„Grimm trifft Grimm“ – Ein märchenhaftes Comeback

Gestatten? Grimm. Michael Grimm, hier in der Rolle seiner vor zweihundert Jahren märchensammelnden Vorfahren Jacob und Wilhelm Grimm, den berühmten „Gebrüdern“. (Foto: Sina Weber)

Von Claudia Eckhoff

Hagen. Es ist ein „Comeback“ der Extra-Klasse: Zweihundert Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes der von ihren Vorfahren Jacob und Wilhelm Grimm gesammelten berühmten Kinder- und Hausmärchen 1812 haben die Gebrüder Grimm der Jetztzeit im Ton-Studio soeben einen höchst gelungenen Bogen zu ihren Ahnen geschlagen. Was sich dahinter verbirgt, klingt fast wie ein Märchen mit vielen Zutaten aus unserer Region.

Gestatten? Grimm. Markus Grimm. Die perfekte historische Kulisse für das Foto-Shooting fand das PR-Team „vor der Haustür“: Auf Schloss Hohenlimburg. (Foto: Sina Weber)

Da treffen vor Jahren zwei Berufsmusiker aufeinander, die den gleichen Nachnamen tragen und einen berühmten noch dazu: Grimm. Michael heißt der ältere. Er stammt aus Letmathe. Markus heißt der Jüngere, dessen Wiege in Hanau stand. Sie arbeiten zusammen, treten gemeinsam auf, ziehen verschiedene Projekte durch. Der gemeinsame Familienname bietet immer wieder Gesprächsstoff. Sie gehen dem Zufall nach und entdecken Erstaunliches: Beide sind sie tatsächlich Nachfahren der berühmten Gebrüder Grimm, die als Sammler und Herausgeber der deutschsprachigen Märchen zu Ruhm und Ehren kamen.

Ein Grimm aus Letmathe

Der Letmather Musiker, Komponist und Produzent Michael Grimm tourte jahrelang als Bassist und Sänger mit der Hagener Rock-Legende Extrabreit durch die Lande. Heute führt er zusammen mit Stefan Breuer die Produktionsfirma Kico Media mit Sitz in Schwerte. Er produziert Liederalben etwa mit der „Kiddys Corner Band“ und macht Hörspielumsetzungen wie von „Lauras Stern“ oder „Peterson und Findus“. Live ist er seit 30 Jahren mit seiner Band „Halber Liter“ unterwegs.

„Die Grimms vor zweihundert Jahren waren eine Großfamilie mit sechs Jungens und einem Mädchen“, sagt der 48-Jährige. „Ich stamme von der Ludwig-Emil-Grimm-Linie ab. Das war der Maler-Bruder. Schon die zweite Auflage der Märchensammlung war mit Illustrationen von Ludwig-Emil geschmückt.“

Schneeweißchen, Rosenrot und der kleine Bär

Tradition mit dem Pinsel: Unter Michael Grimms Verwandtschaft finden sich noch über Generationen Stukkateure oder „Weichbinder“, wie man die Anstreicher früher nannte.

Michael Grimm selbst war zu Hause der Jüngste von Dreien: „Meine älteren Schwestern haben mir am liebsten das Märchen von ,Schneeweißchen und Rosenrot‘ vorgelesen. Ich fühlte mich dann immer wie der Bär. Auch ,Brüderchen und Schwesterchen‘ habe ich geliebt. Wir hatten damals die Hörspiel-Singleplatten, und ich konnte gar nicht genug davon bekommen.“

Das ist kein Zufall: Markus (li.) und Michael Grimm sind tatsächlich mit den Gebrüdern Grimm verwandt. Gemeinsam haben sie eine Doppel-CD mit den beliebtesten Märchen ihrer Vorfahren geschaffen. Dabei würzen sie die historischen Texte mit einem Hauch Neuzeit und viel Musik. (Foto: Sina Weber)

Ein Grimm aus Hanau

Der Universal-Künstler Markus Grimm stand schon als Kind auf der Bühne. Der Sänger, Autor, Texter, Songwriter, Schauspieler und Medienredakteur hat eine eigene Band mit dem bezeichnenden Namen „GR;MM“.

„Ich stamme tatsächlich in direkter Folge von der Jakob-Grimm-Linie ab“, sagt der 33-Jährige, der sogar noch ein Brief-Dokument besitzt, das sein Vorfahr Wilhelm 1840 verfasste. „Als Kind war mein Lieblingsmärchen ganz klassisch das von Hänsel und Gretel“, sagt er.

Im Januar 2012 meldete sich die Produktionsfirma „Universal“ bei den beiden Neuzeit-Grimms. Man habe da anlässlich des zweihundertjährigen Grimm-Jubiläums etwas Großes geplant und ob es die beiden nicht jucken könnte, daran mitzuwirken?

CD „Grimm trifft Grimm“

Und ob! Entstanden ist eine Doppel-CD unter dem Titel „Die Geschichtensammler. Grimm trifft Grimm“. Michael und Markus Grimm lesen darauf zwölf der bekanntesten Grimm‘schen Märchen mit musikalischer Untermalung. Sie übernehmen in den inszenierten Lesungen alle Stimmen von der Königin bis hin zu Frosch, Geißlein und Wolf. Der Neuzeit zollen sie dabei hier und da Tribut mit eingeschobenen Pop-Refrains. Den einleitenden Song „Der Geschichtensammler“ haben die heutigen Grimms selbst geschrieben. Darin besingen sie, wie die beiden Märchensammler von einst zu ihren Sammelstücken kamen.

Bühnenstart im Werkhof

In Zusammenarbeit mit der Schwerter Regisseurin Sina Weber entstand daraus ein Theaterstück. Mit historischen Gewändern angetan, wollen Michael und Markus Grimm in die Rollen von Jacob und Wilhelm Grimm schlüpfen und inmitten eines überdimensionalen Märchenbuches als Bühnenbild die beiden Märchensammler, ihr Schaffen und ihre Werke lebendig werden lassen.

Die Tournee startet am 5. Januar  2013 im Werkhof Hohenlimburg.

„Ich freu mir richtig ein Loch in den Bauch: Das Interesse ist so riesengroß“, sagt Michael Grimm, der die Interviewanfragen kaum noch im Zaum halten kann. Am 3. Advent, Sonntag, 16. Dezember 2012, sind die Grimms mit „Hänsel und Gretel“ vor voraussichtlich sechs Millionen Zuschauern live in der ZDF-Adventsshow zu sehen. Die Doppel-CD „Grimm trifft Grimm“ ist bereits jetzt überall im Handel erhältlich. Die Deutsche Bundesbahn hat sie in ihren ICEs schon ins Hörbuchprogramm aufgenommen.

Mehr zum Thema: www.grimm-trifft-grimm.de