Garenfelder Bürgerinitiative erfolgreich

Hagen. (th) Nach monatelangen Verhandlungen haben die Garenfelder Bürgerinitiative „Menschen unter Strom“ und der Dortmunder Netzbetreiber Amprion am Mittwoch, 28. Januar 2015, im Rathaus an der Volme die Vereinbarung zum Neubau einer Umspannanlage in Garenfeld unterzeichnet. Die Unterschriften setzten den Schlusspunkt unter ein schwieriges Verfahren, das zu Beginn unter denkbar schlechten Vorzeichen stand, schließlich aber zu einer zufriedenstellenden Lösung für alle Parteien geführt hat. Das Ergebnis und vor allem der Weg dorthin könnten richtungsweisend für ähnliche Fälle in ganz Deutschland sein.

Als im Mai 2013 die Pläne für ein zweites Umspannwerk in Garenfeld bekannt wurden, war die dortige Bevölkerung schockiert und empört. Schnell gründete sich die Initiative „Menschen unter Strom“, deren Ziel von Anfang an war, sie Sinnhaftigkeit der Neubaupläne und mögliche sinnvollere Alternativen zu prüfen. Ein berechtigtes Anliegen, insbesondere in Hinblick auf die Gesamtsituation in der Bundesrepublik, da im Zuge der Energiewende viele ähnlich gelagerte Fälle auftreten.

Drohbriefe erhalten

Während die betroffenen Unternehmen Amprion und Enervie schnell Kooperationsbereitschaft zeigten, standen Politik und die Bevölkerung außerhalb Garenfelds der Bürgerinitiative jedoch zunächst skeptisch gegenüber und stuften deren Bemühungen als ein „Wegschieben der Verantwortung“ ein. Die „Menschen unter Strom“ erhielten sogar Drohbriefe, in denen sie für die steigenden Strompreise verantwortlich gemacht wurden.

Anstatt jedoch aufzugeben forcierten sie ihre Anstrengungen und engagierten sich selbst in der Politik. Anne Stamm wurde mit fast 60 Prozent in Garenfeld in die Bezirksvertretung Hagen-Nord gewählt. Dieses deutliche Zeichen verlieh den Forderungen nach einer sachlichen, neuen Betrachtung Nachdruck und signalisierte auch den Politikern dringenden Handlungsbedarf.

Alter Plan, neue Variante

Mit Hochdruck wurde an Alternativen gearbeitet und zwischenzeitlich sah es auch so aus, als hätte sich ein gänzlich neuer Standort für das Umspannwerk gefunden. Doch dieser und alle anderen Standorte scheiterten aus unterschiedlichen Gründen, wie dem Hochwasserschutzgesetz. So verständigte man sich schließlich auf eine neue Variante.

So sehen die endgültigen Planungen zum Bau des neuen Umspannwerks und der Begrünungsmaßnahmen aus. (Visualisierung: Amprion und „Menschen unter Strom“)
So sehen die endgültigen Planungen zum Bau des neuen Umspannwerks und der Begrünungsmaßnahmen aus. (Visualisierung: Amprion und „Menschen unter Strom“)

Das geplante Werk wird an das bestehende Werk angebaut, und die Trasse aus Strommasten wird über einen anderen Weg geführt, der nicht – wie ursprünglich angedacht – unmittelbar an das Wohngebiet angrenzen wird. Das alte Umspannwerk soll 2022 abgebaut werden. Außerdem gibt es umfassende Begrünungsmaßnahmen, die nicht nur Sicht- und Lärmschutz für die Anwohner bieten, sondern auch ein kleines Naherholungsgebiet schaffen sollen, das die Lebensqualität in Garenfeld sichern bzw. sogar erhöhen soll. Dass mit dieser Lösung alle Garenfelder zufrieden sind, zeigte eine Abstimmung, zu der alle Anwohner eingeladen waren und bei der allen Anwesenden für die neue Variante stimmten.

Vorbild für ganz Deutschland

Dieses Ergebnis zeigt, dass mit sachlichen Diskussionen auch gegensätzliche positionierte Parteien zu einem befriedigenden Kompromiss kommen können. Außerdem ist es ein Beweis dafür, dass es durchaus möglich ist etwas zu bewegen, wenn man sich dafür einsetzt. Und schließlich kann es als Vorbild für alle Konflikte dienen, ob speziell in solchen Fällen, die es in Deutschland zur Genüge gibt, oder generell, wenn Anwohnerinteressen mit Vorhaben von Politik und Wirtschaft kollidieren. Die Bedeutung dieses bisher einmaligen Mediationsverfahrens zeigt sich daran, dass wöchentlich Anfragen aus der gesamten Republik an die „Menschen unter Strom“ gestellt werden – von Bayern bis hin zur Nordseeküste.