„Gold“-Fisch bleibt oft karg und farblos

Hagen. (AnS) Kinderaugen sehen anders, Kinderohren empfinden anders: Ein Stück für die kleinen Zuschauer auf die Bühne zu bringen, ist nicht einfach und meist überaus anspruchsvoll. Das Theater Hagen feierte jetzt Premiere der Kinderoper „Gold“ – der ersten Aufführung sollen weitere Schulvorstellungen folgen.
Basierend auf dem Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ gibt es am Anfang gleich Geschenke und die Klarstellung, was arm und reich bedeutet: Für den Musiker (am Schlagwerk Heiko Schäfer) gibt es Klöppel, der Junge Jacob geht dagegen leer aus.
Anna-Doris Capitelli hat dabei die fast schier unlösbare Aufgabe übernommen, alle Rollen zu spielen: Sie singt, sie springt, sie lacht, sie weint, sie übernimmt Hintergrundgeräusche, mimt Jacob, seine Eltern und den Erzähler. Die Mezzo-Sopranistin meistert ihre Rolle bravourös, versteht es, stimmlich und mit guter Mimik Gefühle zu vermitteln. Unterstützt wird sie dabei vom Schlagwerk, das mit vielen verschiedenen Instrumenten positive wie negative Stimmungen zu erzeugen vermag.
Trotz der sehr guten Leistungen beider Darsteller hat das 60-Minuten-Stück erhebliche Längen und die ersten Kinder werden bereits nach kurzer Zeit unruhig. Die Übergänge zwischen den Rollen und den diversen Erzählebenen sind oft übergangslos und für die kleinen Zuschauer nicht sofort zu begreifen. Ein kleiner Kos-
tümwechsel wäre sicherlich hilfreich gewesen. Und auch das karge, fast düstere Bühnenbild, das unter anderem die immer größer werdenden Wünsche – vom Schuh bis zum Schloss – zwar kindgerecht mit Pappkarton und Seifenblasenbehältern, aber eher farblos darstellt, trägt dazu bei.
Der Fisch – eine graue Sockenpuppe mit Drahtgesicht – hat nur am Anfang und Ende einen kurzen greifbaren Auftritt und schwimmt ansonsten als Videoaufzeichnung im Hintergrundmeer seine Bahnen.

Zu erwachsen

Leider fehlen Mitmachaktionen, der eine oder andere kleine Zuschauer hätte sicher gerne lautstark beim Sturm und tobendem Meer geholfen. Und so bleibt das Stück von Regisseur Jan F. Eggers zu erwachsen und wenig kindlich – zumindest für diejenigen im Publikum unter zehn Jahren.
Trotz des Premieren-Applauses am Ende: Ob die doch sehr ernste Botschaft, dass Wünsche, die wahr werden, nicht unbedingt glücklich machen, bei den Kleinsten ankommt? Man mag es bezweifeln.