„Gott ist gastfreundlich“

Hagen. (anna) Seit 1984 leitet, lenkt und betreut das Pastorenehepaar Elke und Martin Schwerdtfeger die 4000-Seelen-Gemeinde der evangelischen Pauluskirche, die 2011 ihren 100. Geburtstag feiert. Dass diese Wehringhauser Kirchengemeinde ein besonderes reges Leben entwickelt hat, liegt nicht zuletzt auch an den vielen ehrenamtlichen Menschen, die sich für ihre Kirche gerne engagieren. Welche Religion die Menschen haben, die zu Paulus stoßen, spielt hier keine Rolle. „Gott ist für alle da“, ist Elke Schwerdtfegers Meinung.

Seit 1984 leitet, lenkt und betreut das Pastorenehepaar Elke und Martin Schwerdtfeger die 4000-Seelengemeinde der Pauluskirche, die 2011 ihren 100. Geburtstag feiert. Zusammen mit 350 ehrenamtlichen Helfern sorgen die Pastoren für ein reges Gemeindeleben. (Foto: Anna Linne)

Vor allem Kinder stehen bei Paulus im Mittelpunkt. Nicht nur in den drei kircheneigenen Kindergärten kümmert man sich liebevoll um die Kleinen, im Gemeindehaus sorgen Spielkreise, Bastelaktivitäten, ein Kinderchor, Kindergottesdienste und Kindertrödelmärkte für Kurzweil bei den Jüngsten.

Ökumenische Konzerte

Ökumenische Konzerte nach Weihnachten wurden bereits vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Vereinbart wurde, dass sich alle Musikgruppen der evangelischen Paulusgemeinde und der katholischen St. Michaelsgemeinde am zweiten Sonntag des neuen Jahres zu einem nachweihnachtlichen Konzert in einer der beiden Wehringhauser Kirchen treffen, um gemeinsam die Weihnachtszeit musikalisch ausklingen zu lassen. Neben festlicher Blechbläsermusik, gestaltet durch den Posaunenchor, kommen immer wieder traditionelle Choräle des Sankt-Michael-Kirchenchores sowie moderne Arrangements der „Mixed Michels“ zu Gehör. Weihnachtliche Gospelklänge präsentieren die „Paul‘s Good News“, das ist der Gospelchor der Paulusgemeinde.

Seit Anfang an ist ebenfalls der Flötenkreis mit alter Musik vertreten. Besonders erfreulich ist immer wieder der kräftige Gemeindegesang, der auch bei jedem Konzert erklingt. Diese Konzerte kommen ohne Eintrittsgelder aus. Am Ausgang werden allerdings immer Kollekten für die Jugendarbeit beider Gemeinden gesammelt. Das diesjährige Konzert findet am 9. Januar in der Pauluskirche statt.

Essen und Trinken in der Paulusgemeinde

In der Gemeinde wird gern und gut gegessen. Das ist inzwischen vielen Menschen im Stadtteil klar, vergeht doch kein Gemeindefest, keine Goldene Konfirmation und kein Gemeindemittagessen, ohne dass „Hobbykoch“ Herbert Terweiden seine Kochlöffel in Bewegung setzt. Selbst auf dem Wehringhauser Wochenmarkt gibt es zweimal jährlich Paulus-Erbsensuppe.

1994 war der erste „Ernteeinsatz“ mit einer überschaubaren Menge Chili con carne. Nach und nach wurden immer größere Mengen oder auch komplette Menüs zusammen gestellt.

Als besonderes Ereignis wird zum Beginn des Neuen Jahres das „Dinner for Paulus“ bereits zum 6. Male angeboten. 64 zahlende Gäste machen sich an einem Samstagabend über ein siebengängiges, über Stunden dauerndes Festmenü her.

Wie hieß es vor Jahren so schön im Gemeindebrief: „Männer können nicht kochen“? Von der Maggisuppe bis zum Menü ist das inzwischen keine Frage mehr.

Was geschieht in der Kirche?

An fast jedem Sonntag feiert die Paulusgemeinde zwei Gottesdienste: Um 9.30 Uhr einen Gottesdienst für Erwachsene und um 11 Uhr einen Kindergottesdienst. Beide Gottesdienste werden von gleich vielen Menschen besucht, deshalb spricht niemand mehr wie früher von einem „Hauptgottesdienst“.

„In früheren Zeiten ging es in unserer Kirche, wie in anderen Gotteshäusern auch, recht ernst zu“, erinnert sich Pastorin Elke Schwerdtfeger, „heute ist es, nicht nur durch die Kinder, oft sehr lebendig. Viele, die am Gottesdienst teilnehmen, begrüßen sich sehr herzlich und freuen sich über die Begegnungen mit den Anderen. Einige kommen schon eine halbe Stunde vor Beginn und freuen sich, miteinander schwatzen zu können.“

„Außer den Gottesdiensten finden unterschiedliche Konzerte in unserer Kirche statt sowie verschiedene Ausstellungen. Bei der ’Nacht der offenen Kirchen’ zu Pfingsten wird in unserer Kirche zwischen Gesängen und Gebeten auch gegessen. Familien- und Jugendgottesdienste nutzen den ganzen Raum unserer großen Kirche und beim Krippenspiel am Heiligen Abend ist sie bis auf den letzten Platz gefüllt. Außerdem feiert die griechisch-orthodoxe Gemeinde jedes Jahr ihr Osterfest bei uns, weil die Pauluskirche für mehr als 800 Menschen Platz bietet“, freut sich die Pastorin.

