Glücklich, aber auch bedrückt in Guatemala

Hagen. (anna) Paulina Fritz ist eine junge Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Und sie ist vielseitig interessiert. Nicht nur, dass sie beim TSV Hagen 1860 erfolgreich Basketball gespielt hat und sich mit dem Titel des Deutschen Meisters schmücken darf. Nein, auch das Abitur hat die 18-Jährige seit dem Sommer in der Tasche. Obendrein hatte sie ein großes Ziel vor Augen: Sie wollte unbedingt ein halbes Jahr im mittelamerikanischen Staat Guatemala verbringen.

Seit August lebt und arbeitet Paulina Fritz nun in Mittelamerika. Zwei Berichte von ihr haben wir bereits veröffentlicht (hier und hier), nun folgt der dritte. Paulina Fritz schreibt:

Anfang November habe ich meinen ersten Wochenendausflug gemacht. Es ging nach Flores und Tikal. Früh am Morgen fuhr die Gruppe aus der Sprachschule mit zwei Shuttlebussen los. Der Fahrstil hier ist „unterirdisch“, und anschnallen kann man sich natürlich auch nicht. Der erste Stopp war an einem Wasserfall mit einer türkisblauen, warmen Schwimmstelle – wunderschön. Rasch ging es weiter nach Flores. Das ist eine Stadt, die komplett von Wasser umgeben und sehr romantisch ist.

Die Nacht haben wir in einem Backpacker-Hostel, das im Dschungel-Stil gehalten ist, verbracht. Am nächsten Morgen ging es zu den alten Maya-Tempeln. Dieser riesige Nationalpark hinterlässt mächtig Eindruck. Jeder, der nach Guatemala reist, muss hier mal gewesen sein. Am Mittag ging die Reise Richtung Karibik weiter. Über den Río Dulce fuhren wir etwa eineinhalb Stunden lang mit dem Boot. Kurz vor dem Ziel geht dieser Fluss in das karibische Meer über, und schlagartig wurden sowohl die Luft als auch das Wasser sehr schön warm. Unser Ziel war ein kleiner Strandabschnitt mit Steg und Bungalows.

Nach einer unangenehm warmen Nacht in den Bungalows konnten wir am nächsten Morgen noch einige Stunden die Sonne, den Strand, das Meer und natürlich die Hängematten genießen, dann ging es weiter. Zuletzt besuchten wir noch Lívingston, das Dorf der Garífuna, einer anderen Bevölkerungsgruppe Guatemalas. Die Stadt an sich war allerdings nicht sehr schön – ziemlich heruntergekommen.

Projekt

Nach diesem Wochenende ging mein Projekt los und zwar in der Escuela la Esperanza (Schule der Hoffnung), die sich in Jocotenango befindet, nahe meinem Wohnort Antigua. Die Organisation ermöglicht den Kindern, deren Familien sich keine öffentliche Schule leisten können, eine bilinguale Ausbildung in Spanisch und Englisch sowie eine gesundheitliche Versorgung und Mahlzeiten.

Ich hatte viel Gutes über die Schule gehört und per E-Mail nachgefragt, ob es möglich sei, mich dort einzubringen. Mein Einstieg verlief reibungslos. Bis Anfang Dezember haben die Kinder dort nur „Summer School“, das heißt, es findet kein richtiger Unterricht statt. Ich wurde der Bastel-Gruppe und der Lehrerin Maria zugeteilt. Die Schüler sind dem Alter nach in sechs unterschiedliche Gruppen eingeteilt, dementsprechend hatte ich mit vielen verschiedenen Kindern zu tun. Die Kinder sind einfach nur liebenswert. Sie lachen viel, spielen friedlich und wollen gern kuscheln.

Was Paulina Fritz in den Dörfern Guatemalas erlebt hat, ist überwiegend bedrückend. Die Zustände in den Häusern der Familien sind teilweise menschenunwürdig. Die Wände und Dächer können den heftigen Regenfällen nicht standhalten. Bis zu acht Personen schlafen in einem Raum, teilweise zu viert in einem Bett. (Foto: privat)
Was Paulina Fritz in den Dörfern Guatemalas erlebt hat, ist überwiegend bedrückend. Die Zustände in den Häusern der Familien sind teilweise menschenunwürdig. Die Wände und Dächer können den heftigen Regenfällen nicht standhalten. Bis zu acht Personen schlafen in einem Raum, teilweise zu viert in einem Bett. (Foto: privat)

Familienbesuche

Die letzte Woche war die Schule für die Kinder allerdings geschlossen, da Familienbesuche auf dem Plan standen. Lehrerinnen und Lehrer, Organisatoren, Köchinnen und Freiwillige machten sich auf den Weg in die umliegenden Dörfer, in denen die Familien der Schüler wohnen. Was ich dort erlebt habe, war zwar interessant, aber überwiegend bedrückend. Die Zustände in den Häusern der Familien waren teilweise wirklich menschenunwürdig. Die Wände und Dächer können den heftigen Regenfällen nicht standhalten. Bis zu acht Personen schlafen in einem Raum, teilweise zu viert in einem Bett. Und die Toiletten kann man definitiv nicht als hygienisch bezeichnen.

Die Familien bestehen aus deutlich mehr Personen als in Antigua, geschweige denn in Deutschland. Bis zu zehn Kinder bekommen die Mütter, bevor sie sich sterilisieren lassen. Für den Unterhalt von so vielen Familienmitgliedern zu sorgen, sind die Eltern allerdings nicht annähernd im Stande. 30 bis 150 Euro verdienen die Familien im Schnitt monatlich. Die meisten Väter arbeiten als Handwerker oder im Baugewerbe, die Mütter bleiben entweder zu Hause oder verkaufen Tortillas. Dementsprechend werden auch die älteren Kinder damit beauftragt, den Familienunterhalt zu sichern. Einige Frauen haben angefangen zu weinen, als wir kamen. Eine hat eine körperlich behinderte Tochter, deren Medikamente 160 Euro kosten, was für die Familie alleine nicht zu bewältigen ist.

Aussichten

Ab Anfang Dezember ist die Schule einen Monat lang geschlossen, da haben die Kinder Ferien. In dieser Zeit werde ich in der Schokoladenfabrik meines Lieblingscafés arbeiten. Dort lerne ich den Prozess der Schokoladenherstellung und kann gleichzeitig mein Spanisch verbessern. Anschließend beginnt für die Kinder wieder richtiger Unterricht. Ich werde in einer Klasse der Lehrerin assistieren, außerdem kann ich einen Nachmittag in der Woche Basketballtraining geben.

Wird fortgesetzt …