Griechenland im Blick

Hagen. (as) Die Welt schaut nach Griechenland. Stefanos Fraskos und Petros Tselios auch. Die beiden sind Hagener aus Leidenschaft. Sie sind Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der Griechischen Gemeinde Hagen. Der politische Umbruch in der „Heimat unserer Ahnen“, wie Petros Tselios formuliert, lässt sie nicht kalt.

Gespannt haben sie den Aufstieg des linken griechischen Flügelstürmers Alexis Tsipras und seiner Partei Syriza verfolgt. Des Mannes also, der sich nun ausgerechnet mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen zusammengetan hat, um eine neue Regierung zu bilden. Eine Regierung, zu deren ersten Amtshandlungen gehörte, die EU-Troika aus dem Land zu schmeißen und eine Umschuldung voranzutreiben. Die beiden Vorstandsmitglieder der Griechischen Gemeinde Hagen beobachten die Entwicklungen in Griechenland genau – mit durchaus gemischten Gefühlen.

Viel Hunger, kein Strom

„Es wurde Zeit, dass etwas geschah“, sagt Stefanos Fraskos. „Den Menschen in Griechenland ging es immer schlechter.“ Er weiß von Familien, die früher zum Mittelstand gehört haben und die nun nach monatelang nicht gezahlten Löhnen nachts verschämt durch die Straßen streifen und in Mülleimern nach weggeworfenen Lebensmitteln suchen. Er weiß von Kindern, die mit knurrendem Magen in die Schule gekommen sind, weil die Familie keinen Cent mehr für Brot übrig hatte. Er weiß von Zigtausenden, die im Dunkeln und in der Kälte gesessen haben. Nicht etwa, weil sie die Stromrechnung nicht bezahlt hatten. Sondern, weil die alte Regierung das europäische Spardiktat an die Menschen weitergegeben hatte. Hier eine zusätzliche Steuer, dort eine weitere Rechnung. Das Nichtzahlen einer Forderung, ob berechtigt oder unberechtigt, wurde mit gesperrten Stromleitungen geahndet.

Aufstand der kleinen Leute

„Die Menschen haben immer mehr gelitten“, sagt Petros Tselios. „Die Selbstmordrate ist nach oben geschossen.“ Seine Erkenntnis: Unten haben die Menschen ums nackte Überleben gekämpft, aber oben in der Schaltzentrale der Macht wurde weitergewurstelt, als gäbe es keine Sparverpflichtungen. „Glauben Sie, dass irgendein Politiker oder ein Wirtschaftsboss den Gürtel enger geschnallt hat?“, fragt Stefanos Fraskos. – Eine rhetorische Frage.

„Es hat einfach etwas geschehen müssen“, sagt Petros Tselios. „Sonst wäre es über kurz oder lang zum Bürgerkrieg gekommen – zum Aufstand der kleinen Leute.“ Ob die Griechen mit Alexis Tsipras die richtige Wahl getroffen haben? Die beiden Vorstandsmitglieder der Griechischen Gemeinde Hagen zucken mit den Schultern. „Viele Griechen sind davon selbst nicht überzeugt“, sagt Petros Tselios. „Es war auch eine Protestwahl. Die Griechen wollten ihr Zwei-Parteien-System abwählen.“

„Die Geschichte wird uns lehren“

Und hat nun Alexis Tsipras und Syriza bekommen. Ist es richtig, hochkarätige europäische Politiker und EU-Sparkommissare zu brüskieren? Ist es in Ordnung, mit dem russischen Präsidenten Putin als möglichem Geldgeber zu flirten? Stefanos Fraskos muss schlucken: „Wir können es nicht wissen“, sagt er. „In die Zukunft schauen kann niemand. Aber irgendwann wird uns die Geschichte lehren, ob Griechenland und die Griechen mit der Wahl den richtigen Weg eingeschlagen haben.“

Wichtig ist den beiden Hagenern nur eins: „Den Menschen in Griechenland soll es wieder besser gehen.“ Wie der Ministerpräsident, der dieses Ziel erreicht, auch immer heißt, ist Petros Tselios und Stefanos Fraskos eigentlich wurst.