Filigrane Baumstamm-Kunst

„So soll unser Baumstumpf mal aussehen!“ Die Eilper Kindergartenkinder sind ganz gespannt auf die Skulptur, die Peter Dembon ihnen aus dem Ahornstamm erschafft. Ein Modell von Rabe, Maus und Bär im Segelschiff hat der Künstler bereits angefertigt. (Foto: Anja Schade)

Von Anja Schade

Hagen/Iserlohn. Wenn Peter Dembon Hand anlegt, dann fliegen die Späne und es wird sehr laut. Der Iserlohner Künstler rückt Holz mit einem ungewöhnlich großen Gerät zu Leibe, statt Feile und Schnitzmesser benutzt er eine Kettensäge, mit denen er erstaunlich filigrane Skulpturen fertigt.

Normalerweise erntet er bewundernde Blicke, heute allerdings verziehen seine Zuschauer eher das Gesicht und halten sich die Ohren zu. „Oh, ist das aber laut“, ist die fünfjährige Lili entsetzt, aber zugleich auch neugierig: „Mama, was wird das?“ Peter Dembon istAnfang Juni 2012 zu Gast im Evangelischen Kindergarten, In der Welle, in Hagen-Eilpe.

Ein Baumstumpf steht dort nahe der Eingangstür, der den Bereich nicht gerade verschönert. Der Wunsch, daraus etwas Besonderes zu machen, bestand bei Kindergartenleiterin Stefanie Maliga schon lange. Sie beobachtete Peter Dembon bei einer seiner Vorführungen und lud den Künstler in ihre Einrichtung ein. Der wiederum war vom lebenden Baumrest, einem Ahorn, begeistert und fertigte sogleich ein erstes Modell an. „Manchmal guckt man sich ein Stück Holz an und weiß sofort, was daraus wird.“ Gestalterisch möglich ist vieles.

Tierisches aus Holz

Seit rund 20 Jahren ist Peter Dembon der Kettensäge verfallen. Begonnen hat seine Leidenschaft, mit einem kleinen Specht, den sich seine Mutter als hölzernen Türklopfer wünschte. „Nach etlichen Versuchen mit kleinen Schnitzmessern, Stechbeitel und anderem Gerät beschloss ich, zu gröberem Werkzeug zu greifen“, erinnert sich der Künstler schmunzelnd. „Die kleinen Werkzeuge waren eine Katastrophe. Meine Wahl fiel dann auf die Kettensäge. Nachdem ich endlich alles überflüssige Holz vom Specht entfernt hatte, war ich diesem schweren Gerät verfallen.“

Seinen Garten schmücken zahlreiche tierische Objekte: Bären, Eulen, Adler, Raben, Geier und Schweine „hausen“ hier. „Die Pflege bereitet mir allerdings keinerlei Probleme, denn mein privater Zoo besteht komplett aus Holz verschiedenster Baumarten“, lacht der 49-Jährige. Aber auch riesige Drachen als Blickfang oder Meerjungfrauen, die majestätisch aus einem Teich emporsteigen, fertigt er auf Wunsch.

Kunst und Natur

Ein noch stehender Baumstamm im Garten eignet sich optimal dazu, ihm mit einer Schnitzerei ein neues Gesicht zu geben. Der praktische Aspekt: Man erspart sich das Ausgraben der Wurzel und bekommt eine Skulptur, die zudem diebstahlsicher ist. Ein weiterer Vorteil: „Der Baum lebt noch und wenn er erneut ausschlägt, vermischen sich Kunst und Natur zu einer äußerst interessanten Einheit“, freut sich Peter Dembon.

Lernen kann diese grobe Kunsttechnik eigentlich jeder. Talent muss nicht unbedingt vorhanden sein. „Man muss nur Respekt haben vor dem Gerät, aber keine Angst“, verrät der Iserlohner. Er zeigt Interessierten in Kursen, wie es geht. Allerdings: Wer sich einmal verschneidet, hat ein Problem. „Das Ansägen bei diesem Werkstoff funktioniert leider noch nicht!“

Rabe, Maus und Bär

Im Baumstumpf des evangelischen Kindergartens werden die Gruppennamen der Einrichtung verewigt. Aus rot, gelb und blau – ein Relikt aus den 70ern – wurden vor einigen Jahren das Raben- und Mäusenest sowie die Bärenhöhle. Tiersymbole, die sich nicht nur als Logo auf Schriftstücken und T-Shirts, sondern jetzt auch vor dem Eingang wiederfinden sollen: Ein kleiner Rabe, eine niedliche Maus und ein süßer Bär stechen mit einem Segelschiff in See. Ein schöner Wiedererkennungswert, den nicht nur die Wellen-Kinder toll finden.

Erst kreiden, dann sägen

Der Kiga-Baum indes ist eine Herausforderung für den Künstler. Das Holz ist hart und teilweise auch schon morsch. „Mal schauen, was daraus wird“, ist er gespannt auf seine Handarbeit, die immer wieder reizvoll ist. Nie gleicht ein Stück dem anderen. Das Holz gibt den Weg vor! Mit Kreide hat sich Peter Dembon die Umrisse auf den Stamm gemalt, die Striche zeigen eine grobe Richtung. Das Motiv hat er in Gedanken in seinem Kopf vorgezeichnet. Aufs Geradewohl loslegen kann der Iserlohner dann doch auch nicht. Eine Skizze auf Papier aber macht er sich nicht, schließlich sei diese Kunst dreidimensional und nicht auf Zettel zu bannen.

Zwei Tage feilt er an der filigranen Kindergarten-Skulptur, die erstaunlicherweise allein mit der Kettensäge geschaffen wird. Nur das Segel des Schiffes bearbeitet er zum Schluss noch mit Schleifpapier und die Augen der Tiere stanzt er ein. Seine Hobby, das der Autoschlosser mittlerweile zum Beruf gemacht hat, ist wetterabhängig. „Ich arbeite schließlich mit Strom und bei Regen wird es gefährlich.“ Spricht’s und wirft kritisch einen Blick in den arg bewölkten Eilper Himmel. Peter Dembon schmeißt schnell seine Kettensäge wieder an, damit schon bald die Kiga-Kinder sein Werk in aller Ruhe und ohne „Ohren-zu-halten“ bestaunen können…