„Großbaustelle“ Museum

Von Nina Heindl

Hagen. Was passiert im Museum eigentlich zwischen zwei Ausstellungen? Als Besucher bekommt man nur mit, dass Bereiche der Ausstellungsräume gesperrt sind. Ich möchte aber gerne einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen! Melanie Redlberger, zuständig für Presse und Öffentlichkeit im Osthaus-Museum, freut sich über meine Anfrage.

Die expressionistischen Gemälde hängen bereits wieder an Ort und Stelle, nur noch die Beschilderung fehlt und eine abschließende Aufräumaktion stehen in diesem Raum an. (Foto: Nina Heindl)

Das Museum auf den Kopf gestellt

Das Osthaus-Museum befindet sich im Moment in einer besonderen Umbauphase, in der das gesamte Museum geschlossen bleibt. Der Grund hierfür ist der Abbau der Ausstellung zum Folkwang-Impuls und der Aufbau drei neuer Sonderausstellungen, mit denen am Samstag, 26. Januar, um 16 Uhr wieder die Türen geöffnet werden. „Für die letzte Ausstellung haben wir das gesamte Museum auf den Kopf gestellt – die expressionistischen Werke wurden in den Anbau der 1970er Jahre gebracht, das muss nun wieder umgehängt werden“, erklärt Museumsdirektor Tayfun Belgin. Darüber hinaus müssen in der Umbauphase Leihgaben abtransportiert und die Werke der neuen Ausstellungen gehängt werden. Ein recht umfängliches Projekt für nicht einmal zwei Wochen ungestörte Arbeitszeit.

Abtransport

Im Neubau fallen sofort die leeren Wände, die vielen Kartons und an die Wände gelehnte Gemälde auf. Soo kahl an den Wänden und vollgestellt wie bei einem großen Wohnungsumzug bekommt man das Museum nur selten zu Gesicht. Im Nebenraum rollt gerade Restauratorin Silke Zeich vom Essener Folkwang-Museum gemeinsam mit zwei Mitarbeitern einer Kunsttransport-Firma einen Orientteppich ein, der bei der letzten Ausstellung gezeigt wurde. „Der Teppich wird möglichst ohne Faltenwürfe auf eine säurefreie Rolle aufgezogen“, erläutert Silke Zeich. Nachdem der Teppich verstaut ist, hat sie sich mit den beiden Kunsttransporteure eine kurze Kaffeepause verdient. Danach geht es dann mit dem Lkw und der gut gesicherten Ladung auf direktem Wege nach Essen und Silke Zeich bleibt bis zum Auspacken im Museum bei ihrer wertvollen Fracht.

Später wird noch das Putztuch geschwungen: Birgit Schulte baut schon einmal die silberne Teekanne und das dazugehörige Stövchen von Henry van de Velde für die Sonderausstellung zusammen. (Foto: Nina Heindl)

Silber putzen

Eine Etage höher gibt es noch mehr zu entdecken: Dort steht kostbares Silber auf weißen Podesten quer im Raum verteilt. Die Stücke kommen aus dem Hohenhof und gehören zur Ausstellung „Henry van de Velde at home“, die von Birgit Schulte, der stellvertretenden Direktorin des Osthaus-Museums, ausgerichtet wird. „Das Silber ist teilweise stark angelaufen. Ich werde gleich geeignete Tücher kaufen und die Stücke vorsichtig putzen müssen“, gibt Birgit Schulte Auskunft über die weiteren Schritte.

300 bis 400 Löcher

Die Museumstechniker machen nun Mittagspause, und schlagartig wird es still im großen Museumstrakt. Nur einer arbeitet unbeirrt weiter: Salvatore Ferrigno summt leise vor sich hin, während er die Löcher der leeren Wände verspachtelt. „Wollen Sie nicht auch Mittagspause machen?“ frage ich ihn. Er schaut nur kurz auf und erwidert trocken: „Gerade habe ich Ruhe, da mache ich noch die restlichen Löcher. Dann muss es sowieso erst einmal trocknen, bevor ich streichen kann.“ Diese Ausstellung ist seine letzte, erzählt er mir, dann geht er in Rente. Bis dahin hat er allein bei dieser Umbauphase 300 bis 400 Löcher unsichtbar gemacht und an noch vielen anderen Ecken und Enden beim reibungslosen Ablauf mitgeholfen.

Sehr viele Eindrücke prasseln an diesem Tag auf mich ein und ich muss erst einmal meine Gedanken sortieren. Da kommt es mir gerade recht, dass Melanie Redlberger mir anbietet, am morgigen Tag nochmals wiederkommen zu können. Was am zweiten Tag noch an spannenden Einblicken auf mich wartet, wird im zweiten Teil der Reportage am kommenden Samstag zu lesen sein.