Giousouf fordert: Den Deutschtürken die Stimmabgabe entziehen

Cemile Giousouf fordert Konsequenzen für Erdogans Aussagen. (Foto: CDU)

Cemile Giousouf fordert Konsequenzen für Erdogans Aussagen. (Foto: CDU)

Hagen. (Red./as) Es reicht. Das türkische Säbelrasseln lässt auch Cemile Giousouf, Hagener Bundespolitikerin und Inte­grationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, klare Worte finden: „Die Aussagen des türkischen Präsidenten machen nochmals sein simples Demokratieverständnis deutlich“, sagt sie.
„Unser Demokratieverständnis ist ein anderes: In Deutschland dürfen türkeistämmige Deutsche an den Bundestagswahlen teilnehmen, während es gleichzeitig den Deutschtürken mit türkischem Pass 2015 sogar erlaubt war, in Deutschland ihre Stimme für die Parlamentswahlen in der Türkei abzugeben. Davor war dies nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen. Nach dem aktuellen Boykottaufruf Erdogans bin ich dagegen, dass die Deutschtürken hierzulande weiterhin ihre Stimme bei türkischen Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen abgeben dürfen. Der türkische Präsident will Misstrauen in eine starke Demokratie wie Deutschland säen, dabei schafft er diese in der Türkei gerade ab. Für ihn sind die Deutsch-Türken offensichtlich nur ein Spielball, um seine Stellung in der Türkei weiter zu festigen. Und sein Einfluss ist zudem geringer, als er denkt: Beim türkischen Referendum im April hat sich nur eine Minderheit der in der Türkei wahlberechtigten Deutschtürken von Erdogan vor den Karren spannen lassen. Ich bin mir sicher, dass auch bei der Bundestagswahl seine Bevormundung von einer Mehrheit abgelehnt wird.“
Mitgefühl
Cemile Giousouf fühlt mit den Menschen in der Türkei: „Mir tut es leid, dass ein so schönes Land mit seiner stolzen Bevölkerung nach und nach in eine Diktatur verwandelt wird.“ In der aktuellen Situation rate sie häufiger Freunden ab, in die Türkei zu reisen. „Leider“, sagt sie.
Aber in ihrem Bekanntenkreis seien Reisende, die politisch in Deutschland ein wenig aktiv seien, an der Grenze festgehalten worden.