Glatteis-Sturz in „Streuklasse B“

Hagen. (san) Im Winter – das weiß jeder – kann es glatt werden. Das sagt allein schon die Lebenserfahrung. Dennoch gibt es immer wieder Stürze. Und dann werden Schuldige gesucht und Richter bemüht…

Spiegelglatt war es auch an jenem Donnerstagmorgen im Dezember, als sich die Frisörin wie gewohnt auf den Weg zur Arbeit machte. Noch in ihrer sehr abschüssigen Wohnstraße „Zum Hohenhof“ in Dahl geriet ihr Pkw ins Rutschen, drehte sich zweimal um die eigene Achse und kam dann an der Einmündung der Kohlbergstraße entgegen der Fahrtrichtung zum Stehen. Vom ersten Schrecken erholt, stieg Gabriele Boenki aus. Trotz ihrer Vorsicht wegen der Glätte stürzte sie nach nur wenigen Schritten auf die Fahrbahn.

Sie zog sich neben starken Prellungen auch einen Trümmerbruch im rechten Handgelenk zu und musste operiert werden. Bis vor kurzem noch war die 49-Jährige als arbeitsunfähig krank geschrieben, stärkere Belastungen darf sie ihrer „Arbeitshand“ nach wie vor nicht zumuten.

Schadenersatz

Noch im Dezember machte Gabriele Boenki Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche anwaltlich bei der Stadt Hagen geltend. Nach einigen Schriftwechseln weist nun das städtische Rechtsamt in einem abschließenden Schreiben jegliche Verletzung der Verkehrssicherungspflicht von sich. „Das sehe ich ganz anders und werde das nicht hinnehmen“, so die Dahlerin.

An dem Unfallmorgen gab es drei weitere Fußgänger an der Straße „Zum Hohenhof“. Sie konnten der gestürtzten Frau nicht zur Hilfe eilen, weil sie selbst aufgrund der Eisglätte nicht gefahrlos von der Stelle kamen. Auch diese bei der Schmerzensgeldforderung als Zeugen benannten Passanten bestätigten, dass weder Fahrbahn noch der Bürgersteig, der überhaupt nur an einigen Stellen und dann einseitig vorhanden ist, gestreut waren. „Da der Unfall sich gegen 8.20 Uhr ereignete, der Streuwagen tatsächlich erst um 9.20 Uhr vor Ort war, die Streupflicht der Stadt aber in dieser Straße um 7 Uhr beginnt,“ sieht Anwohnerin Boenki die Verkehrssicherung durchaus verletzt und erwägt nun gerichtlich zu klagen.

Streuklasse B

Ein Blick auf die Erläuterungen des von der städtischen Tochter HEB zu leistenden Winterdienstes, beispielsweise über deren Homepage, zeigt aber mitnichten, dass in den zu streuenden Straßen gleich ab einer bestimmten Uhrzeit geräumt sein muss. Im Falle der Straße „Zum Hohenhof“ liegt an der Unfallstelle die Streuklasse B (3) vor: „Die Winterdienststufe B umfasst Nebenstraßen und Wohnstraßen innerhalb geschlossener Ortslagen mit erheblichem Gefälle. Diese Straßen werden nach Abschluss des Winterdienstes der Streuklasse A (2) und im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten gewartet (bis maximal 20.00 Uhr, nicht an Samstagen, Sonn- und Feiertagen).“ Dass die auch in dieser Streuklasse durchgeführten Streuarbeiten an diesem 12. Dezember bereits ab 6 Uhr erfolgten, bedauerlicherweise aber nicht gleich in der Unfallstraße, wertet das Rechtsamt als unglückliche zeitliche Abfolge. Aber aus rechtlicher Sicht habe der HEB ordentlich gearbeitet.

Schadenersatzansprüche nach folgenreichen Sturzunfällen wie diesem gibt es in jedem Winter. In den meisten Fällen haben die Geschädigten keine Aussicht auf Erfolg. „Mit geht es zwar auch um Wiedergutmachung, aber ich möchte ebenso darauf aufmerksam machen, dass es in Straßen wie in der unseren nicht angehen kann, bei Schnee und Eis immer das Nachsehen zu haben,“ will Gabriele Boenki nicht nachgeben.