Fisch im frischen Design

Hagen. Der Grundriss und die Adresse haben sich nicht verändert, aber ansonsten ist die Nordsee in Hagen, Elberfelder Straße 8, kaum wiederzuerkennen. Die Filiale gehört zu 40 Pilot-Stores in Deutschland, die nach einem neuen Design-Konzept umgestaltet wurden. Neben dem neuen Aussehen, einer Kombination aus Vintage-Look und modernen Elementen,  hat das Fisch-Restaurant auch ganz neue Produkte im Sortiment, zum Beispiel frisch im Laden zubereitete Lunch-Boxen. Besonders in Hagen ist der riesige Außen-Bereich inklusive Chill-Lounges. Nach sechswöchiger Umbauphase wurde die neue Nordsee in der vergangenen Woche wieder eröffnet – mit einer Einweihungsfeier am Mittwoch, 7. September 2016, zu der auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Nordsee, Robert Jung, anwesend war. Vor dem Re-Opening führte Wochenkurier-Volontär Tim Haacke ein Interview mit dem CEO.

Herr Jung, Sie sind seit Anfang dieses Jahres Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Nordsee. Wie würden sie die bisherige Zeit beschreiben?

Wenn es ein Wort sein muss –  mit aufregend, weil wir einfach sehr viel verändern gerade im Unternehmen und unsere neue Markenpositionierung ausrollen, die wir entwickelt haben.
Für mich ist die Aufgabe Nordsee ja nicht so neu. Ich bin seit 2009 in der Firma, habe in Österreich begonnen und bin dann nach Deutschland gewechselt. 2014 habe ich angefangen, Vertrieb und Marketing zu übernehmen und seit Anfang dieses Jahres ist es der Vorsitz. Aber wir haben vor zwei Jahren angefangen an unserem neuen Markenbranding, an unserer neuen Positionierung zu arbeiten und das rollen wir jetzt gerade mit vollen Kräften aus.

Sie sind für 373 Filialen und insgesamt 6.000 Beschäftigte verantwortlich – ihre Entscheidungen können also für viele Menschen eine große Tragweite haben. Machen Sie sich das oft bewusst oder versuchen Sie eher, sich von diesem Gedanken zu lösen?

Ich würde sagen definitiv ersteres, wobei bewusst machen in meiner Funktion gar nicht so notwendig ist, weil ich etwa die Hälfte der Zeit in unseren beiden Headquarters in Bremerhaven und Düsseldorf verbringe oder draußen im Feld unterwegs bin. Wenn es Entscheidungen zu treffen gibt in meinem Job, dann beeinflusst das viele Menschen, aber diese Menschen sind ständig um mich herum, so dass das automatisch immer präsent ist. Also, ich könnte Entscheidungen gar nicht treffen, ohne dabei an unsere Leute zu denken, das ist eigentlich gar nicht möglich.

Der aktuelle Slogan der Nordsee lautet „Wir sind Fisch.“ Was steckt dahinter?

Das kommt einerseits aus der Historie heraus. Wir haben ja dieses Jahr unseren 120-jährigen Geburtstag gefeiert und haben damals in Nordenham, wo das Unternehmen gegründet wurde,  angefangen Fisch zu fangen. Das heißt, wir kommen aus dem Fischfang, haben das jahrzehntelang gemacht und haben uns dann über die Jahre immer mehr von der Fischindustrie hin entwickelt zum Gastronomiebetrieb und Filialunternehmen.

Und weil wir diese ganze Kette durchhaben vom Fangen des Fisches hin zum Verbraucher,  zum Gast im Restaurant, haben wir eigentlich jede Erfahrung mit Fisch bei uns im Unternehmen, die man so haben kann, also fühlen, atmen und leben wir Fisch in allen Facetten rund um die Uhr und unsere neue Positionierung hat auch den Anspruch, dass wir als Nordsee für unsere Kunden und Gäste in allen Lebenslagen mit Fisch da sind – sei es, wenn sie in unseren Store kommen oder mit unseren neuen Produkten in den Supermärkten oder mit unseren neuen Food Trucks, mit denen wir bald unterwegs sein werden.  Also man soll immer und überall die Möglichkeit haben, Fisch zu genießen und Nordsee ist der richtige Ansprechpartner dafür.

