Ganoven haben es auf Autos und Wohnungen abgesehen

Hagen. (anna) Polizeipräsident Wolfgang Sprogies und Kriminaloberrat Sascha Mader stellten jetzt die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2015 vor: Dabei kann zusammenfassend vorausgeschickt werden, dass sich in Hagen 2015 zwar die Aufklärungsquote weiter verbessert hat, sich die Eigentumskriminalität aber deutlich erhöht hat. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind 2015 nicht gestiegen.

Mehr Straftaten

2015 verzeichnete die Polizei Hagen 17126 Straftaten. Das waren genau 978 Fälle mehr als im Vorjahr (Land NRW: +1,09 Prozent). Deutlich mehr als die Hälfte dieser Straftaten wurde aufgeklärt. Die Aufklärungsquote konnte sogar noch auf 57,11 Prozent gesteigert werden. Damit liegt die Polizei in Hagen weiterhin deutlich über dem Landesdurchschnitt von 49,62 Prozent.

Hagen ist sicher

„Die Polizei Hagen hatte sich wie der Rest des Landes auch im Jahr 2015 mit den gesellschaftlichen Veränderungen auseinander zu setzen. Dabei ist Hagen weit davon entfernt, als unsicher zu gelten. Im Gegenteil, ein etwas detaillierterer Blick in die Statistik zeigt uns, dass die Hagener Bürger auch weiterhin in ihrer Stadt sicher leben können “, bilanziert Polizeipräsident Wolfgang Sprogies.

Gewaltdelikte

Mit 551 Taten stellt sich die Gewaltkriminalität insgesamt im Vergleich zu 492 Taten im Jahr 2014 moderat erhöht dar, ein Anstieg von 59 Taten bzw. 12 Prozent im Vergleich zu 2014. Dieser Anstieg betraf sowohl die Raubdelikte (+40 Taten bzw. +23,21Prozent) als auch die schlimmeren Körperverletzungsdelikte (+20 Taten bzw. +7 Prozent). Die Aufklärungsquote aller Gewaltdelikte erreichte 71,32 Prozent und lag damit 3,27 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

„Isoliert betrachtet würde man von einer beunruhigenden Entwicklung sprechen. Erweitert man jedoch den Betrachtungszeitraum, so wird sehr schnell deutlich, dass diese Veränderung in ihrer Dimension über die Jahre gesehen gar nicht ungewöhnlich ist.“

Hagen befindet sich in diesem Bereich 2015 nahezu exakt auf dem Niveau des Jahres 2013. Über zehn Jahre hinweg betrachtet liegt die Gewaltkriminalität auch 2015 noch weit unter dem Durchschnitt von 630 Taten pro Jahr.

„Ich möchte diese Zahlen nicht schön reden, wir sollten einfach nur versuchen, sie nüchtern zu betrachten. Man neigt dazu, anzunehmen, dass früher alles besser war und dass jetzt alles immer schlechter wird. Der 10-Jahres-Vergleich ist da geeignet, die aktuellen Zahlen angemessen zu bewerten“, erklärt Wolfgang Sprogies.

Straßenkriminalität

Die Straftatengruppe „Straßenkriminalität“ umfasst die Delikte, die sich im öffentlichen Raum ereignen und insofern wesentlich auf das Sicherheitsgefühl der Hagener Bürger auswirken.
3783 Delikte, exakt die gleiche Anzahl wie im Jahr 2013, wurden in diesem Bereich für das Jahr 2015 gezählt. Dies waren 307 Delikte mehr als im Jahr 2014, ein Anstieg von 8,8 Prozent. Die Aufklärungsquote ging von 18,1 auf 16,5 Prozent leicht zurück.

Wesentlich verantwortlich für den Anstieg in dieser Straftatengruppe ist die Entwicklung der Delikte rund um das Kraftfahrzeug. Die Pkw-Aufbrüche (+154 Taten), die Diebstähle kompletter Fahrzeuge (Pkw, Mopeds und Fahrräder: +85 Taten) sowie die Sachbeschädigungen an Fahrzeugen (+84 Taten) machen hier den  „Löwenanteil“ aus.

Fahrzeuge scheinen wieder lohnende Angriffsobjekte zu sein. Was früher das Autoradio war, ist heute das Mobiltelefon, das Navi, die Airbags oder gar das ganze Fahrzeug. Gerade die professionellen Täter haben technisch aufgeholt, früher wirksame Wegfahrsperren werden heute elektronisch überwunden.

Körperverletzung

Raub und Körperverletzungen im öffentlichen Raum zeigten hingegen mit jeweils neun Delikten mehr als im Jahr 2014 eher geringere Veränderungen.

„Wir haben bereits auf diese Entwicklung reagiert. Die örtliche Analyse der Straßenkriminalität zeigt geografisch starke Brennpunkte in der Hagener City. Im neuen Sicherheitsprogramm für 2016 wird das PP Hagen bewusst die Konzeption ‚Sichere Innenstadt‘ stärken und neben der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs als zweiten Schwerpunkt innerhalb unserer Polizeiarbeit institutionalisieren“, gibt der Polizeipräsident bekannt. „Zudem haben wir uns mit dem Umzug der Innenstadtwache an die Bahnhofstraße zum Jahreswechsel deutlich besser positioniert.“

Eigentumsdelikte

„Ich denke, bei den Eigentumsdelikten kann man am deutlichsten die gesellschaftlichen Veränderungen ablesen, die auch vor einer Stadt wie Hagen nicht Halt machen“, leitete der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei, Polizeioberrat Sascha Mader, die Erläuterung dieses Deliktfeldes ein.

„Allein über 500 Ladendiebstähle mehr als im Jahr 2014 zeigen, dass der Bereich der Eigentumsdelikte wesentlich für die eingetrübte Gesamtbilanz verantwortlich zu machen ist.“ Insgesamt 7499 Eigentumsdelikte bildet die Hagener Statistik für 2015 ab, ein Plus von 1167 Delikten bzw. +18,4 Prozent. Darin enthalten sind 2056 Ladendiebstähle (+34,8 Prozent).

Wohnungseinbruch

Der Wohnungseinbruch trägt im Jahr 2015 ebenfalls zur ungünstigen Entwicklung der Eigentumsdelikte bei, die Zahl der Delikte stieg im Jahr 2015 um 117 (+23,7 Prozent) auf insgesamt 611 Taten. Einbrüche in Wohnungen geschehen „rund um die Uhr“.

Liegt die feststellbare Tatzeit zwischen 6 und 21 Uhr, so spricht man vom Tageswohnungseinbruch. Von diesen gab es in Hagen 265 im Jahr 2015, 24,4 Prozent mehr als im Vorjahr. 41,4 Prozent aller Wohnungseinbrüche (253 Taten) blieben im Versuchsstadium stecken.

Nichtdeutsche Täter

7301 Tatverdächtige wurden im Jahr 2015 insgesamt ermittelt. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg im Jahr 2015 in Hagen von 32,6 auf 41,3 Prozent.
Im Bereich der Eigentumskriminalität liegt der Anteil der ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen mittlerweile sogar bei 53,8 Prozent.

Allerdings wäre es völlig falsch, dieses Thema auf Flüchtlinge zu projizieren. Die Anzahl der auffällig gewordenen Asylbewerber wird im Jahr 2015 allein schon von den rumänischen Tatverdächtigen übertroffen. 256 Asylbewerber befanden sich unter den Tatverdächtigen bei den Eigentumsdelikten, 388 aller Tatverdächtigen in diesem Deliktsbereich kamen aus Rumänien.