Fit für die Fahrt

Hagen. (anna) Der wochenkurier berichtete bereits mehrfach über das Dahler Paar Eleonore Schmitz-Hegemann und Jürgen Koppert, das eine über zweimonatige abenteuerliche Reise durch Lateinamerika unternommen hat. Ihr Ausgangspunkt war Montevideo, die Hauptstadt Uruguays. Wir setzen unsere Serie heute fort:

Zu Beginn der Reise hatte das Dahler Paar alle Energie gebraucht, um das Wohnmobil endlich vom Schiff zu bekommen. Nur mit größter Überredungskunst und dem festen Willen, die Reise antreten zu können, hatten sie sich gegen Behörden und Agenten im Hafen von Montevideo durchsetzen können. Nun waren sie gerüstet für die große Reise durch Südamerika: Zuerst wollten sie von Uruguay nach Argentinien fahren.

Doch die Gasflaschen waren noch leer und obendrein fehlte eine wichtige Elektro-Sicherung. Die beiden Globetrotter hatten den falschen Gasflaschen-Adapter für Uruguay im Gepäck – und bis zu Argentiniens nächster Zapfstelle waren es stolze 1500 Kilometer. „Also haben wir an der Tankstelle gebastelt und dann das Gas von einer großen Uruguayflasche in unsere Fasche laufen lassen“, erinnert sich Eleonore Schmitz-Hegemann. „Propangas ist schwerer als Luft, folglich fließt es nach unten. Pro Flasche dauerte der Umfüll-Vorgang 30 Minuten. Ich hätte die drei Männer von der Rio-Gas-Tankstelle küssen können, mir sind bald die Tränen gekommen, als alles geklappt hatte.“

Die drei Männer von der Rio-Gas-Tankstelle in Uruguay schafften es, die Gasflaschen der beiden Dahler aufzufüllen, obwohl kein passender Adapter vorhanden war. (Foto: privat)
Die drei Männer von der Rio-Gas-Tankstelle in Uruguay schafften es, die Gasflaschen der beiden Dahler aufzufüllen, obwohl kein passender Adapter vorhanden war. (Foto: privat)

Bierkrüge

Das Dahler Paar schenkte den Männern Bierkrüge aus Deutschland, denn sie hatten ihre Mittagspause geopfert. „Die Männer haben gleich die ganze Nachbarschaft gerufen und alle haben die Krüge bestaunt.“ Während sie die Gasflaschen befüllten, haben die Deutschen eineinhalb Stunden in der Fahrspur gestanden. „Ein Polizist hat solange den Verkehr um uns herum geleitet und anschließend hat er uns in den Verkehr eingewunken. Das hätte man mal in Deutschland machen sollen. Wohlgemerkt: Das fand mitten in Montevideo statt, nicht in einem Dorf“, freut sich das Paar heute noch.

Nun fehlte noch die Sicherung. Aber auch dieses Problem wurde gelöst: „Dank einer wirklich sehr bemühten Touristeninfo in Maldonado – in der Nähe zum berühmten Badeort Punta del Este – fanden wir eine Werkstatt, in der es eine 40-Ampere-Sicherung gab.“ Die aus Deutschland mitgebrachte war auf dem Frachtschiff zerstört worden.

„Das ist Urlaub!“

Weiter führte die Tour über den Rio Uruguay ins argentinische Grenzstädtchen Gualeguaychu. Die Stadt ist tropisch. Der Fluss mit einer kleinen Insel teilt die Stadt. Auf der Insel ist alles für Sport und Freizeit eingerichtet. Ein sehr eleganter Yachtclub mit eingezäuntem Gelände und fünf Wachhunden machte einen guten Eindruck auf die beiden Globetrotter aus Europa.

Eleonore Schmitz-Hegemann ging in den Club hinein, um nachzufragen, ob sie eine Nacht bleiben dürften. Ein Wächter kam. „Ich lobte erst mal die schöne Anlage“, erzählt die Dahlerin, die dem Mann nun erklärte, dass sie aus Deutschland kämen, gerade die erste Nacht in Argentinien seien und gern die erste Nacht hier bleiben würden. „Selbstverständlich“, antwortete der Mann, „wir suchen Ihnen einen Schattenplatz, hier sind die Duschen, da die Toiletten. Wenn sie noch schwimmen möchten, da ist der Pool. Und das Restaurant ist auch noch bis 22 Uhr geöffnet. – Wirklich, so ist das gelaufen! Jürgen hat sofort wieder einen Bierkrug geholt und ihn dem Mann geschenkt. Daraufhin kamen etliche Leute vom Club, haben unsere Rückwand vom Auto angesehen und die vielen Aufkleber von den Ländern Europas bestaunt. Dann kam auch noch der Chef und hat uns einen Wimpel vom Club überreicht.“

Die Beiden mussten natürlich erzählen, wo sie schon waren, wohin sie wollten und wie ihnen Argentinien gefällt. „Wir haben bei 28 Grad noch bis 23 Uhr draußen gesessen und den guten argentinischen Wein genossen. Jürgen schenkte auch dem Wächter einen Krug, der uns dafür einen herrlich duftenden Blumenstrauß überreichte. Danach sind wir, wie jeden Abend, stantepede eingeschlafen.“

Weiter nach Süden

„Obwohl die Leute hier sicherlich eine gute Schulbildung haben und nicht die Ärmsten sind, sprach keiner Englisch“, wundert sich Eleonore Schmitz-Hegemann. „Zumindest nicht, um sich zu unterhalten. Das verwundert. Kann sein, dass die Abneigung gegen die USA eine Rolle spielt. Allerdings lernen hier viele Portugiesisch als Zweitsprache, wegen der Nähe zu Brasilien.“

„Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires haben wir umfahren, weil wir die Stadt schon kannten. Stattdessen haben wir uns in Richtung Süden auf den Weg gemacht. Die Zeit ist uns ein bisschen aus den Fingern geglitten durch die ’kleinen Probleme’…“

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