Fernuni-Wissenschaftler begleitet Raserprozess

Prof. Dr. Osman Isfen

Prof. Dr. Osman Isfen, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht an der Fernuni, begleitet den Hagener Raserprozess mit einem Blog. (Foto: Fernuni)

Hagen. Nicht weit vom Campus der Fernuniversität in Hagen liefern sich zwei Männer ein illegales Autorennen und verursachen einen schweren Verkehrsunfall. Eine Mitarbeiterin der Fernuni ist als Ersthelferin vor Ort.

Vier Menschen werden schwer verletzt. Ein sechsjähriger Junge ist erst nach mehreren Tagen außer Lebensgefahr. Gut ein Jahr später hat am Montag, 29. Mai, vor dem Hagener Landgericht der Prozess zum Unfall auf der Hagener Feithstraße begonnen.
Im Gerichtssaal sitzt auch Prof. Dr. Osman Isfen, Leiter des Lehrstuhls für Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht an der Fernuniversität. Er begleitet die Hauptverhandlung gegen die beiden Angeklagten mit einem Monitoring wissenschaftlich und stellt nach jedem der fünf geplanten Verhandlungstage einen Beitrag in sein strafrechtliches Blog ein.
Ein Vergleich zum Berliner Raserfall?
„Der Vorwurf der Anklage (…) ließ schon im Vorfeld des Verfahrens die Frage im Raum stehen, ob nach Berlin nunmehr auch in Hagen ein weiteres Urteil wegen (versuchten) Mordes in einem Raser-Fall gefällt werden könnte“, schreibt Dr. Osman Isfen in seinem Blog. „Die kurz zuvor erfolgte Veröffentlichung der schriftlichen Urteilsgründe im Kudamm-Fall lieferte hierfür eine spannende Vergleichsgrundlage. Doch nach dem ersten Prozesstag vor dem Landgericht Hagen sieht es so aus, als ob die Annahme eines vorsätzlichen (versuchten) Tötungsdelikts nicht zur Diskussion stehen wird.“
Der Jurist der Fernuniversität will neben einer Zusammenfassung der Verhandlung auch eine erste rechtliche Einordnung vornehmen. Geplant ist zudem ein wissenschaftlicher Aufsatz, in dem Prof. Osman Isfen einen Vergleich zum Berliner Raserfall ziehen wird.
Zur Erinnerung: Im Prozess um das illegale tödliche Autorennen in Berlin war erstmals in Deutschland in einem Autorennen-Fall Anklage wegen Mordes erhoben worden. Ein 69-jähriger Mann war auf dem Kudamm noch am Unfallort gestorben. Die beiden Angeklagten wurden im Februar dieses Jahres wegen Mordes verurteilt. Ihre Strafe lautet: lebenslange Haft, lebenslanger Führerscheinentzug.
Mit einer Prognose für den Hagener Raserfall hält sich Osman Isfen bewusst zurück. „Ob es eine Gefängnisstrafe geben wird, ist nicht abzuschätzen. Es wird spannend, wie das Berliner Urteil rezipiert wird“, sagt der Experte für Strafrecht.
Die Anklage in Hagen lautet auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung.
„Selbstverständlich kann es aber dabei nach einem entsprechenden Hinweis des Gerichts auch um versuchten Mord gehen“, sagt Osman Isfen.
Insgesamt fünf Verhandlungstermine sind angesetzt, im Anschluss daran ist jeweils ein Blogbeitrag geplant: Montag, 29. Mai, Donnerstag, 1. Juni, Montag, 12. Juni, Donnerstag, 29. Juni, Montag, 3. Juli.
Das strafrechtliche Blog „Audiatur et altera pars“ („Man höre auch die andere Seite“) von Osman Isfen ist zu lesen unter https://isfen.fernuni-­hagen.de.