Gemeinsam stark gegen häusliche Gewalt in Hagen

Hagen. Es sind Zahlen, die schockieren: Jede vierte Frau erlebt körperliche oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft. Häusliche Gewalt ist die Haupt-Todesursache europäischer Frauen zwischen 22 und 44 Jahren. Die Dunkelziffer ist weit höher. Denn viele Betroffene scheuen den Weg, sich Hilfe zu suchen – aus Angst, aus Scham oder weil sie nicht wissen, an wen sie sich mit ihrem Problem wenden können.

Am Anfang steht die Liebe

Häusliche Gewalt beginnt nicht mit Schlägen, sondern oft mit der großen Liebe. Aus dieser entwickelt sich nach und nach der – auch sexuelle – Gewaltkreislauf. Aber: Häusliche Gewalt bedeutet nicht nur Schläge. Tatsächlich sind körperliche Angriffe samt ihrer Folgen nur eine von vielen Formen. Verbale Verletzungen oder Missachtung sind nachweisbar ebenso folgenschwer wie physische Gewalt.

Betroffene leben häufig in dem Glauben, dass sie selbst Verantwortung für ihre „Beziehungsprobleme“ tragen. Sie erkennen nicht, dass das Verhalten ihres Partners, zum Beispiel dessen Eifersucht, verbale Angriffe und Herabwürdigungen, die schrittweise Isolierung von Freunden und Familien ebenso häusliche Gewalt darstellen, wie es Schläge tun.

 

Aktionstag in Hagen

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen finden seit Jahren in Hagen Informationsveranstaltungen statt. Sie zeigen Angebote sowie lokale Anlaufstellen auf und sollen Frauen Mut machen, sich aus ihrer Notsituation zu befreien oder das eigene Erleben überhaupt erst als Gewalt zu identifizieren.

Organisiert werden die Aktionen vom Runden Tisch gegen häusliche Gewalt in Hagen, einem Zusammenschluss aus mehreren Institutionen, die in unterschiedlichen Arbeitsbereichen mit häuslicher Gewalt befasst sind und betroffenen Frauen Hilfe anbieten. Am Montag, 26. November, ist der „Runde Tisch“ von 12 bis 18 Uhr zu Gast in der Buchhandlung Thalia (Elberfelder Straße). „Wir möchten mit der Aktion die Hagener Bevölkerung sensibilisieren und die Botschaft senden: ‚Zusammen sind wir stark!‘“, erklären die Organisatoren.

Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Hagen
Der „Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Hagen“ ist ein Zusammenschluss aus mehreren Institutionen, u.a. der städtischen Gleichstellungsstelle mit Sabine Michel (Foto), die in unterschiedlichen Arbeitsbereichen mit häuslicher Gewalt befasst sind und betroffenen Frauen Hilfe anbieten. (Foto: Bärbel Taubitz)

Informationen und Give-aways

Es werden Flyer und Broschüren zu Hilfsangeboten sowie ganz besondere kleine Geschenke verteilt, die von alpha e.V. – Stoffwechsel Hagen gefertigt wurden: Im Rahmen eines sozialen Projektes zwischen der Gleichstellungsstelle der Stadt Hagen und dem Verein wurden speziell für die Aktion des „Runden Tisches“ am 26. November Püppchen aus Stoff als Schlüsselanhänger hergestellt. Jedes Püppchen ist anders, sie sind so vielfältig wie die von Gewalt betroffenen Frauen und ihre Geschichten. Die Püppchen sind kleine Trostspender zum Festhalten, „Sorgenfresser“ für die Jackentasche, vielleicht sogar Mutmacher für Betroffene. Rund zehn arbeitslose Frauen, die bei Stoffwechsel beschäftigt sind, haben die bunten Give-aways genäht. Also quasi von Frauen für Frauen.

Zum Hintergrund:

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist ein jährlich abgehaltener Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen. Seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen wie zum Beispiel Terre des Femmes e.V. jedes Jahr um den 25. November herum Veranstaltungen, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen thematisiert wird. Sie haben die allgemeine Stärkung von Frauenrechten zum Ziel. Dabei sollen Themen wie Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, häusliche Gewalt, Zwangsheirat, weibliche Armut etc. zur Sprache kommen. Außerdem sollen Programme unterstützt werden, die sich ausdrücklich für eine Gleichstellung von Frauen einsetzen, etwa im Bereich Bildung und Wahlrecht.