Geld fehlt, das Feuer glimmt nur noch: Aus für Phoenix Hagen?

Hagen. (AnS) Gehen die Lichter für den Basketballverein
Phoenix Hagen nun endgültig aus? Seit Montag, 28. November, steht fest: Um die
aktuelle Saison zu Ende zu spielen, sind nicht genügend finanzielle Mittel
vorhanden.
Die Zugehörigkeit zur ersten Bundesliga von Phoenix Hagen ist damit zunächst
Geschichte: Der Verein, der sich seit Mitte Oktober in einer Sanierung in
Eigenverwaltung befindet, sieht sich nicht mehr in der Lage, den Spielbetrieb
aufrecht zu erhalten – das teilten Geschäftsführer Patrick Seidel und Dr. Dirk
Andres vom Sanierungsteam beim Sponsorentreffen am Montagabend, 28. November,
mit. Rund 800.000 Euro fehlen in dieser Saison.
Als einzig momentan sinnvolle Lösung sehen die Verantwortlichen, den
Spielbetrieb mit dem 10. Dezember 2016 (Heimspiel gegen Braunschweig)
einzustellen und damit als erster sportlicher Absteiger zu gelten. Dann habe man
die Möglichkeit, im März des nächsten Jahres einen Lizenzantrag für die ProA für
die Saison 2017/2018 zu stellen.
Aber auch dieser Weg ist noch mehr als steinig. Denn um das Wirtschaftsjahr
abwickeln zu können und Anfang Dezember in die Insolvenz in Eigenverwaltung zu
gehen, fehlen immer noch circa 250.000 Euro. Und die muss Phoenix Hagen in
kürzester Zeit, nämlich bis zum morgigen 1. Dezember 2016 beibringen, um einem
endgültigen Aus zu entgehen.
Entsetzte Gesichter beim Sponsorenabend: Ein Wechselbad der Gefühle
offenbarte sich im Rathaus, obwohl den Ausgang schon viele geahnt hatten.
Während die einen mit Feuer und Flamme für den Erhalt plädierten, wurden bei
anderen durchaus kritische Stimmen laut.
Hagen ist Heimat des Basketballs
Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Phoenix-Mitbegründer Martin Erlmann,
beides bekennende Fans, wiesen mit viel Pathos besonders auf die Wichtigkeit des
Sports für die Volmestadt hin. Basketball sei ein Aushängeschild für Hagen, der
Verein sei nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Wirtschaftsfaktor.
Auch Vertreter der EN Baskets sagten ihre Hilfe zu. Geschäftsführer Omar
Rahin sieht sogar durch die Situation Phoenix‘ den gesamten BB-Sport in der
Region gefährdet.
Kritische Stimmen
Das Lager ist gespalten: Unsicherheit und Frust herrscht auf der anderen
Seite. Viele wollen die Fehler der Vergangenheit aufgearbeitet sehen, um diese
in Zukunft zu vermeiden. „Weiß ich sicher, wohin ich mein Geld investiere und
was damit gemacht wird?“ lautete eine der prägnantesten Fragen.
Und wer wird verantwortlich sein, wenn es für Phoenix weitergeht? Bleibt der
Aufsichtsrat in der Personalform bestehen? Könnten Sponsoren in Form eines
Beirats ein Mitspracherecht erhalten?
Fehler zugegeben
Fragen, auf die es zunächst keine wirklichen Antworten gab. Obwohl
Aufsichtsratsvorsitzender Sven Eklöh Fehler und Leichtgläubigkeit seinerseits
einräumte und der neue Geschäftsführer für rechtzeitiges Handeln gelobt wurde.

Neustart in der ProA
Auch die Frage nach einem konkreten Konzept blieb für viele im Raum hängen.
Sicher ist nur, dass auch die Auflagen für eine Saison in der ProA finanziert
werden müssen, die Gesamtkosten sind mit 1,5 Millionen Euro angesetzt.
Die Mannschaft wird jetzt auseinanderbrechen. Man hofft aber
Doppellizenzspieler wie Julian Jasinski oder Pascal Zahner-Gothen über die
Kooperationspartner halten zu können und mit Nachwuchsspielern einen Neustart –
dann übrigens ohne Altlasten – hinzulegen.
Einladung an Dauerkartenbesitzer
Theoretisch stehen noch zwei Spiele für die Feuervögel an,
Dauerkartenbesitzer kommen also noch einmal in den Genuss eines Heimspiels gegen
Braunschweig am 10. Dezember. Und können – auf Einladung der EN Baskets – auch
in Schwelm auf kostenlosen Eintritt hoffen.
Glückt Rettung?
Der Ball wird nun den Sponsoren zugespielt, die aufgefordert sind, zu
unterstützen und die Basketballheimat Hagen zu retten. Laut Oberbürgermeister
Schulz haben einige Unternehmer bereits ihre Hilfe zugesichert, trotzdem fehlt
immer noch ein beträchtlicher Teil der Summe. „Wir müssen jetzt in die Zukunft
gucken und die Vergangenheit hinter uns lassen“, plädierten Seidel und Andres.
Trotzdem: Wenn andere also am 1. Dezember das erste Kläppchen am Adventskalender
öffnen, könnte sich für Phoenix die Tür endgültig schließen.