Gelbe Plakette: Beamtin erzählt völligen Unfug

Hagen. (anna) Es gibt nichts, was Kollegin Sandra M. mehr liebt als ihr Auto. Seit acht Jahren fährt ihre Diesel-Karre sie verlässlich von A nach B. Keine Mucken, keine Reparaturen, kaum Kosten.

Doch einen Nachteil hat der Wagen. Auf seiner Windschutzscheibe prangt die „Gelbe Umweltplakette“. Und bekanntlich dürfen Autos mit gelber Plakette seit dem 1. Juli nicht mehr in der Umweltzone unterwegs sein.

Vor genau einem Jahr hielt Sandra M. Rücksprache mit ihrer Werkstatt, die ihr die Kosten für die Umrüstung mitteilte. Etwa 1000 Euro würde der neue Partikelfilter kosten. Dieses Geld konnte Sandra M. nun ansparen, wollte sie das Auto weiterfahren. Und das wollte sie.

Kein Umrüsten

Im Juni dieses Jahres fuhr Sandra M. erneut in die Werkstatt, um einen Termin für die anstehende Umrüstung zu vereinbaren. Dann der Schock. Ihr Wagen konnte nicht für die Umweltzone fit gemacht werden. Für dieses Modell gibt es keinen Partikelfilter.

Hilfe gesucht

Jetzt war schnelle Hilfe gefordert. In ihrer Not rief Sandra beim Straßenverkehrsamt an und bat um eine vorübergehende Sondergenehmigung, denn auf die Schnelle war an ein neues Auto nicht zu denken.

Die zuständige Sachbearbeiterin zeigte wenig Verständnis für Sandras Situation und erklärte, eine Ausnahmegenehmigung für Privatpersonen sei kaum möglich. „Aber ich wohne in der Umweltzone, ich arbeite dort und mein acht Jahre altes Auto ist fast neuwertig“, flehte Sandra M. die Sachbearbeiterin an. „Sie müssen raus aus der Umweltzone, sofort raus. Fahren sie doch mit dem Bus“, war die Antwort. Dass Sandra ihr Auto auch beruflich braucht, interessierte die städtische Mitarbeiterin nicht. „Dann lassen sie sich einen Dienstwagen geben“, war ihre Antwort. Nun war Sandra M. am Ende und flehte ein letztes Mal um Hilfe.

Antrag stellen

Die Sachbearbeiterin ließ sich erweichen: Sandra M. könnte einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung für Privatpersonen stellen. Einreichen sollte sie die Kopie ihres Fahrzeugsscheins, sodann eine Bescheinigung des TÜVs über eine Nichtnachrüstbarkeit ihres Wagens, außerdem Einkommensnachweise der letzten drei Monate und den Kaufvertrag für ein neues Auto. Wenn diese Anforderungen erfüllt seien, gebe es eine Ausnahmegenehmigung für maximal drei Monate. Eine Ersatzbeschaffung sei nur dann nicht zumutbar, wenn der Netto-Verdienst bei 1130 Euro liege, hieß es in dem Antrag. 70 Euro sollte der ganze Spaß dann auch noch kosten.

Jetzt war Eile geboten, die ganzen Anforderungen zu erfüllen. Der Werkstattleiter wurde informiert, er sollte Sandra M. sofort ein neues Auto besorgen. Obwohl sie noch nicht wusste, wie sie das bezahlen sollte.

Danke TÜV

Noch am selben Tag fuhr Sandra M. zum TÜV in Kabel, um die geforderte Bescheinigung über die Nichtnachrüstbarkeit zu erhalten. Der freundliche TÜV-Ingenieur prüfte die Papiere, gab die Daten in den Computer ein und gratulierte Sandra M. fröhlich: „Sie haben Glück, ihr Wagen ist nicht nachrüstbar.“ Doch Glück sieht für Sandra M. anders aus, sie hätte ja liebend gern umgerüstet.

„Und was passiert jetzt mit meinem Wagen, wird der jetzt verschrottet?“, fragte sie ängstlich. – „Wieso verschrottet? Sie bekommen jetzt eine Bestätigung über die Nichtnachrüstbarkeit und dann fahren sie einfach weiter, solange sie wollen“, erklärte der super nette, liebe, kompetente TÜV-Ingenieur. „Noch leben wir nicht in einem Staat, der seine Bürger enteignet. Ihr Wagen ist ja noch fast neuwertig.“ Noch nie im Leben hat Sandra M. so gerne eine 50-Euro-Gebühr gezahlt…