Hagen. Mit dem historischen Drei-Kaiser-Brunnen galt der Bodelschwinghplatz in früheren Zeiten als eines der beiden Zentren des Stadtteils Wehringhausen. Nach einer einjährigen Umbauphase erstrahlt der Platz jetzt wieder im alten Glanz. Wir blicken ein wenig zurück in die Geschichte von Platz und Denkmal:

Ab 1897

Wir schreiben das Jahr 1897. Örtliche Honoratioren mit dem Fabrikanten und Kaufmann Gustav Tesche an der Spitze regen an, anstelle eines marode gewordenen Wehringhauser Kriegerdenkmals ein neues Erinnerungsmonument zu planen. Das Denkmal, das dann errichtet wurde, genauer: ein Brunnen, ist typisch für den Zeitgeist jener Epoche, die wir oft auch das „Wilhelminische Zeitalter“ nennen.

Wehringhausen erstreckte sich um 1890 vornehmlich beiderseits der 1788/94 ausgebauten Chaussee nach Schwelm (heutige B 7) und war voller gewerblicher Anlagen. Namen wie Post, Eicken, Harkort, Elbers, Vorster, Bechem und auch Adolph Müller, der Gründer der Accumulatorenfabrik AFA (die später als VARTA Batterie AG firmierte), seien stellvertretend für viele andere Fabrikanten aus der Ära der Industriellen Revolution genannt.

Für die stark wachsende Bevölkerung war alsbald reichlich neuer Wohnraum vonnöten. Um die enorme Nachfrage befriedigen zu können, bot es sich zum einen an, an der Chaussee nach Schwelm mehrgeschossige Mietshäuser zu errichten, und zum anderen lag es nahe, den relativ sanft abfallenden Hang südlich der Chaussee und der Eisenbahnstrecke zu bebauen. Im Mittelpunkt der prosperierenden Ortschaft: jener Platz, den man erst Kaiserplatz und später Bodelschwinghplatz nannte.

Großer Wandel

Um 1900/10 wandelte sich das Gesicht dieses Viertels völlig. Zahlreiche Neubauten entstanden (darunter sogar mehrere Geschäftshäuser), die bisherigen beschrankten Bahnübergänge verschwanden zugunsten einer Unterführung, die Kaiserliche Post richtete 1906 ihre neue Zweigstelle ein, und der Platz selbst erfuhr eine grundlegende Umgestaltung.
Für das neue Denkmal nahmen 1897 die Planungen konkretere Formen an. Im Spätsommer 1898 engagierte das Wehringhauser Denkmalkomitee unter Vorsitz Tesches den damals überaus wichtigen Berliner Bildhauer Emil Cauer (1867-1946) für dieses Projekt. 1902 war das Denkmal fertig. In Hagen stammt übrigens noch ein zweites Denkmal von Cauer: das Kaiser-Friedrich-Denkmal in Eilpe.

Unheilbar krank

Als Kronprinz Friedrich am 9. März 1888 den deutschen Kaiserthron bestieg, war der mit der englischen Prinzessin Victoria verheiratete Monarch bereits unheilbar an Kehlkopfkrebs erkrankt. Seine Regierung dauerte nur 99 Tage – zu kurz, um einer Epoche den Stempel aufdrücken zu können. Dennoch erinnern im Hagener Raum viele Denkmäler an den Kaiser. Auch in Wehringhausen war zunächst ein Friedrich-Denkmal in der Planung. Letztlich zog es aber das Denkmal-Komitee vor, sich auf das sogenannte Drei-Kaiser-Jahr 1888“ zu beziehen.
Geplant wurde ein Brunnendenkmal, an dem in erster Linie Industrie und Handel repräsentiert werden sollten. Ferner einigte man sich darauf, am Obelisk nicht mehr allein das Porträt Friedrichs zu platzieren, sondern ebenso die Porträts der beiden anderen Hohenzollern-Kaiser: also von Friedrichs Vater Wilhelm I. (1797-1888) und Friedrichs Sohn Wilhelm II., der seinem Vater 1888 gefolgt war.