Generation „Kopf unten“

Hagen/EN-Kreis. (san) Pauline Heumann schnuppert als Schülerpraktikantin in unsere Redaktionsarbeit hinein. Eine prima Gelegenheit für uns, mal in die Gedankenwelt der 16-Jährigen von heute zu schauen. Was interessiert sie, was bewegt sie? Was macht das Leben einer Jugendlichen in der heutigen Zeit aus? Herausgekommen ist eine selbstkritische Analyse ihrer Generation.

Von Pauline Heumann

Sie gehört auch zur Generation „Kopf unten“ - und setzt sich kritisch damit auseinander: Unsere Wk-Praktikantin Pauline Heumann. (Foto: Sarah Schwarz)
Sie gehört auch zur Generation „Kopf unten“ – und setzt sich kritisch damit auseinander: Unsere Wk-Praktikantin Pauline Heumann. (Foto: Sarah Schwarz)

Viele kennen es. Man will sich mit einer Freundin oder einem Freund einen schönen Nachmittag in der Stadt machen, um zu bummeln oder zu quatschen. Man unterhält sich nett, lacht zusammen, bis das Handy klingelt. Sofort ist die Aufmerksamkeit weg, das Gespräch wird unterbrochen, nur um auf eine Nachricht oder einen Anruf zu reagieren. Wenn es einmal vorkommt, ist es ok, wenn es aber zum Bestandteil des Gesprächs wird, finde ich es unhöflich und nervig, aber es gehört eben zu unserer Generation. Der Generation „Kopf unten“.

Das Leben geht kaum noch über den Handybildschirm hinaus und nicht nur die Kommunikation muss darunter leiden, auch die Gesundheit. Ärzte warnen vor dem „Smartphone-Nacken“. Eine Studie des englischen Wirbelsäulenchirugen Kenneth Hansraj hat ergeben, dass man durchschnittlich 700 bis 1.400 Stunden auf sein Smartphone glotzt, eine erstreckend hohe Zahl. Die gekrümmte Nackenhaltung führt zu Schmerzen bis hin zu Versteifungen, die sich nur noch auf medizinischen Wege lösen lassen. Aber das ist es uns scheinbar wert, leider auch mir. Was ist denn schon ein schmerzender Nacken im Vergleich zu 1.000 Freunden auf Facebook oder Abonnenten auf Instagram? Und die wollen schließlich unterhalten werden.

Freunde. Ein gutes Stichwort, um das nächste Problem meiner Generation anzusprechen. „Freunde“, die man im Internet findet, kann man wohl kaum Freunde nennen. Sie sind wohl eher ein Messwert der eigenen sozialen Stellung. Wenn jemand viele „Freunde“ auf Facebook hat, ist er in der heutigen Gesellschaft viel höher angesehen; man wird automatisch zum Gesprächsthema und das ist das Ziel. „Hast du schon vom dem gehört?“, „Wusstest du, dass…?“

Auch auf der Beziehungsebene findet man hier einige Probleme. Die zu Anfang genannte Situation kennen bestimmt viele, genauso viele können es bestätigen: Es ist unhöflich und respektlos. Gründe wie fehlende Aufmerksamkeit oder Desinteresse am anderen können nicht nur Freundschaften beenden, sondern auch Beziehungen. Schlimm genug.

Natürlich hat unsere Generation nicht nur schlechte Eigenschaften, sie bringt auch Gutes mit sich. Man ist immer auf dem neusten Stand, man kann schnell etwas im Internet nachgucken, zum Beispiel ob der Bus, mit dem man in die Stadt will, auch fährt oder ob ein guter Film im Kino läuft. Schüler können mithilfe von Whatsapp und Co. mit ihren Mitschülern abklären, was sie für Hausaufgaben aufhaben. Natürlich kommt die Nachfrage von Smartphones auch den Handyherstellern zu Gute. Ob das widerum so gut ist, sollte man aufgrund der durchgängigen Nutzung in Frage stellen.

Durch die Handyindustrie werden verschiedene Modelle bereitgestellt, die zur kontinuierlichen Nutzung des Handys führen. Um im Gespräch zu bleiben, ist man immer mehr auf sozialen Netzwerken unterwegs, dadurch spart man deutlich an der „richtigen“ Kommunikation, was dazu führt, dass man eventuell Freunde verliert. In der Zwischenzeit wurde vielleicht schon wieder ein neues Handy hergestellt, das man haben möchte. Und so ist man drin, in dem Teufelskreis des Smartphones.