Flüchtlingskinder „UMFAssend“: Neue Heimat in Holthausen

Holthausen. (anna) Seit Anfang des Jahres betreut die Diakonie Mark-Ruhr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Weil die Nachfrage nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für diese Jugendlichen immer größer wurde, renovierte die Diakonie in nur drei Monaten das ehemalige Jugendgästehaus in Holthausen, Holthauser Straße 67, und konnte so zwölf Jugendlichen eine neue, beschützende Heimat bieten.
Jetzt leben und lernen zwölf junge Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sowie dem Libanon unter einem Dach in der behüteten Atmosphäre ihrer Betreuer und dem idyllischen Umfeld des Dorfes Holthausen. Ihre neue Heimat ist das Verselbstständigungszentrum (VZe) „UMFassend“, in dem sie nun auf eine bessere Zukunft blicken können.

Steigende Nachfrage

„Der starke Bedarf an Betreuungsplätzen für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge hat ein sofortiges Handeln unumgänglich gemacht“, erklärt Reinhard Meng, Geschäftsführer der Ev. Jugendhilfe Iserlohn-Hagen.
Auch wenn es momentan etwas ruhiger geworden sei, würden bald weitere Betreuungsplätze von Nöten sein. Und für diese Menschen unter 18 Jahren sei nun mal die Jugendhilfe verantwortlich.
So hat die Jugendhilfe Iserlohn-Hagen, eine Tochtergesellschaft der Diakonie, zusammen mit vielen Partnern wie Jobcenter, Schulen und Vereinen ein neues Konzept entwickelt, um die Aufnahmesituation und die gesellschaftliche Integration entscheidend zu verbessern.

Gespräch mit Röspel

MdB René Röspel (SPD) und sein Fraktionskollege Sönke Rix, Sprecher der Arbeitsgruppe für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, informierten sich jetzt über dieses Angebot und die Erfahrung in der täglichen Praxis. Dabei besichtigten sie auch die Räumlichkeiten des „UMFassend“ ebenso wie die weiträumige Außenanlage.

Neues Zentrum,neues Konzept

Das „VZe UMFassend“ ist ein sogenanntes Verselbstständigungszentrum für minderjährige Flüchtlinge. Sie sind alleine von ihren Eltern nach Deutschland geschickt worden, haben ihre Angehörigen im Krieg oder auf der Flucht verloren. Das neue Zentrum in Holthausen soll solchen Jugendlichen Sicherheit und Schutz vermitteln. Das Konzept der Jugendhilfe geht aber noch weiter. Es zielt ganz besonders auf die Integration in unsere Gesellschaft ab.
„Und dazu gehört unbedingt eine feste Tagesstruktur“, weiß Reinhard Meng. So ist Deutsch lernen und zur Schule gehen erst einmal ganz wichtig. Später sollen die Flüchtlinge dann in Praktika vermittelt werden. In ihrer Freizeit sollen sie Sport betreiben und sich in Holthausen einleben.
Auf einen geregelten Ablauf legt das Team vor Ort viel Wert. „Wir haben regelmäßige Essenszeiten“, erklärt Monika Ostaszewski, die Gruppenleiterin des „VZe UMFassend“. Zweimal in der Woche findet Deutschunterricht statt, den Holthauser Bürger ehrenamtlich anbieten. Auch die Sportvereine und Fitness-Zentren öffnen ihre Türen für die 15- und 18-jährigen Flüchtlinge.

Betreuung rund um die Uhr

Um eine entsprechende Begleitung zu ermöglichen, sind stets mehrere Betreuer in der Einrichtung zugegen. Ein Zimmer für die Mitarbeiter macht es möglich, dass auch über Nacht jemand da ist. Die jungen Menschen werden also rund um die Uhr betreut. Dabei spielt natürlich die Verständigung eine große Rolle. „Es war uns wichtig, geeignetes Personal zu finden, das mit der Sprache und den Kulturen der Jugendlichen vertraut ist“, so Reinhard Meng,  „aber der Arbeitsmarkt auf dem Gebiet ist abgegrast. Es war sehr schwierig gute Leute zu finden.“

Holthauser mit im Boot

Von Anfang an hat die Diakonie die Holthauser Bürger mit ins Boot geholt. „Wir haben ihnen weit vor dem Einzug der jungen Fremden erklärt, warum wir hier umbauen und für wen“, erklärt Meng.
„Nun setzen wir auf den Dialog mit den Bürgern, der auch immer wieder stattfindet.“ Bisher hat es keine Zwischenfälle oder Beschwerden gegeben. Ali Atalay, der für die Einrichtung zuständige Bereichsleiter der Jugendhilfe, betont, dass die Jugendlichen sehr offen und wissbegierig seien.
Ihre größte Angst sei momentan, dass sie wieder ausziehen müssen, wenn sie 18 Jahre alt werden. Zurück in die Turnhalle will keiner der Jugendlichen mehr, denn auch dort erfuhren sie Verrat und Diebstahl. Deshalb sollen sie, so die Diakonie, noch eine Zeitlang in betreuten Wohnungen unterbracht werden.
„Das kostet natürlich alles Geld“, meint Meng, „aber wir können die jungen Leute nicht einfach ins kalte Wasser schmeißen. Auch hier muss die Politik umdenken und einlenken, denn man wird nicht mit seinem 18. Geburtstag erwachsen. Diese teilweise traumatisierten Jugendlich brauchen eine Förderung über das 18. Lebensjahr hinaus.“