G9 statt G8 – „Gerne, aber nicht auf Kosten aller“

Ulf Koelsch

Ulf Koelsch, Schulpflegschaftsvorsitzender der Hasper Gesamtschule, warnt vor den Folgen der „G9-jetzt!“-Initiative. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Noch bis zum 7. Juni liegen die Unterschriftenlisten der NRW-Elterninitiative „G9 jetzt!“ auch im Hagener Rathaus und den Bürgerämtern aus. Das Volksbegehren „Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien“ löst nicht nur prinzipielle Diskussionen aus. Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEiS), die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule NRW (GGG) sowie die Schulleitervereinigung der Gesamtschulen in NRW (SLV GE) und etliche Nicht-Organisierte laufen zur Zeit Sturm gegen diesen Gesetzesentwurf.

Nicht, weil sie etwas gegen die Wiedereinführung von G9 (Abitur nach neun Jahren) hätten. Die Gesamtschulen selbst bieten dieses Konzept ja ebenfalls an. Stein des Anstoßes ist eine Formulierung, die auch Auswirkungen auf Gesamt-, Real- und Hauptschulen haben wird, sollte die Initiative erfolgreich sein.
Weniger Wochenstunden
Sollte „G9-jetzt“ die nötigen 1,1 Millionen Unterschriften in NRW bekommen, stehe auch eine Reduzierung der Jahresschulstunden an. Denn die Initiative möchte dem Paragrafen 12 des Schulgesetzes einen Absatz anfügen: „Der Pflichtunterricht für die Schülerinnen und Schüler beträgt in der Sekundarstufe I maximal 180 Jahreswochenstunden.“
Die Begründung liefert der Gesetzesentwurf unter dem Punkt „Kostenabschäzung“: „Dieses Gesetz verursacht keine Kosten – im Gegenteil, durch den Wegfall der höheren Stundenzahlen entstehen Einsparungseffekte.“
Hagener Eltern alarmiert
Für fatal hält auch Ulf Koelsch, Schulpflegschaftsvorsitzender der Hasper Gesamtschule, diese Forderung. „Die genannte Stunden-Obergrenze würde auch für alle weiterführenden Schulen gelten. Das bedeutet acht Stunden weniger Unterricht als bisher und damit eine Kürzung um fast fünf Prozent in den Klassen 5 bis 10.“
Koelsch, Mitglied in der LEiS, erläutert das sich daraus ergebende Dilemma für die Hasper Gesamtschüler: „Bis zum Schuljahr 2017/18 besteht für uns die Pflicht, sogenannte ‚Lernzeiten‘ einzurichten, um damit die Hausaufgaben abzuschaffen. Die Schüler müssen betreute Stunden bekommen, in denen sie selbstständig Aufgaben erledigen, die aber den Schultag nicht weiter in den Nachmittag ausdehnen. Gleichzeitig müssten wir mit dem Erfolg des ‚G9-jetzt!‘-Gesetzes aber Stunden zurückfahren.“ Das sei eine Negativ-Folge, die den meisten Unterzeichnern der Listen gar nicht bewußt sei.
Etliche Ergänzugsstunden gingen wieder verloren. „Und ich befürchte, dass mit dem Argument des Stundenswegfalls auch wieder eine Lehrkraftreduzierung angestrebt wird.“
Besser wäre Gesetzgebungsverfahren
Aber Ulf Koelsch spricht auch für viele seiner Mitstreiter, wenn er anmerkt: „Wir sehen mit einem Zurück zu G9 den richtigen Weg, aber bitte eben nicht auf Kosten der integrierten Schulen.“ Daher fordert der Schulpflegschaftsvorsitzende mit LEiS, GGG und SLV GE: „Wer also G9 befürwortet, muss nicht die Initiative von ‚G9-jetzt!‘ unterstützen. Ein Gesetzgebungsverfahren im Landtag ist der bessere Weg.“
Denn: Es gibt keine Möglichkeit mehr, den Gesetzesentwurf noch zu verändern. Der Landtag kann den Text nur unverändert annehmen oder ablehnen.
Lehnt er ab, wird der Gesetzesentwurf zum Gegenstand einer Volksabstimmung. Aber auch hier kann die Vorlage nicht mehr geändert werden.