„Gezackte“ Sammel-Liebe

„Kunst auf Briefmarken“ - das könnte ein richtiges Frauenthema sein. Aber die Marken-Sammelei ist nach wie vor eine Männer-Domäne. Warum eigentlich? (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen/Iserlohn. (clau) Wolfgang Rasmussen gehört zur Spezies der Jäger und Sammler – zumindest was Briefmarken angeht. Er sammelt sie seit seinem 12. Lebensjahr. Es war eine Briefmarke aus der damaligen „Ostzone“, die ihn zuerst verblüffte und neugierig machte. „Seitdem bin ich dabei, mal mehr und mal weniger, aber letztlich doch von 1950 an bis heute ungebrochen“, sagt der Exportkaufmann im Ruhestand.

Im Sammelfieber

„Es ist ein ausgeprägter Sammeltrieb, der einen antreibt“, sagt er nach einigem Überlegen. „Der hätte sich in meinem Fall auch an der Geologie austoben können. Aber die Briefmarken mit ihren unendlich vielen Motiven haben mich dann doch mehr gefesselt als die Steine“, gibt der gebürtige Danziger zu. „Briefmarken sind zum großen Teil einfach schön. Und wenn man dann noch Themen sammelt wie zum Beispiel ‚Kunst auf Briefmarken‘ um so mehr.“

Eine zweite Triebfeder der Markensammler sei der Perfektionismus, meint der Schriftführer des in der Nachbarstadt Iserlohn beheimateten Briefmarkensammler-Vereins: „Vor allem, wenn jemand an einer Ländersammlung arbeitet – sagen wir mal ‚BRD‘ -, hat er keine Ruhe, bis sie komplett ist.“

Wolfgang Rasmussen sammelt seit vielen Jahren Motive rund um das Thema „Albrecht Dürer“. (Foto: Claudia Eckhoff)

Viele Sammler haben sich dagegen auf besondere Themen oder Motivgebiete spezialisiert. Das von Wolfgang Rasmussen heißt „Albrecht Dürer“. Rund um diesen berühmten Künstler sammelt er Briefmarken. „Zeitgenossen wie etwa Lukas Cranach oder Martin Luther, sein Gönner Maximilian I., seine Geburtsstadt Nürnberg, Stationen seiner Reisen nach Italien und in die Niederlande, Kultur- und Zeitgeschichtliches wie etwa die Bauernkriege… so eine Sammlung wird nie fertig“, weiß Wolfgang Rasmussen. „Das Herzstück sind natürlich die Gemälde, Kupfer- und Holzstiche von Albrecht Dürer selbst.“

„Markt ist kaputt“

In solch einer Themensammlung geht es nicht um den äußeren Wert oder den Preis einer Marke, sondern nur um ihren bildlichen Inhalt. „Wenn irgendwo am anderen Ende der Welt eine neue billige Marke rauskommt, die aber zu meinem Thema passt, dann möchte ich sie gerne haben und einfügen“, so der Dürer-Fan.

Der materielle Wert der Marken spielt heute fast gar keine Rolle mehr. Noch in den 80er Jahren hätten komplette Sammlungen etwa zur „BRD“ oder „DDR“ einen hohen Verkaufspreis erzielen können. „Heute ist es ganz schwer, überhaupt einen Käufer zu finden, geschweige denn einen angemessenen Preis zu bekommen“, erläutert Wolfgang Rasmussen. „Briefmarken werden heute in riesigen Auflagen auf den Markt geworfen. Sie sind Massenware geworden. Briefmarken als Wertanlage? – Der Markt ist kaputt.“

Kurioses und Makel

Solch knallbunte Marken dienen vorwiegend dazu, frisches Devisengeld in die Kassen klammer Dritte-Welt-Staaten zu spülen. Egal: Celina (l.) und Paula finden Mickey Maus & Co. auf Briefmarken einfach „cool“. (Foto: Claudia Eckhoff)

Was viele Sammler aber zu schätzen wissen, sind Spezialitäten oder Kurioses wie Druckzufälligkeiten auf Grund von Druckplattenfehlern oder spezielle Bogenrandsignaturen oder interne Hinweise der Bundesdruckerei wie zum Beispiel die Kürzel des Druckers selbst.

Was aber nach wie vor gar nicht geht, sind Fingerabdrücke auf der Rückseite postfrischer Marken – „Dafür gibt es ja Pinzetten“ – oder Zahnfehler oder Flecken auf der Gummiseite: „Postfrische Marken müssen makellos sein! Die klemmt man nicht etwa mit einer Büroklammer zusammen oder patscht darauf herum!“

Das richtige Benehmen rund um die Marken bringt Wolfgang Rasmussen regelmäßig auch Nachwuchssammlern bei. Das sind fast durchweg Vertreter des männlichen Geschlechts. Warum sammeln Frauen keine Marken? – Wolfgang Rasmussen wundert sich selbst. Auf Anhieb fallen ihm jede Menge Sammel-Themen ein, die wie gemacht wären für Frauen. Aber vielleicht üben kleine „gezackte Bilder“ einfach zu wenig Reiz aus…