Das Kernprodukt der Nordsee ist also Fisch. Das mag nicht jeder, mit diesem Gedanken spielen Sie auch in der aktuellen Kampagne. Trotzdem bieten Sie jetzt zum Beispiel auch einen veganen Burger an. Wieso?

Wir haben in der Vergangenheit auch immer wieder Fleischprodukte im Sortiment gehabt,  sei es bei Beilagen oder mal ein Surf-and-Turf-Angebot.  Jetzt haben wir für unsere Marke aber beschlossen, dass wir eine rein pescetarische Marke sein werden. Das heißt, bei uns gibt es Fisch in allen Arten und Formen und es gibt pflanzliche Produkte, aber es gibt kein Fleisch mehr im Sortiment, auch keine Fleischbestandteile in irgendwelchen Produkten. Pflanzliche Nahrungsmittel sind für uns einfach die perfekte Ergänzung zum Fisch, ob ich sie als Beilage esse oder rein pflanzliche Produkte genieße.

Wir haben eine hohe Übereinstimmung in unseren Zielgruppen zwischen Menschen, die gerne pflanzlich essen und Menschen, die gerne Fisch essen und deswegen ist das so für uns ein rundes Paket. Mit dem Portobello-Burger haben wir jetzt im Snack unser erstes veganes Produkt gelauncht und wir haben auch ein neues Fish-to-go-Sortiment diese Woche auf den Markt gebracht in den ersten 40 Stores und da gibt es auch vegane Salate und Produkte.

Gibt es weitere Pläne, das Angebot um fischfreie Produkte zu erweitern?

Wir beschäftigen uns seit einem halben Jahr gezielt mit dem Thema vegane/vegetarische Produkte in unserer Produktentwicklung – da gibt es noch viele Dinge an denen wir arbeiten.  Der Portobello-Burger, unser Kichererbsen-Salat und unser Couscous-Salat in unserem Fish-to-go-Sortiment sind jetzt die ersten drei rein veganen Produkte. Auch im Restaurant-Bereich planen wir, ein veganes Produkt zu bringen und dann werden wir Erfahrungen sammeln und schauen, wie groß dieses Sortiment werden kann, also wie viel Rückmeldung, wieviel Zuspruch wir dann wirklich von unseren Gästen und Kunden kriegen.

Das Gesicht der Nordsee hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt, Sie selbst waren daran maßgeblich beteiligt. Wie bewerten Sie bisher den Erfolg der Veränderung?

Wenn Sie Gesicht meinen, sprechen Sie unsere Stores an oder grundsätzlich die gesamte Positionierung und Veränderungspolitik?

Beides.

Ok. Wenn wir eine Filiale renovieren oder umbauen, so wie jetzt hier auch in Hagen, sehen wir danach eine positive Entwicklung. Tendenziell ist es so, dass in größeren Städten mit Publikum, das mehr Auswahl in der Gastronomie hat, unser Konzept, weil es ein sehr modernes Konzept ist, besser ankommt und besser aufgenommen wird. Also in großen Städten – und so ist auch unsere Erwartungshaltung in Hagen – sehen wir einen stärkeren positiven Effekt, in kleineren Städten einen schwächeren. Aber wenn wir investieren, wenn wir umbauen und den Store neu machen, dann kommt das immer positiv bei unseren Gästen und Kunden an.

