Gebirge mit Fenster

Hagen. (anna) Der wochenkurier berichtet in einer Serie über das Dahler Paar Eleonore Schmitz-Hegemann und Jürgen Koppert, das eine über zweimonatige abenteuerliche Reise durch Lateinamerika unternommen hat („Mit dem Wohnmobil ins Feuerland – 14.000 km durch Südamerika“). Wir setzen unseren Bericht fort (Teil 5):

Zur kurzen Erinnerung: Nach längerem Tohuwabohu in Montevideo, Uruguay, hatten die Beiden ihre große Reise durch Südamerika endlich starten können. Zuerst fuhren sie nach Argentinien. Dort verbrachten sie ihre erste Nacht in einem tollen Yachthafen mit allem Komfort.

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Eine Mammutstrecke von 780 Kilometern entlang der argentinischen Küste schloss sich an. „Wir wollten etwas Zeit aufholen“, erinnert sich Eleonore Schmitz-Hegemann. „Draußen herrschten 32 bis 38 Grad, da kann man nur Gas geben. Mit Jürgen zu fahren ’is wie wennse flichs’, war mein Motto. Zunächst verlief die Straße 280 Kilometer lang immer geradeaus – leider teilweise so schlecht, dass wir regelrecht Angst um unser Auto bekamen. Da waren Bodenwellen, die man bei Tempo 100 erst im letzten Moment sehen konnte, also zu spät. Alles in den Schränken fiel um, leider auch eine Literflasche Bier. Sie zerplatzte und es stank wie in einer alten Kneipe.“

Keine Hirsche

Dann fuhren die beiden Dahler durch ein gigantisches Gewitter mit einem faszinierenden Farbenspiel in Dunkelblau, Rot, Gelb und Grell-Weiß. Für die Beiden ein tolles Schauspiel. Aber: Innerhalb von fünf Minuten ging die Temperatur auf 18 Grad ’runter.

„Wir fuhren auf die Berge zu, in denen sich das Unwetter gebildet hatte. Dann standen wir zwischen riesigen Akazien und hatten eine kühle Nacht, dank des Gewitters“, erinnert sich die Dahlerin. „In diesen Bergen leben angeblich Hirsche, die ein reicher Argentinier aus Europa um 1900 angesiedelt haben soll, um mit seinen Freunden jagen zu können. Dann kam die Wirtschaftskrise Anfang der 1920er und die reichen Freunde blieben aus“, weiß Schmitz-Hegemann. „Für die Bewirtschaftung soll kein Geld mehr da gewesen sein. So rissen die Menschen aus der Umgebung die Zäune ein, erzählt man, um die Tiere auf ihrem Land bejagen zu können. Das hat wohl nicht so geklappt.“

Jetzt soll es in den argentinischen Bergen große Hirschrudel geben. „Vor Sonnenaufgang bin ich auf den Berg gelaufen, um die Sonne aufgehen und eventuell einige Hirsche zu sehen“, erzählt die Weltenbummlerin, „Hasen habe ich beobachten können und Unmengen von Vögeln, die zu dieser Uhrzeit einen Lärm veranstalten, dass keiner mehr schlafen kann. Doch weit und breit sah ich keinen Hirsch.“

Berg mit Fenster

Sie hatten nun die „Sierra de la Ventana“ erreicht, deutsch: „Gebirge mit Fenster“. Es gibt dort ein Bergmassiv, in dem in etwa 1100 Meter Höhe mittendrin ein 20×20 Meter großes Loch klafft. Die Beiden genossen von hier einen grandiosen Ausblick – aber wieder ohne Hirsche!

Bald gelangten sie ein kleines Bergstädtchen – wie ein Dorf im „wilden Westen“. Die Eisenbahn fährt mittendurch und der Bahnhof sieht aus, als wenn gleich die Kühe verladen würden. Alle Häuser sind aus dicken Baumstämmen, auch die neuen in der Einkaufstraße mit schönen Geschäften und Cafés. In einem der Läden bestand der Besitzer darauf, dass Eleonore Schmitz-Hegemann ihm beim Verkauf seiner Spezialitäten helfen sollte. „Es gibt zum Beispiel ’Dulce de Leche’. Das ist sehr stark eingedickte Kondensmilch, fast so dickflüssig wie Nutella. Es schmeckt himmlisch und man isst es auf Weißbrot und trinkt dazu Milchkaffee. Über Kalorien wollen wir mal nicht sprechen.“

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