Genialer Bildhauer

Hagen. (lz) Noch bis zum 27. März können Kunstinteressierte in den Räumlichkeiten des Hagener Osthaus-Museums die neue Ausstellung „Stephan Balkenhol – Bronze-Editionen 1992-2014“ bewundern. Der aus Hessen stammende Künstler Stephan Balkenhol stellt hier 40 Bronze-Skulpturen aus.

Balkenhol, der von 1976 bis 1982 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg studierte, zählt mit seinen Skulpturen zu den bundesweit gefragtesten Künstlern. Zu seinen größten Projekten zählt neben der Giraffe mit Mann, die vor dem Hamburger Tierpark Hagenbeck steht, unter anderem die Figur eines Mannes, der auf einer Mauer balanciert. Diese wiederum findet sich in Berlin vor dem Axel-Springer-Haus.

Vision und Inspiration

„Grob gehauen – zudem farbig bemalt“, das ist sein Markenzeichen. Der Künstler, der 1957 im nordhessischen Fritzlar geboren wurde, versucht mit seinen Skulpturen eine Distanz zum Betrachter zu erwirken. „Die Figuren sind keinesfalls auf Emotionen angelegt“, erklärt Tayfun Belgin, Direktor des Osthaus-Museums. „Nachdem ich 1997 zum ersten Mal an einer Ausstellung Stephan Balkenhols teilgenommen und seine Skulpturen dort gesehen hatte, bin ich ein begeisterter Anhänger seiner Arbeit“, sagt Belgin. Besonders die großen Holzfiguren, die er in der Ausstellung in Salzburg gesehen hatte, überzeugten ihn. Die Figuren, so Belgin, bestechen vor allem durch ihre Unmittelbarkeit. So wirkt Balkenhols 1,55 m großer „Männlicher Akt“ beispielsweise vertraut und befremdlich zugleich.

Die jetzt an der Hochstraße dargebotenen Kunstwerke, die bis auf den Akt ausschließlich in Bronze gefertigt sind und die überwiegend aus Privatbesitz stammen, wurden dem Hagener Museum von einem Balkenhol-Liebhaber und -Sammler für diesen Ausstellungszweck zur Verfügung gestellt.

Blick ins Leere

„Die Arbeiten haben mich so fasziniert“, sagt Belgin, „dass für mich schnell klar war: wir holen die Werke auch in unsere Räume nach Hagen.“ Während im Holz noch direkte Spuren der Bearbeitung nachweisbar sind, wird durch den Guss der Bronzefiguren die Arbeitsspur unkenntlich gemacht. Trotzdem vereint beide Formen eine Gemeinsamkeit: der Betrachter verhält sich immer gleich zu den Skulpturen. Er schaut in den Raum hinein und der Blick verliert sich im Leeren. „Unsere Räume in Hagen ermöglichen diese Sicht“, erklärt Tayfun Belgin abschließend. „Ähnlich wie die Blicke der Skulpturen ist der Raum als solcher dazu konzipiert, sich in ihm zu verlieren.“

Der Blick ins Leere als Sicht des Loslösens vom Alltag? Eine eigene Blickrichtung auf die Werke von Stephan Balkenhol kann ab sofort tagtäglich (außer montags) im Osthaus-Museum, Museumsplatz 3, geworfen werden.