Giftpflanze Jakobskreuzkraut

Hagen. (anna) Seit ungefähr sechs Jahren wird die Giftpflanze Jakobskreuzkraut in Nordrhein-Westfalen zum Problem. Auch die Bauern in Hagen und der näheren Umgebung beklagen die immense Vermehrung dieser hochgiftigen Pflanze.

Tatsächlich stellt ihre Ausbreitung eine ernste Gefahr dar, da sie als Giftpflanze nicht verfüttert werden sollte. Während Rinder und Pferde das giftige Kraut auf der Weide an den leuchtend gelben Blüten und dem unangenehmen Geruch erkennen und häufig meiden, wird es bei Überweidung in der Regel doch reichlich gefressen. Die größte Gefahr lauert allerdings im Hauballen oder in der Silage. Dort wird das giftige Kraut praktisch unsichtbar und kann so leicht in die Nahrungskette gelangen.

Für die Tiere sind die in allen Pflanzenteilen vorhandenen Giftstoffe – sogenannte Alkaloide – gesundheitsschädlich. Sie bauen sich auch über längere Zeiträume nicht ab, sondern reichern sich bei häufiger Aufnahme an und führen früher oder später zum Tod. Schlachtvieh wird allerdings nicht am ständigen Verzehr des Jakobkreuzkrautes sterben, dazu ist sein Leben zu kurz. Allerdings wird das Tier vergiftet zur Schlachtbank geführt.

Frage: Wird es dadurch zu einer Gefahr für die Menschen?

Hochgiftig

Die Giftigkeit des Jakobkreuzkrautes und seiner nahen Verwandten beruht auf der Wirkung verschiedener Alkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Gefahr ist vor allem deshalb nicht zu unterschätzen, da die Vergiftung stetig ansteigt. Dadurch entstehen chronische Erkrankungen, wobei insbesondere Pferde, aber auch Rinder offensichtlich empfindlicher reagieren als Schafe und Ziegen.

Die Gefahr ist erheblich, wenn man sich vor Augen führt, dass ein einzelner ausgewachsener Trieb im Mittel etwa 70 g wiegt. Wird einer 700 kg schweren Kuh diese Menge einhundert Mal angeboten, ist bereits die tödliche Dosis erreicht. Jegliche Verfütterung sollte daher konsequent vermieden werden, denn erste Schäden sind bei einem chronischen Krankheitsgeschehen bereits nach Aufnahme erheblich geringerer Futtermengen zu erwarten.

Um eine Versamung und damit ein weiteres Ausbreiten zu verhindern, waren viele Land- und Pferdewirte dem Jakobkreuzkraut auf ihren Wiesen und Weiden mit Spaten zu Leibe gerückt, andere resignierten wegen des übermäßigen Auftretens und setzten Herbizide ein, die dem Jakobskreuzkraut den Garaus machten, damit aber auch dem gesamten Grünlandertrag.

Landwirte in Hagen und Umgebung haben unlängst eine Petition an den Deutschen Bundestag auf den Weg gebracht, in der sie eine Melde- und Bekämpfungspflicht des hochgiftigen Jakobkreuzkrauts fordern. Wie sie bestätigen, seien besonders Pferde von der Vergiftung betroffen, da ihre Lebenserwartung als Nicht-Schlachttier sehr viel höher ist als die der für die Fleischproduktion bestimmten Wiederkäuer. „Der Vergiftungstod ist grausam: Es kommt dann zu Schmerzen im Magen- Darmbereich, dann zu Krämpfen, die zum Tod führen. Die Leberschäden sind weder behandelbar noch heilbar“, berichtet ein betroffener Landwirt, der eine Bekämpfung des Krautes fordert. Denn, so weiß er, in Milch und Honig wurden die Alkaloide bereits nachgewiesen. Durch den Verzehr solcher Produkte ist folglich die Gesundheit der Menschen in Gefahr.

Verbreitung

Anders als bei Ambrosia oder Bärenklau handelt es sich beim Jakobskreuzkraut nicht um eine exotische Pflanze, sondern um eine alte heimische Pflanze. Ihr Auftreten ist also nicht grundsätzlich neu. Neu ist jedoch ihr teilweise extrem starkes Auftreten.

Das Jakobskreuzkraut mit botanischem Namen Senecio jacobaea tritt in Nordrhein-Westfalen inzwischen in allen Regionen verstärkt auf. Verbreitet ist es besonders auf Stilllegungsflächen, extensiv genutzten Weiden, insbesondere Pferdeweiden, an Wegrändern und Böschungen. An intensiv genutzten Rinderweiden wird es bislang zwar noch seltener, jedoch ebenfalls zunehmend angetroffen. Auch 2011 war nicht zu übersehen, dass sich das gelb blühende Jakobskreuzkraut unvermindert ausgebreitet hat.

Bekämpfung gefordert

Gefordert wird von den Landwirten eine planmäßige Jakobskreuzkraut-Bekämpfung entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Diese sollte auf alle öffentlichen Flächen und damit vor allem auch in die kommunalen Verantwortungsbereiche hinein ausgedehnt werden. Da auch eine mittelbare Gefahr für Menschen nicht ausgeschlossen werden kann, liegt eine flächendeckende Bekämpfung nicht allein im landwirtschaftlichen, sondern im allgemeinen Interesse.