Fragen und Antworten: Wenn Alkohol das Leben bestimmt

Hagen. Gemeinsam mit dem Wochenkurier startete kürzlich mit Beratern der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Telefonaktion rund um das Thema Alkohol. Für alle, die nicht durchgekommen sind, hier eine Übersicht über die häufigsten Fragen und dazu die Antworten der Experten.
Mein Sohn (23) sagte mir, dass er jetzt nur noch am Wochenende Alkohol trinken will und auch nicht mehr so viel wir früher. Gibt es eventuell im Internet seriöse Unterstützung für sein Vorhaben?

Auf der BZgA-Seite www.kenn-dein-limit.info/change-your-drinking findet er ein 14-Tage-Programm zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Das Programm startet mit einem Selbsttest. Dann notieren die Teilnehmer täglich, wie viel sie trinken. Dazu erhalten Sie Feedback und konkrete Tipps. Das hilft, Situationen mit hohem Alkoholkonsum zu analysieren und Maßnahmen zu entwickeln, um den Konsum in den Griff zu kriegen.
Seitdem meine Tochter schwanger ist, trinkt sie nicht einmal zu Feiern ein kleines Glas Sekt. Ist das nicht übertrieben?
Alkohol ist ein Zellgift. Er kann auch in kleinen Mengen die geistige und körperliche Entwicklung des Embryos in allen Phasen der Schwangerschaft behindern. Nach wie vor werden in Deutschland Babys mit so genannten fetalen Alkoholspektrum-Störungen geboren, weil werdende Mütter Alkohol getrunken haben. Im schlimmsten Fall sind betroffene Kinder ihr ganzes Leben lang auf Hilfe angewiesen. Leider wird Alkoholkonsum in der Schwangerschaft noch immer verharmlost. Freuen Sie sich, dass Ihre Tochter so verantwortungsbewusst handelt.
In der Clique von meinem Sohn (17) wird extrem viel getrunken. Wenn ich ihm mit diesem Thema komme, macht er dicht. Was kann ich tun?
Versuchen Sie auf jeden Fall, den Kontakt zu halten. Gehen Sie nicht mit Schuldzuweisungen ins Gespräch. Da ziehen sich die Jugendlichen oft zurück. Schildern Sie lieber ganz sachlich Ihre Beobachtungen und sprechen Sie über Ihre Sorgen. Bleiben Sie dabei in der Ich-Form und auf ganz konkrete Ereignisse bezogen. Vielleicht können Sie in einer ruhigen Minute ein paar Alkohol-Konsumregeln in Bezug auf Häufigkeit und Menge vereinbaren. Diese sollten auch für Sie persönlich gelten. Als Experiment könnten Sie eine gemeinsame Abstinenz vorschlagen, vielleicht sogar gleich jetzt in der Fastenzeit bis Ostersonntag. Weitere Hinweise finden Sie unter: www.kenn-dein-limit.de/alkohol/informationen-fuer-eltern/
Ab welcher Menge kann Alkohol zum Problem werden? Ich trinke zum Abendbrot immer ein Bier…
Für gesunde erwachsene Männer liegt die Grenze bei 24 Gramm Rein-Alkohol täglich, das entspricht etwa zwei kleinen Gläsern Bier oder einem Viertel Wein oder einem doppelten Schnaps. Bei Frauen ist es die Hälfte. Mindestens zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein, um eine Gewöhnung an Alkohol und eine schleichende Suchtentwicklung zu vermeiden. Vielleicht können Sie an zwei Wochentagen auf alkoholfreies Bier oder auf Apfelschorle umsteigen.
Mein Vater lebt nach dem Tod meiner Mutter allein. Er trinkt immer mehr und winkt ab, wenn ich ihn darauf anspreche. Kürzlich fanden wir ihn bewusstlos am Boden. Ich habe Angst, dass Schlimmeres passiert. Was kann ich machen?
Für Fälle, in denen Leib und Leben des Betroffenen oder Dritter in Gefahr sind, ist der sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes die richtige Ansprechstelle. Die Fachärzte, Psychologen Sozialarbeiter und Sozialpädagogen stehen Ihnen für Beratung und fachliche Betreuung zur Verfügung und kommen auch ins Haus. Auf Wunsch arbeitet der Dienst mit dem behandelnden Arzt zusammen. Ich rate Ihnen aber, alle Schritte, die Sie einleiten möchten, vorab in Ruhe mit Ihrem Vater zu besprechen. Er ist ein erwachsener Mann und darf seine eigenen Entscheidungen treffen. Vielleicht finden Sie gemeinsam einen Weg, den er mittragen kann.
Seitdem ich die Arbeit verloren habe, trinke ich immer mehr. Eigentlich will ich das nicht. Aber es passiert trotzdem…
Es ist verständlich, dass Sie die gegenwärtige Situation belastet. Aber Alkohol ist wirklich nicht die Lösung. Wenn es Ihnen schlecht geht, sollten Sie auf Alkohol ganz verzichten. Er raubt einem die Energie, Lösungen zu finden. Unterstützung, um sich wieder vom Alkohol zu lösen, gibt es bei Suchtberatungsstellen. Eine aktuelle Datei steht unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme.
Warum verträgt der eine Alkohol besser als der andere?
Nicht jeder Milliliter reiner Alkohol verursacht bei jedem denselben Blut-Alkohol-Spiegel. Denn Alkohol wird über die gesamte Körperflüssigkeit gleichmäßig verteilt. Und davon haben schwere Personen mehr und leichte Personen weniger. Jemand, der leichter ist, merkt darum mehr von der gleichen Menge Alkohol als jemand, der schwerer ist.
Werden Frauen bei gleicher Menge Alkohol schneller betrunken?
Ja, denn der weibliche Körper enthält mehr Fett und weniger Flüssigkeit pro Kilo Gewicht als der männliche. Das sorgt dafür, dass eine Frau – selbst wenn sie das gleiche Gewicht wie ein Mann hat – nach der gleichen Menge Alkohol einen um 20 Prozent höheren Blutalkoholspiegel als der Mann hat.
Für weitere Fragen ist das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr und Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr unter Tel. 0221 / 892031 nach wie vor erreichbar.