Flammenlos und sparsam kochen, backen, braten

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern am Vorabend des Ersten Weltkriegs eigentlich im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ abermals mit einem Blick in die Wochen vor genau hundert Jahren fort.

Es berichtet wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach:

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares in Sarajewo am 28. des Vormonats bewegte auch noch zu Beginn des Juli 1914 die Gemüter in Hagen. Doch ging das Alltagsleben in der Stadt weiter seinen Gang. Man war ja Balkankrisen gewöhnt, und auch in Hagen konnten die Menschen nicht wissen, dass dieses Attentat zum Auslöser eines Weltkriegs werden würde. Lokale Ereignisse nahmen daher bald wieder, wenigstens vorerst, die Aufmerksamkeit der Hagener in Anspruch.

Interessant für Hausfrauen

Das Interesse vor allem der Hausfrauen dürften die Veranstaltungen gefunden haben, die in der noch andauernden Gewerbeausstellung auf der Springe am Mittwoch, dem 1. Juli, Donnerstag, dem 2. und Freitag, dem 3. Juli, nachmittags von vier bis sieben Uhr in dem Vortragssaal der Stadthalle stattfanden.

Dort wurden von einigen der Aussteller von Gaskochern unter dem Motto „Wie koche ich am sparsamsten?“ Vorträge über Kochen, Braten und Backen mit Gas angeboten, die mit praktischen Vorführungen verbunden waren.

Mehr für technisch Interessierte und Fachleute war der Vortrag bestimmt, den ebenfalls am Mittwoch, und zwar ab 8.30 Uhr abends im kleinen Saal der Stadthalle, ein Dr. Essig von der Berlin-Anhaltschen Maschinenbau A.G. über „Flammenlose Oberflächen-Verbrennung“ hielt.

An diesem Mittwoch fand ab vier Uhr nachmittags auf dem Ausstellungsgelände auch noch ein Kinderfest mit Kinderball, japanischem Tagesfeuerwerk und anderen Attraktionen statt. Am darauffolgenden Donnerstag gab es abends ab halb neun Uhr einen von dem M.G.V. „Harmonie“ Eppenhausen als Werbeveranstaltung der Vereinigung für Schülerwandern bestrittenen Liederabend.

Verlängerung mit Unterhaltung

Eigentlich sollte die Ausstellung dann am Freitagabend zu Ende gehen. Doch da es im Juni an vielen Tagen geregnet hatte und der Besuch der Ausstellung an diesen Tagen entsprechend gering gewesen war, wurde die Ausstellung um das folgende Wochenende verlängert. Zur musikalischen Unterhaltung verpflichtete man eiligst den M.G.V. Eilpe für einen Liederabend am Samstag sowie die Musikkapelle des 13. Infanterie-Regiments aus Münster für Konzerte am Samstag und Sonntag.

Doch während an den ersten drei Julitagen noch herrliches Sommerwetter in Hagen geherrscht hatte und das Thermometer am Donnerstag sogar auf 34 Grad Celsius geklettert war, regnete es prompt am Samstag und Sonntag wieder. Trotzdem kamen an den beiden Schlusstagen noch eine ansehnliche Zahl von Besuchern in die Ausstellung und füllten vor allem das Bier- und Weinrestaurant sowie auch das Eversbusch-“Wacholderhäuschen“.

Am Samstag besuchte noch der Barmer Verein für Technik und Industrie mit einer Stärke von 100 Herren die Ausstellung.

„Voller Erfolg“ für Hagen

Für die Stadt Hagen war die Ausstellung, wie das „Westfälische Tageblatt“ am Montag, dem 6. Juli, schrieb, ein „voller Erfolg“. Auch die Aussteller zeigten sich am Schluss zufrieden. Insgesamt war die Ausstellung trotz des häufig schlechten Wetters doch gut besucht worden und konnte daher auch mit einem finanziellen Überschuss abschließen.

Forsetzung folgt.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.