Feste und Feiern in der Paulusgemeinde

„Gott ist gastfreundlich und das versuchen wir weiter zu schenken!“, meint Elke Schwerdtfeger. „Ob Gemeindefest oder Trödelmarkt, Oldienacht, Silberne und Goldene Konfirmation, Tag des offenen Kirchgartens, Silvester oder die Kindersachenbörse: Immer wieder feiern Menschen gern rund um die Pauluskirche und im Gemeindehaus. Dabei ist die Gemeinde auch Gastgeberin für viele Menschen, die zwar nicht zur Gemeinde gehören, aber in Wehringhausen leben. Viele Feste sind auch beliebte Treffpunkte für Menschen, die Erinnerungen an die Paulusgemeinde haben, aber inzwischen weggezogen sind. Das freut die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Gastgeber und Gastgeberinnen. Und Gott sowieso!“

An jedem Freitag von 10 Uhr bis 12.30 Uhr verwandelt sich das Gemeindehaus in das „Café Paula“. Ehrenamtliche bereiten Frühstück und kochen liebevoll ein Mittagessen.Die Gäste freuen sich an deftiger Hausmannskost oder raffinierten Desserts. „Wenigstens einmal in der Woche kann ich mit anderen zusammen am Mittagstisch sitzen. Das ist schön!“, sagen viele Gäste. So strahlt das Café Paula ein Stück der Gastfreundschaft der Paulusgemeinde aus.

Kinder- und Jugendarbeit

In der Paulusgemeinde gibt es viele Angebote für Kinder und Jugendliche: Jugendfreizeiten, Kinder- und Jugendgottesdienste, Gemeindefahrten, Musikgruppen, Kinder- und Jugendgruppen, sowie Feste und feiern. Seit 2007 ist das Jugendzentrum „paulazzo“ in der Lange Straße 83a als offenes Angebot im Stadtteil dazugekommen. Neben den speziellen Programmen für Jugendliche gibt es auch immer wieder Aktivitäten bei denen Menschen verschiedener Altersgruppen sich treffen können. Dieses Miteinander schafft viele Kontakte zwischen den Generationen und ermöglicht Begegnungen im Stadtteil Wehringhausen/Kuhlerkamp.

„In dem Bistro werden den Jugendlichen nicht nur Freizeitaktivitäten geboten, sondern ihnen wird auch für 70 Cent ein komplettes warmes Essen geboten“, freut sich Jugendreferent Markus Wessel, der schon seit 20 Jahren in der Einrichtung arbeitet. „Wir helfen ferner bei den Hausaufgaben und bei Bewerbungen.“ Mit jährlich 10.000 Besuchern aller Nationen schreibt das „paulazzo“ bis heute eine richtige Erfolgsgeschichte.

Stiftung Pauluskirche

„Die Paulusgemeinde hat eine Stiftung für die Nutzung und Pflege der Pauluskirche gegründet“, berichtet Pastor Martin Schwerdtfeger. „Die Kirche wird im Jahr 2011 einhundert Jahre alt. Sie bietet mehr als 800 Menschen Platz und verfügt über eine gute Akustik. Der neobarocke Bau mit Jugendstilelementen hat eine Sandsteinfassade und der höchste der drei Türme ist schon am Anfang der Lange Straße gut sichtbar.“

Die Stiftung sammelt Geld, um Renovierungen finanzieren zu können. Sie fördert Veranstaltungen wie „die Nacht der offenen Kirchen“, Konzerte oder Ausstellungen. Über einmalige und regelmäßige Zustiftungen wächst das Stiftungsvermögen nachhaltig.

„Paulus und die Sonne“

Blau-schwarz schimmernde Glasplatten kann man auf dem Dach des Gemeindehauses Borsigstraße 11 sehen: Eine Photovoltaikanlage produziert dort seit 2001 Strom aus Sonnenenergie.

Schon lange ist es der Paulusgemeinde wichtig, für den Umweltschutz etwas zu tun. Auch in den Altbauten wurden Dachflächen gedämmt und die Heizungsanlagen verbessert. Die Grünflächen rund um die Kirche sind Lebensraum für Igel und Fledermäuse. Turmfalken und andere Vögel haben hier ein Zuhause.

2010 hat die Gemeinde mit dem kirchlichen Umweltmanagement „Der Grüne Hahn“ begonnen. Systematisch wird untersucht, welche Mengen Energie, Papier, Reinigungsmittel usw. verbraucht werden. Dann werden konkrete Schritte zur Energieeinsparung und zur Abfallvermeidung gemacht. So trägt die Gemeinde zur Bewahrung der Schöpfung bei und regt andere an, das eigene Leben umweltfreundlicher zu gestalten. Vorbildlich!