes Jahr Westfalenmeister und Landesmeister im Halbschwergewicht der Männerklasse, Mersid Hadzic und Numan Kaya holten zudem dieses Jahr den Bezirksmeister-Titel.

Verantwortung

Der Traditionsverein übernimmt aber auch soziale Verantwortung: Er will nicht nur Kinder und Jugendliche von der Straße holen , sondern zeigt unter dem Motto „Sport statt Gewalt“, dass Boxen nichts mit agressiven Schlägern zu tun hat, sondern mit Fitness, Verantwortungsgefühl und Selbstkontrolle.

Pokalturnier

Der Box-Sport-Club Hagen Haspe 1949/97 feiert nun sein 60-jähriges Bestehen und veranstaltet im Rahmen des 3. Pokalturniers des Westfälischen Amateur-Box-Verbandes, Bezirk Arnsberg, seine große „Box-Party“. Los geht‘s am Samstag, 29. Mai, um 18 Uhr in der Rundsporthalle Haspe an der Kölner Straße 50. Für den BSC Haspe sind sieben Kämpfer angemeldet: Redzgar Shamo (Kadettenklasse bis 16 Jahre), Metin Karaaslan, Steven Renneberg und Mersind Hadzic (Juniorenklasse bis 18 Jahre) und in der Männerklasse Numan Kaya, Marc Chwalek und Volkan Karasu.

Favoriten, Ehrengäste und Stimmungsmacher

Als Favoriten gelten die beiden Lokalmatadore Mersid Hadzic und Numan Kaya. Letztgenannter wird auf dieser Veranstaltung nach zehn Siegen seinen ersten A-Klasse-Kampf absolvieren und von nun an unter den Eliteboxern die Fäuste fliegen lassen.

Zum Turnier unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dehm werden etliche ehemalige Mitglieder und Ehrengäste aus Sport und Politik erwartet. Für Stimmung und Tanzeinlagen sorgen die Cheerleader von Phoenix Hagen. Einlass ist ab 17 Uhr, der Eintritt kostet 8 Euro (Erwachsene) bzw. 5 Euro für Jugendliche.

Ehemalige bitte melden!

Stargäste sind die Profiboxer Julia Sahin und Manuel Charr aus dem Universum-Boxstall Hamburg. Diese Gelegenheit möchte der BSC Haspe nutzen, um auch ehemalige Boxer und Mitglieder einzuladen. Diese können sich bei Präsident Erich Borowski unter der Telefonnummer 0 1 78 / 8 54 80 54 melden.

Text unter Verwendung des Beitrags „Angeschlagen, aber nicht K.o. – Der Boxport in Hagen“ von Karsten-Tilo Raab im Hagener Jahrbuch 2010.