Geocacher im Visier

Hagen. (san) Ob an der chinesischen Mauer oder mitten in New York City und natürlich auch in der Volmestadt – weltweit gibt es mittlerweile rund 1,2 Millionen “Verstecke“ und eine riesige Schar von Suchern. “Geocaching“, eine Art moderne Schatzsuche, ist ein anspruchsvoller Freizeitvertreib, der eine internationale Gemeinschaft hinter sich vereint. Ausgerüstet mit GPS erwandern pfiffige Menschen Koordinaten, achten auf getarnte Zeichen entlang des Weges, die sie schließlich zu einem kleinen „Cache“ („Fund“) und einem Logbuch führen. Anschließend kann der Finder seine Erfahrungen zu seiner Suche und die Gestaltung des Caches unter www. geocaching.com ins Netz stellen. Verkehrsämter etlicher Städte werben gar mit dem großen Geocaching-Angebot in ihren Regionen. Allein in Hagen gibt es mehrere hundert Multi-, Mystery-, Earth- oder Nachtcaches.

Jägerschaft alarmiert

Nun schlagen die Jäger Alarm. Durch das Geocaching würden regelmäßig Sucher in Waldgebiete geführt, die sonst nur selten oder gar nicht von Menschen besucht wurden und dem Wild als Ruhezonen zur Verfügung standen. „Besonders schädlich ist dies bei Nachtcaches, da nicht nur durch das Durchstreifen des Waldes Tiere unnötig aufgescheucht werden, sondern sich die Sucher selbst in Gefahr begeben, da die Dämmerstunden zur Jagd genutzt werden,“ mahnt Lars Peter Hegenberg, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Hagen. Gleichwohl betont er, dass es der Jägerschaft fern liege, die Waldnutzung der Bürger einschränken zu wollen. „Was jedoch das ungezügelte Geocaching angeht, so sieht die KJS Hagen e.V. eine deutliche Überschreitung des im Landesforstgesetz NRW dargelegten gesetzlich Zulässigen. Das freie Betretungsrecht des Waldes gilt nur zu Erholungszwecken (Bundeswaldgesetz §14). Das Gesetz dient in erster Linie dazu, die Fauna und Flora zu schützen. Etwas zu hinterlassen oder zu verstecken, geht unseres Erachtens eindeutig über die gesetzlich erlaubte Art der Waldnutzung hinaus“, so die heimische Jägerschaft. Das Landesforstgesetz besagt beispielsweise, dass Kulturflächen wie etwa Schonungen nicht betreten werden dürfen.

„Wir Jäger wissen, wie wir uns im Wald bewegen, um kein Wild zu beunruhigen, wir kennen zudem unser Revier ja aus dem ’ff’. Und zur Schonzeit betreten selbst wir nicht das tiefe Unterholz,“ begründet Hegenberg die Schädlichkeit der Waldbegehung von “unbedarften“ Hobbysuchern. Neben dem nach wie vor größten Stressfaktor des Wilds, den frei laufenden Hunden, und auch den meist lautlos heranschnellenden Mountainbikern, bilde die Gruppe der Geocacher mittlerweile eine weitere Störung in den Revieren.

“Geocacher achten Naturschutz“

Die seriösen Geocacher verstehen die Argumentation der Jägerschaft weniger. Die Hagener Rainer und Heino Moll platzieren seit drei Jahren beliebte Caches im Stadtgebiet. Sie weisen auf Kontrolle der Cache-Gemeinschaft hin: „Wer eine Idee zum Platzieren eines Verstecks hat, reicht diese erst einmal bei geocaching.com ein. Ein so genannter Reviewer prüft erst die Gegebenheiten. So soll es keine Überschneidungen mit anderen Verstecken geben. Aber ein ganz wichtiger Punkt ist die Einhaltung des Naturschutzgesetzes,“ wissen die Brüder im Ruhestand.

So würden in der Regel keine Platzierungen genehmigt, die mehr als drei bis vier Meter vom Weg wegliegen. „Mitunter gibt es auch Rückfragen an die städtischen Behörden, die dann eine Genehmigung erteilen,“ so Rainer Moll. Erst dann wird der Cache im Internet freigeschaltet. Diese müssen natürlich in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Auch die Sucher können im Internet melden, wenn die Gegebenheiten nicht den Regeln entsprechen.

Schwarze Schafe

Die Hagener Heino und Rainer Moll sind leidenschaftliche Geocacher und verstecken selbst Caches. Bisher haben sie nach eigenem Bekunden nur gute Erfahrungen in Sachen Naturschutz erlebt. (Foto: Schievelbusch)

Seit geraumer Zeit erwandern Rainer und Heino Moll die zahlreichen Caches in Hagen. „Die meisten von ihnen sind übrigens innerstädtisch. Wir haben noch kein Versteck dabei gehabt, das mehr als vier Meter abseits eines Weges war,“ berichten sie aus ihrer Praxis. Dennoch wollen sie nicht bestreiten, dass es auch in ihrer “Zunft“ schwarze Schafe gibt, die für eine Abkürzung zum nächsten Wegepunkt die eigentliche Strecke verlassen. Oder es gebe auch Unwissende, die sich in Sachen Naturschutz nicht schlau gemacht hätten. „Aber auch unter den Jägern gibt es bekanntlich schwarze Schafe – wie überall,“ so die Überzeugung der beiden Cacher. „Vielleicht passt es der Jägerschaft nicht, dass sie nicht mehr wie früher allein im Wald sein können.“

Die beiden Cache-Leger setzen aber auf ein Miteinander aller Waldbegeher und halten mehr von Gesprächen als von gegenseitigen Schuldzuweisungen. „Die meisten Geocacher sind schon im Familien- und Rentenalter. Wer glaubt, das machen nur die wilden Jugendlichen, der irrt hier,“ erzählt Heino Moll.

Preis der Freizeitgesellschaft

Revierförster Michael Knaup weist zudem darauf hin, dass die strikte Einhaltung der Gesetze unabdingbar sei, und die Tageszeit für dieses Hobby gut gewählt werden sollte. Eine punktuelle Beunruhigung für das Wild sei nicht von der Hand zu weisen. „Das Wald-Betretungsrecht der Bürger müssen Jäger und Waldbesitzer jedoch akzeptieren. Sieht man hier Handlungsbedarf, muss das gesetzlich neu geregelt werden. In der heutigen Freizeitgesellschaft muss man mit diesen Gegebenheiten leben,“ sieht er das Geocaching relativ gelassen. „Die Pilzsucher im Herbst haben sich da viel weiter ins Unterholz begeben.“

Gegenseitiges Verständnis

Wie die Brüder Moll setzt Knaup auf ein verständnisvolles Miteinander. Das tut Jägerschaft-Chef Hegenberg natürlich auch. Dringend appelliert er an die Geocacher, sich insbesondere nachts ausschließlich an die Waldwege zu halten. „Unseres Erachtens wäre es mehr als notwendig, während der Nachtzeit ein Wegegebot einzuführen“, geht er sogar noch weiter.

Wer das Hobby “Geocaching“ nach den Regeln betreibt, der wird auch sicherlich in den heimischen Revieren nicht für Unruhe sorgen.