„Glück auf“ und die Wetterlampe festgezurrt

Neueste Technik mit Tradition vereint: Auch wenn Marco Kiessler heute lieber auf die kabellose Kopflampe am Helm zurückgreift, ist die Wetterlampe noch immer ein treuer Begleiter im Schlebuscher Erbstollen in Wetter. (Foto: Nina Heindl)

Hagen. (nh) „Ein Bergmann ohne Licht ist ein armer Wicht“, dieser kleine Reim darf wörtlich verstanden werden – wer schon einmal einen Blick in einen der dunklen Schächte eines Bergbaustollens werfen durfte, kann sich dies lebhaft vorstellen. „Die sogenannte Wetterlampe, die jeder Bergmann stets bei sich trug, war eine der bedeutendsten Erfindungen im Bergbauwesen!“, erklärt Marco Kiessler begeistert. Ihn hat das Interesse am Bergbau schon früh gepackt.

Grubenlampen in all ihren Variationen

Der Hasper Marco Kiessler, Jahrgang 1971, hat von der Hasper Hütte nur noch die letzten „Atemzüge“ mitbekommen können. Dennoch ging mit dem stillgestellten Werk bereits in Jugendjahren Kiesslers Faszination für den Bergbau einher – und damit auch für die lebensrettenden Lichtspender unter Tage. Der gelernte Bio-Laborant begann, Grubenlampen in all ihren Variationen aus verschiedenen Ländern weltweit und quer durch die Jahrhunderte zu sammeln, ob mit Öl, Benzin oder elektrisch.

„Irgendwann habe ich mich dann auf westfälische Öllampen eingeschossen, von denen ich ein paar sehr schöne Stücke mein Eigen nennen kann“, erklärt der Sammler stolz. Die restlichen Lampen bot er via Internet zum Kauf an, worüber sich ein florierendes Grubenlampen-Antiquariat und eine Firma für moderne Lichttechnik entwickelt haben.

Pflege des Schlebuscher Erbstollens

„Meine Grubenlampen sind aber nicht nur zum Anschauen gedacht“, versichert Kiessler, „sie sind auch noch in Gebrauch!“ In zwei Vereinen zum Erhalt von historischen Stätten des Bergbaus tätig, geht Kiessler auch selbst unter Tage und zwar im Schlebuscher Erbstollen in Wetter. Zur aktiven Vereinsarbeit gehört die Pflege stillgelegter Stollen, ihre Sicherung und Erforschung. „Wir verwenden moderne Technik bei unseren Begehungen des Stollens, doch die Wetterlampe ist immer mit dabei!“ erklärt der Hobby-Bergmann.

Neue LED-Lampen spenden natürlich sehr viel besseres Licht, doch hat die gute, alte Wetterlampe einige Vorteile. Erstens macht sie das brennbare Gas Methan in der Luft sichtbar, zweitens merkt man sofort, wenn das Wetter – so nennt man die Luft in einem Stollen und daher haben auch die Lampen ihren Namen – zu viel Kohlendioxid enthält: „Methan kommt im Erbstollen nicht vor, dafür sind wir zu nah an der Erdoberfläche, aber sobald das Licht der Wetterlampe ausgeht, wird der Sauerstoff knapp und wir gehen sofort wieder über Tage!“

Schmuckstück der Sammlung

Nach dem Schmuckstück seiner Sammlung gefragt, leuchten Kiesslers Augen: „Das ist ganz eindeutig eine Wetterlampe, die im Schlebuscher Erbstollen genutzt wurde!“ Von 1919 bis 1921 hatte der Pferdeführer Artur Neuhaus sie im Einsatz. „Die Wetterlampe konnte ich für eine Ausstellung entleihen und danach vom Enkel des ehemaligen Besitzers erwerben“, erzählt Kiessler. Später, beim Säubern der vermeintlich eisernen Lampe, stellte er dann fest, dass es sich um eine Messinglampe handelt. „Messing war den höher gestellten Arbeitern vorbehalten und ein Pferdeführer hätte eigentlich eine Eisenlampe bekommen müssen.“

Aus diesem Grund hatte Artur Neuhaus vor mehr als hundert Jahren die Wetterlampe wohl auch schwarz angemalt, was selbst den geübten Blick von Sammler Kiessler zunächst täuschen konnte: „Es ist eine schöne Vorstellung, wie sich der gewitzte Pferdeführer täglich insgeheim über seine wertvolle Lampe gefreut hat.“

Viele weitere spannende Geschichten könnten über die Lampen der Sammlung erzählt werden – das mag die Leidenschaft für den regionalen Bergbau ausmachen, deren Wirkstätten und Gebrauchsgegenstände Kiessler und viele weitere Begeisterte erhalten wollen.