Frauen, Sport und Hosen

Aus einem 1953er Prospekt: Aprés-Skimode – in der Wintersonne mit typischen Hängerformjäckchen. (Foto: Sammlung Ardenku)
Aus einem 1953er Prospekt: Aprés-Skimode – in der Wintersonne mit typischen Hängerformjäckchen. (Foto: Sammlung Ardenku)

Hagen. (ME) Frauen in Hosen – das war lange Zeit verboten. Mit diesem Kapitel der Modegeschichte befasst sich jetzt die Hagener Forscherin Dr. Katja Stromberg. Sie sucht heimische Zeitzeuginnen, vor allem aus dem Sportbereich.

Zwar kam in den 1930er Jahren die weite Marlene-Dietrich-Hose auf, aber sie wurde nur von einigen – mutigen – Künstlerinnen genutzt. Im normalen Leben war die Hose für Frauen noch bis in die 1970er Jahre undenkbar.

Wie verschroben es einst zuging, beschreiben zwei kleine Beispiele, die uns das Internet-Lexikon Wikipedia berichtet: So drohte 1970 der seinerzeitige CSU-Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger, er werde jede Abgeordnete aus dem Saal weisen, die es wagen sollte, in Hosen zu erscheinen. Schlagzeilen schrieb 1969 auch die Frau des englischen Flieger-Stars Townsend: Ihr wurde im berühmten Hotel Ritz der Zutritt zur Filmpremiere „Die Luftschlacht um England“ verweigert. Der Empfangschef hielt sie an: „Frauen in Hosen ist der Eintritt verboten. Gehen Sie bitte und ziehen sich weibliche Kleidung an!“

Erst allmählich

Nur zu besonderen Zeiten – etwa im Zweiten Weltkrieg – wurden arbeitende Frauen in Hosen akzeptiert. Demgemäß erlaubten auch viele Schulen den Mädchen noch bis in die 1960er Jahre hinein allenfalls im Winter, Hosen zu tragen. An vielen katholischen Mädchenschulen und in zahlreichen Lehrstellen hielten sich die veralteten Kleiderordnungen sogar noch länger. Erst zu Beginn der 1970er Jahre wurden Frauenhosen allmählich akzeptiert und der Hosenanzug für Damen – heute Angela Merkels beliebtestes Kleidungsstück – kam in Mode. „Als ’anständig’ galt diese Kleidung in gehobenen Kreisen deshalb jedoch längst nicht,“ weiß Katja Stromberg.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile hat die Hose bei europäischen, amerikanischen und australischen Frauen den Rock im Alltag und Berufsleben weitgehend verdrängt, außer im Hochsommer oder als Abendgarderobe. Der einstige Wandel soll jetzt auch in Hagen dokumentiert werden – von der Textilwissenschaftlerin Stromberg, über die der wochenkurier bereits im letzten Jahr berichtete, als sie Zeitzeugen suchte, die den Hagener Modemacher Hanns Friedrichs kannten.

Zeitzeuginnen gesucht

Ähnlich wie im letzten Jahr beim Thema „Friedrichs“ sucht Katja Stromberg die „Hosen-Zeitzeugen und -zeuginnen“ für einen Artikel. Der Beitrag soll im November im jährlich erscheinenden, vom Hagener Heimatbund zusammen mit dem Ardenkuverlag (Petra Holtmann) herausgegebenen „HagenBuch“ veröffentlicht werden. Hierbei geht es ihr aber nicht nur um die Hose als solche, sondern insbesondere auch um Sportkleidung im Speziellen. Was passierte beispielsweise in Hagener Tennisvereinen, wenn man in den 60ern in einer Hose statt im Kleid auf dem Court erschien? Was war in Reitvereinen los, wenn eine „behoste“ Frau aufs Pferd stieg? Wie sah es im Fahrradsport aus? Was trug „frau“, wenn es auf Skiern die Pisten hinunterging? Wie gestalteten sich die Anfänge des Frauenfußballs hinsichtlich der Kleidung?

Dabei sucht Katja Stromberg nicht nur Fotos und ähnliche Dokumente, sondern – was fast noch wichtiger ist – auch frühere Sportlerinnen, die bereit sind, ihre „Hosen-Erlebnisse“ zu erzählen. „Vielleicht gib es ja sogar noch Hagenerinnen, die ein Kleidungsstück von damals aufbewahren und das ich fotografieren darf…“, hofft sie. Dabei muss keine „Informantin“ fürchten, öffentlich mit Namen genannt zu werden. „Diskretion ist Ehrensache,“ verspricht die Forscherin.

Und so hofft Katja Stromberg auf zahlreiche Zeitzeugen und -zeuginnen, die Spannendes (oder auch ganz Banales) über „kurze Frauenhosen“ und seltsame Männersprüche zu erzählen wissen. Zu erreichen ist sie unter Telefon 0178 / 6836846 oder per E-Mail: katjastromberg@t-online.de.