Die gesamte Positionierung und Strategie – wenn man das mit einer Marke oder einem Unternehmen macht, dann bedeutet das für das Unternehmen selbst und für den Kunden erstmal viel Veränderung, da entstehen auch Reibungsverluste und Aufwände, die sonst nicht da wären. Wir haben das ganze Image und das ganze Markenbranding neu aufgesetzt und da darf man auch nicht die Erwartungshaltung haben, dass das von heute auf morgen plötzlich doppelt so gut funktioniert oder alles besser läuft, sondern das ist ein Prozess, der langfristig angesetzt ist.

Wir haben unsere Planung jetzt erstmal für die nächsten fünf Jahre gemacht und Nordsee ist auch ein Unternehmen – durch unsere Historie, durch unsere 120 Jahre Erfahrung – das langfristig mit so einem Prozess umgehen kann. Unsere Eigentümerstruktur ist eine private, also wir haben private Gesellschafter, deswegen haben wir diesen Prozess auch stabil und langfristig ausgerichtet.

Kommen wir zu der Neueröffnung in Hagen. Die Filiale war jetzt für einige Zeit geschlossen. Was hat sich genau verändert?

Wir haben ja sechs Wochen umgebaut und jetzt wieder eröffnet und feiern das heute und grundsätzlich hat der Umbau zum einen den Store technisch auf den aktuellsten Stand gebracht – das ist einfach immer notwendig, sich dann um Installationen, Lüftung etc. zu kümmern – und zum anderen haben wir unsere neue Design-Ausrichtung umgesetzt.

Neue Design-Ausrichtung heißt, dass wir vor zwei Jahren ein Design-Konzept entwickelt haben, das grundsätzlich die Richtung vorgibt. Aber – und das werden unsere Gäste auch sehen, wenn sie verschiedene Stores besuchen – kein Store, auch die neuen, die wir umbauen, sieht genauso aus wie der andere, das heißt wir setzten das je nach Standort immer individuell angepasst um und versuchen auch regionale Elemente in das Design mit einzubeziehen. Die findet man auch hier im Store, wenn man sich umsieht und ich glaube, es gibt viel zu entdecken. Ein Highlight ist sicher auch die Außengastronomie. In der Größenordnung ist das auch für Nordsee einzigartig: wir haben draußen 120 Quadratmeter und 96 Sitzplätze, das ist für uns federführend. Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat da super funktioniert, da kann ich mich auch auf diesem Wege nur nochmal bedanken und ich glaube das ist etwas, das unsere Gäste auch genießen werden.

Zum Schluss noch zwei Fragen zu Ihren persönlichen Essgewohnheiten. Essen sie selber oft Fisch?

Ich esse sehr viel Fisch und auch sehr viel Fleisch, weil ich mich Paleo orientiert ernähre. Nicht streng, aber ich versuche das möglichst gut einzuhalten. Ich habe ungefähr den Fischverbrauch in einem Monat, den der Durchschnitt so in einem Jahr hat, also mindestens fünf oder sechs Mal die Woche. Einen Tag gibt’s dann immer, der fisch- und fleischlos gestaltet ist, aber ansonsten fast täglich. Heute hatte ich beispielsweise in unserem Store in Düsseldorf, bevor ich losgefahren bin, mittags 400 Gramm Lachs auf Blattspinat, das heißt ich werde gut durchhalten, bis es hier die ersten Sachen zu essen gibt.

Haben Sie selbst ein Lieblingsprodukt bei der Nordsee, und wenn ja, welches?

Ja, das habe ich. Ich esse sehr gerne Austern, am liebsten gegrillt, das machen wir heute auch. Das ist natürlich nichts für everyday, ich bin aber auch ein großer Lachs-Liebhaber. Das ist einfach ein Fisch, mit dem man sehr viel machen kann, der durch seinen Fettgehalt und durch seine Fettsäuren auch sehr wertvoll und sehr nahrhaft ist. Ich kann nur allen unseren irischen oder schottischen Bio-Lachs ans Herz legen – den einfach gegrillt oder gebraten zubereitet, da braucht man auch nichts dazu, das ist einfach super.

Vielen Dank.

Sehr gerne.