Gleichstellung bei leerer Kasse

Schwelms Gleichstellungs-Beauftragte Susanne Effert ist in ihr neues Büro eingezogen und beginnt sich einzurichten. (Foto: Stefan Scheler)

Schwelm. (Sche) In der Ratssitzung am 30. September stellt sich die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schwelm, die Diplompädagogin Susanne Effert, den Lokalpolitikern erstmals vor, nachdem sie vor Kurzem ihre auf ein Jahr befristete, 20 Wochenstunden umfassende Tätigkeit in der Verwaltung der Kreisstadt angetreten hat. In ihrem Büro im Schwelmer Rathaus an der Hauptstraße 14, 1. Etage, Raum 101, Ruf 0 23 36 / 80 12 09 erläuterte sie im Gespräch ihre Motivation und die Ziele ihrer nicht nur frauenpolitischen Arbeit.

Frau Effert, ist die Tätigkeit einer Gleichstellungsbeauftragten für die scheinbar emanzipierten Frauen von heute noch notwendig?

Ich denke ja. Vom Geschlecht bedingte Ungleichbehandlung gibt es in der Gesellschaft und im Arbeitsleben noch immer, und zwar nicht nur zu Lasten der Frauen. Zum Beispiel ist es für Männer noch immer problematisch, als Erzieher im Kindergarten oder als Geburtshelfer eine Stelle zu finden. Außerdem ist häusliche Gewalt – fast durchgängig zum Nachteil der Frauen – leider immer noch an der Tagesordnung. Hier will ich als Vermittlerin für Hilfsangebote wirken. Mein Tätigkeitsbereich beschränkt sich nämlich nicht nur auf die interne Verwaltung, sondern umfasst auch den Dienst am Bürger.

Wo sehen Sie die konkreten Problemfelder in Schwelm?

Das kann ich genau vielleicht in hundert Tagen sagen, wenn ich mich eingearbeitet und wichtige Kontakte geknüpft habe. Vorerst stelle ich pauschal nur fest, dass die Kreisstadt leider auch keine ,Insel der Seligen‘ ist und sich die allgemeinen Schwierigkeiten mit Gleichberechtigung und der Migranten-Eingliederung hier wie fast überall ergeben.

Welche Aufgaben gehen Sie zuerst an?

(lacht) Zunächst muss ich erst einmal 30 Kartons auspacken und das Material sichten. Dann arbeite ich mich in die Sachverhalte ein und bereite mich auf die Vorstellung beim Stadtrat vor.

Wie sind Sie darauf gekommen, sich für diese Tätigkeit zu bewerben?

Das liegt neben meinem großen Interesse für das Thema auch an örtlichen Gegebenheiten. Ich bin von Koblenz zu meinem Ehemann Axel nach Wuppertal gezogen. Dort habe ich mich über meiner Qualifikation und Neigung entsprechende Stellenangebote informiert und bin, nachdem ich in der Schwebebahnstadt vergeblich Ausschau gehalten hatte, auf eine Ausschreibung der Nachbarstadt Schwelm gestoßen. Das Angebot hat mich gereizt, und hier bin ich nun.

Befürchten Sie besondere Probleme oder Widerstände bei Ihrer Arbeit in Schwelm?

Nicht mehr als anderswo auch. Fast überall regieren in den Kommunen die Zwänge der leeren Kassen. Im persönlichen Umgang mit den Kollegen oder dem Bürger sehe ich überhaupt keinen Anlass zur Sorge. In brenzlige Lagen, zum Beispiel bei Ortsterminen mit gewalttätigen Ehemännern, werde ich wohl kaum kommen, da ich lediglich als Vermittlerin für die Tätigkeit der zuständigen Ämter fungiere. Unter anderem stelle ich Kontakte zu Frauenhäusern her, wobei sich die Betroffenen unter der bekannt gemachten Adresse nebst Telefonnummer von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 14 Uhr mit mir in Verbindung setzen können. Eine telefonische Voranmeldung ist dabei sinnvoll, damit man nicht umsonst anreist, denn ich bin zuweilen dienstlich außer Haus.

Gibt es für Frauen immer noch Probleme, in Führungspositionen aufzusteigen?

Ja, besonders vor dem Hintergrund der allgemein eher zögerlichen Einstellungs- und Beförderungspraxis. Arbeitgeber scheuen dabei umso mehr das Angebot der für Frauen oft wichtigen Teilzeitbeschäftigung, weil sie befürchten, dass qualifiziertere Aufgaben damit nicht zufrieden stellend zu erfüllen sind. In diesem Bereich sehe ich viel Überzeugungsarbeit auf mich zukommen, auch in Schwelm. Tendenziell befürworte ich deshalb – trotz eigener innerer Vorbehalte – eine gerecht gestaltete Frauenquote.

Frau Effert, wir danken Ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.