Feuer und Wasser

Hagen. (clau, 08.05.10) „Feuer & Wasser. Live in den Fabrikskes“ so lautet bereits zum vierten Mal der Titel einer erfolgreichen kulturellen Zusammenarbeit in der Region Südwestfalen. Im Laufe der nächsten Monate werden nacheinander die Balver Luisenhütte, das Freilichtmuseum in Hagen und die historische Fabrikanlage Maste-Barendorf in Iserlohn Schauplatz sein für hervorragende Veranstaltungen vor historischer Kulisse.

In Südwestfalen – nicht im Ruhrgebiet – stand einst die Wiege der Eisenverarbeitung. Hier rann das flüssig geschmolzene Metall in unzähligen aus Lehm gebauten Rennöfen aus dem unscheinbaren Erz. Hier loderten die Schmiedefeuer. Hier trieb die Wasserkraft die Hämmer und Drahtrollen an, als das Ruhrgebiet noch lange nichts von seinen Bodenschätzen ahnte. Jahrhunderte alt ist die Tradition der Metallverarbeitung in der südwestfälischen Region. Jeder Ort hat seine alten „Fabrikskes“, die an das rege Gewerbeleben rund um Eisen, Sensen, Draht und Co. erinnern. Nirgendwo sonst in Deutschland findet sich eine so große Dichte dieser kleinen Produktionsstätten.

Ziel des Verbundes „Feuer & Wasser“ ist es, herausragende Technikdenkmäler der Region mit mehr Leben zu füllen, etwas in ihnen zu veranstalten, das verblüfft, erstaunt, das auch Menschen anzieht, die sonst nicht kommen würden, etwas das begeistert, berauscht und unvergesslich ist.

Märchen, Filme und Mond-Musik

In einem weiteren besonderen Zusammenhang geht das LWL-Freilichtmuseum in Hagen an den Start: Diese beliebte, nunmehr schon 50-jährige Institution wartet im Rahmen der erstmals in Hagen durchgeführten „Langen Nacht der Museen“ am Freitag, 23. Juli von 18 bis 24 Uhr mit einem außergewöhnlichen Programm auf.

Vom Einbruch der Dämmerung bis in die Nacht hinein gibt es im Mäckinger Bachtal nicht nur Vorführungen, Aktionen, Taschenlampenführungen, Musik und kulinarische Genüsse. Unter dem Namen „Mondsüchtig“ erklingt mehrfach an diesem Abend Weltall taugliche Musik zum Hagener Planetenmodell. Ein Erlebnis für Auge und Ohr! Non-Stop laufen in der Museumsnacht ferner nostalgische Super-8-Filme aus den 50er Jahren.

Das Theater Wundertüte in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Wetter feiert um 19.30 und 21.30 Uhr die Premiere seines Stückes „Märchen aus 1001 Nacht“, das eine Brücke zur Europäischen Kulturhauptstadt Istanbul schlagen will. Kalif Storch, der kleine Muck und Prinzessin Scheherazade versprechen beste Unterhaltung für kleine, aber auch für große Zuschauer. Der Eintritt zur Hagener Museumsnacht kostet 9,50 Euro, gilt die ganze Nacht über für alle Hagener Museen und schließt obendrein den Bustransfer ein.

Luisenhütte

Den Beginn der diesjährigen Kulturreihe rund um die Technikdenkmäler macht aber schon am Samstag, 26. Juni, von 14 bis 24 Uhr die Luisenhütte in Balve. „LUISE heizt ein!“ lautet zum vierten Mal des Motto des Tages.

Die Veranstalter konnten in diesem Jahr ein Theater aus Liechtenstein verpflichten, das mit sagenhaften Inszenierungen fasziniert. Die Künstler berühren ihr Publikum mit poetischer, moderner und auch oft unwirklicher Bildersprache auf ganz besondere Art und Weise. Phantastische Wesen werden die Landschaft rund um die Luisenhütte erobern und die Menschen in atemloses Erstaunen versetzten. Trotzdem steht die alte Hütte ganz im Mittelpunkt, kann besichtigt oder bei Führungen erkundet werden. Ein Fest für die ganze Familie bei freiem Eintritt!

Barendorf

Und in Iserlohn arbeiten die Organisatoren derzeit an der vierten Auflage des Barendorfer Klassik-Festes „Draht Saiten Akt“, das am Sonntag, 19. September, von 14.30 bis 18.45 Uhr stattfinden wird. Museumsleiter Gerd Schäfer hat das Konzept, das nichtalltägliche Kultur mit alten Gemäuern verbindet, überzeugt: „Hunderte Besucher kommen jährlich zu unserem Konzertmarathon. Die meisten bleiben bis zum Schluss. Und tatsächlich spricht ,Draht Saiten Akt‘ auch ganz neue Besucher-Schichten an. Es ist immer besonders schwierig, junge Menschen ab 14 Jahren für ein Museum zu begeistern. Aber hier gelingt es.“

Natürlich kommen sie in erster Linie der Musik wegen. Und da wird einiges geboten! In nur vier Stunden erklingen 30 verschiedene Konzerte von Klassik über Jazz bis Weltmusik . Zehn verschiedene Ensembles und Solisten spielen ihre drahtigen Instrumente (Geige, Klavier, Harfe…) an unterschiedlichsten Orten in der historischen Fabrikanlage. Gerd Schäfer: „Sie spielen unmittelbar zwischen den alten Nadelmaschinen. Ein besonderer Gag ist das Konzert bei Kerzenschein in einem Raum, der nur vier Zuhörer fasst. Hierzu muss man sich anmelden. Ansonsten wandern die Zuhörer genauso wie die Musiker jeweils nach 30 Minuten von Raum zu Raum von Konzert zu Konzert.“