Gemeinsam gegen Pfunde

Hagen. (anna) Eigentlich war der Hagener Christian Fricke immer dick. Schon als Kind waren Cola und Chips seine ständigen Begleiter. Frust, Traurigkeit, Langeweile und Wut bekämpfte er mit ungesundem Essen. Der 29-Jährige stand sein Leben lang zu seinen Pfunden. Er war beruflich erfolgreich, hatte einen großen Freundeskreis und eine liebe Freundin. Doch dann war Schluss. 220 Kilo Lebendgewicht waren einfach zuviel. Christian Fricke hätte in keinen Rettungswagen mehr gepasst.

Vor vier Monaten unterzog sich der übergewichtige Mann einer Magenverkleinerung. Jetzt purzeln die Pfunde. 53 Kilo hat er schon verloren. Sein Traumgewicht: 120 Kilo. Mit einem BMI von 65 (Body-Mass-Index, Körpergewicht in Relation zur Körpergröße) gab es für Christian Fricke keinen anderen Ausweg mehr, als sich einer Magenverkleinerung zu unterziehen. In Recklinghausen fand er eine Klinik, die nach strengen Auflagen diesen Eingriff vornahm. Danach wollte der junge Mann gesund leben und Sport treiben. Er hatte begriffen, dass Essen nicht den höchsten Stellenwert im Leben haben darf. „Freundschaften, Sport und gemeinsame Aktivitäten sind wichtiger als das ständige in-sich-Hineinstopfen“, erklärt Fricke. „Das habe ich jetzt begriffen.“

Der 220 Kilo schwere Christian Fricke hat seit seiner Magenverkleinerung 53 Kilo abgenommen. Bis auf 120 will der junge Mann noch runter. Mit einem Adipositas-Netzwerk will er anderen Hagenern beim Abnehmen helfen. (Foto: A. Schneider)
Der 220 Kilo schwere Christian Fricke hat seit seiner Magenverkleinerung 53 Kilo abgenommen. Bis auf 120 will der junge Mann noch runter. Mit einem Adipositas-Netzwerk will er anderen Hagenern beim Abnehmen helfen. (Foto: A. Schneider)

Adipositas-SHG

Nun machte sich Fricke auf die Suche nach Angeboten, die ihm beim Abnehmen helfen könnten. Doch in Hagen wurde er nicht fündig. Dabei war es für ihn sehr wichtig, mit Gleichgesinnten zu reden und zu trainieren. „Allein bewegt man sich nicht gerne“, meint Fricke und gründete eine Selbsthilfegruppe (SHG), die sich jetzt jeden zweiten Sonntag im DRK-Heim in Vorhalle, Reichsbahnstraße 6, trifft. Über Nacht hatte Fricke 30 Leute zusammen getrommelt und zwei Kooperationspartner gefunden, die spezielle Angebote für Adipositas-Leute anbieten. „Jetzt ernähre ich mich gesund und mache vier Mal die Woche Sport.“ Immer sonntags zwischen 9 und 11 Uhr treffen sich die Übergewichtigen dann auch noch zum Schwimmen im Westfalenbad. Das sei eine „Mords-Gaudi“ verspricht Fricke.

Immer mehr Menschen mit Gewichtsproblemen melden sich bei dem SHG-Gründer und wollen mitmachen. Jetzt gründet Fricke gerade eine zweite SHG, weil die Gruppenstärke von 30 Personen nicht überschritten werden soll. „In größeren Gruppen wird alles wieder anonymer, und das Interesse schwindet“, erklärt Fricke, der sich vorstellen kann, verschiedene Gruppen zu leiten und entsprechende Angebote zu koordinieren. „Ich möchte in Hagen ein gut funktionierendes Adipositas-Netzwerk errichten, mit dem ich jedem Betroffenen Rat und Hilfe ermöglichen kann.“

Zur Zeit ist Christian Fricke als Praktikant im Adipositas-Zentrum am Mops beschäftigt und hofft auf eine Festanstellung. Seine Essgewohnheiten hat der junge Mann dauerhaft verändert. Die Magenverkleinerung macht Fressattacken unmöglich. Aß er früher zum Frühstück mehrere Brötchen zur Cola, passt jetzt genau eine Scheibe Toast in ihn hinein. „Ob mit oder ohne Operation“, meint Fricke, „der Weg zur Gewichtsabnahme ist immer der gleiche: Gesund essen und Bewegung.“

Übergewicht mit Folgen

Dass Christian Fricke so plötzlich den Dreh zum Abnehmen bekam, liegt auch in der Tatsache begründet, dass er als Rotkreuzleiter erfahren hat, dass Rettungswagen nur Menschen bis 180 Kilo transportieren können. „Ich habe mir überlegt, was mit mir passiert, wenn ich mal mit dem Rettungswagen transportiert werden muss. Die Vorstellung, mit dem Kran und einem Spezialgefährt ins Krankenhaus gebracht zu werden, hat mich erschüttert und mein Leben total verändert. Ich wollte nicht mehr dick und unbeweglich sein.“

Christian Fricke ist unter Tel. 0 15 25 / 4 07 70 03 oder per Mail an info@adipositas-netzwerk-hagen.de zu erreichen.

www.adipositas-netzwerk-hagen.de