Freunde und Töchter geben ihr Halt

Hagen. (anna) Unsere Leser sagen „Danke“ – die neue Serie im wochenkurier. Heute bedankt sich Heidi Neumann aus Vorhalle.

Die 61-jährige Heidi Neumann aus Vorhalle leidet seit ihrem 18. Lebensjahr an Depressionen. Der Tod der Mutter war der Auslöser. Vor 16 Jahren kam zunächst Multiple Sklerose (MS) hinzu und vor zehn Jahren Fibromyalgie (Weichteilrheuma). Jetzt bedankt sie sich bei allen, die immer zu ihr gehalten haben. (Foto: Anna Linne)

Die 61-jährige Heidi Neumann ist ein Schatten ihrer selbst. Geplagt von Ängsten vor dem Alleinsein, leidet sie schon seit ihrem 18. Lebensjahr an Depressionen. Der Tod ihrer geliebten Mutter war der Auslöser. Vor 16 Jahren kam zunächst Multiple Sklerose (MS) und vor zehn Jahren Fibromyalgie (Weichteilrheuma) hinzu. Seit Dezember letzten Jahres geht es ihr besonders schlecht. Der letzte schwere Schub ihrer MS-Krankheit mit Schmerzen und Muskelschwäche verliert sich seit Monaten nicht.

Nur noch nehmen

„Früher war alles ein Geben und Nehmen in der Familie und unter Freunden, jetzt nehme ich nur noch und das macht mich fertig“, erklärt Heidi Neumann ihre Situation, „ich habe Angst, dass mich alle verlassen könnten.“ Bei Heidi Neumann versagen Kopf und Hände, manchmal auch die Beine. Sie kann nicht mehr putzen, bügeln, kochen, waschen und spülen. Sie kommt kaum noch heraus, weil auch die Beine von Zeit zu Zeit ihren Dienst versagen. Sie sieht die Welt oft verschleiert, weil auch die Nerven im Kopf betroffen sind. Seit Dezember ist alles so schlimm und ein neuer Klinikaufenthalt wird erforderlich.

Ihre beiden erwachsenen Kinder helfen, wo sie nur können. Die Tochter putzt, kocht, kauft ein und versorgt ihre Mutter so gut wie es geht. „Dabei war ich als junge Mutter oft in der Klinik und musste die Kinder alleine lassen“, berichtet die 61-Jährige unter Tränen. „Trotzdem halten die Beiden fest zu mir.“

Großer Dank an Freundinnen

Ganz großer Dank gilt den Freundinnen, mit denen Heidi Neumann fast 40 Jahre lang verbunden ist. „Sie verzeihen mir meine neue Unzuverlässigkeit, wenn ich Termine wegen Schmerzen absagen muss. Ich lasse oft unsere Rummikub-Runde platzen, weil ich meine Finger nicht bewegen kann. Ich habe oft gesagt, sie sollen sich eine neue Mitspielerin suchen, aber sie wollen nicht. Sie halten weiterhin zu mir.“

Vor allem Freundin Helga und ihr Mann Armin sind ihr sehr ans Herz gewachsen. „Helga ist immer für mich da, ich kann mit ihr über alles reden, sie versteht mich und spricht mir Mut zu“, schwärmt die MS-Kranke, „Helga kauft schon mal für mich ein oder bringt mir Essen vorbei. Sie ist einfach mein Engel. Sie zu verlieren, würde ich kaum verkraften. Und ihrem Mann Armin verdanke ich es, dass ich überhaupt noch mal rauskomme. Er fährt uns ohne zu murren überall hin. Das weiß ich sehr zu schätzen.“

Ängste bleiben

Doch die Angst, alle zu verlieren, bleibt. „Es kann sein, dass es mir immer schlechter geht und ich an gar nichts mehr teilnehmen kann. Vielleicht verlieren sich die Freunde dann, wenn ich allzu lästig geworden bin. Man weiß es nicht. Noch sitze ich nicht im Rollstuhl.“

Doch bevor es soweit ist, möchte Heidi Neumann allen, die zu ihr halten, aus tiefstem Herzen danken. Gerne würde sie alles Gute zurückgeben, aber das ist ihr unmöglich…

Danke sagen

Kennen auch Sie jemanden, bei dem sie sich gerne bedanken würden? Haben auch Sie jemanden, der sehr nett zu Ihnen war oder Ihnen geholfen hat? Vielleicht erinnern Sie sich an einen netten Busfahrer oder Müllwerker, eine nette Verkäuferin oder einen freundlichen Handwerker, eine verständnisvolle Lehrerin oder eine außergewöhnliche Krankenschwester.

Auch wenn die Person, bei der Sie sich bedanken wollen, aus der Familie oder dem Freundeskreis stammt, melden Sie sich:

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