„Große Bereicherung“: Hospiz-Mitarbeiterin berichtet

Hagen. (Red./san) Seit etlichen Jahren engagieren sich Ehrenamtliche im Hospiz-Dienst. Sie begleiten schwersterkrankte Menschen und deren Familie auf dem letzten Abschnitt ihres Lebens. Petra P. ist eine von ihnen. Sie gibt Einblick in ihr Tun – und beschreibt das Geben und Nehmen, das sich in einer solchen Begleitung entwickelt:

„Meine Name ist Petra, ich bin verheiratet und Mutter einer fast 17 Jahre alten Tochter. Geboren bin ich 1969, was erwähnenswert ist, da die Frau, die ich begleiten durfte und von der ich berichten werde, in meinem Alter war. Das Vorbereitungsseminar zur Sterbebegleitung belegte ich 2008 und Ende des Jahres 2010 hatte ich eine für mich sehr beeindruckende Begleitung.

Susanne hatte einen Tumor im Bauch. Sie saß hauptsächlich im Bett, da ihr das Liegen sehr schwer fiel. Ich wusste, dass sie jemanden zum offenen Reden brauchte, da es ihr unmöglich erschien, ihrer Familie gegenüber Dinge wie ’wenn ich tot bin’ oder ’wenn ich sterbe’ zu sagen. Dafür sollte ich zuständig sein. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt erst eine Begleitung, die aber auf einer ganz anderen, nicht so persönlichen Ebene verlief.

Ähnliche Interessen

Wir stellten schnell fest, dass wir sehr ähnliche Interessen hatten und uns sehr gut verstanden. Ich habe die Besuche als eine große Bereicherung empfunden. Sie war eine patente, mit beiden Beinen fest im Leben stehende Frau, die klare Vorstellungen vom Leben und auch vom Sterben hatte. Unsere Gespräche waren tiefgründig, ironisch, humorvoll, traurig und lustig. Wir konnten wunderbar zusammen über alles Mögliche philosophieren.

Ich wurde sehr verwöhnt. Ich besuchte Susanne stets unmittelbar im Anschluss an meine Arbeit. Einmal erwähnte ich, dass ich nach Feierabend sehr gerne einen Kaffee trinke. Fortan war jedes Mal der Kaffeeautomat für mich vorbereitet und es gab eine kleine Schale mit Süßem. Dieses arrangierte ihr Mann für mich. Irgendwann bat mich Susanne, ihr auch einen Kaffee zu machen. Dazu muss ich sagen, dass sie künstlich ernährt wurde und nur noch kleine Schlucke eiskaltes Wasser zu sich nahm. Sie sagte mir, dass es für sie dazu gehöre, mit netten Menschen zur Gemütlichkeit und zum Plaudern einen Kaffee zu trinken, was in ihrer Situation so aussah, dass sie ungefähr zweimal an dem Kaffee nippte und ihn dann stehen lassen musste. Ich empfand diese Geste als große Auszeichnung.

Letzter Wunsch

Einer ihrer letzten Herzenswünsche war ein Besuch des Hagener Weihnachtsmarktes. Die Umsetzung dieses Vorhabens gestaltete sich nicht so einfach, da die medizinische Versorgung unterbrochen werden musste. Das Palliativteam organisierte den Ausflug und wir – Susanne mit Ehemann, zwei Palliativschwestern und ich – verbrachten eine schöne und intensive, wenn auch recht kurze Zeit zwischen den vielen Buden. Noch heute denke ich an den Ausflug, zum Beispiel immer wenn ich an Verkaufsständen mit Duftölen vorbeigehe. Auslöser hierfür ist der Umstand, dass Susanne bei unserem Weihnachtsmarktbesuch mit Begeisterung einige Duftöle kaufte.

Am 27. Dezember 2012 besuchte ich sie und schenkte ihr eine Duftkerze, eine Vorliebe von uns beiden. Ich sagte ihr, dass ich auch so eine hätte und dass wir sie Silvester anzünden und an uns denken könnten. Sie freute sich riesig und sagte dann: ’Na ja, das werde ich wohl nicht mehr erleben.’ Sie verstarb tatsächlich in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember.

Freundinnen

Susanne studierte im Fernstudium Psychologie. Dieses war auch ein großes Thema zwischen uns, weil sie mit ihrem Mann darüber nicht so detailliert reden konnte. Er schenkte mir die gesamten Unterlagen zum Studium, weil er der Meinung war, dass sie bei mir gut aufgehoben sind und dieses in ihrem Interesse gewesen wäre, da ich ja mit dem Gedanken spielen würde, auch ein Heimstudium zu beginnen.

Er erzählte mir, dass Susanne mal zu ihm sagte, dass wir bestimmt Freundinnen geworden wären, wenn wir uns unter anderen Umständen kennengelernt hätten. Ich empfand genauso und hatte dieses meiner Familie und meinen Freunden bereits während meiner begleitenden Zeit erzählt.

Ich denke noch immer sehr häufig an diese für mich bemerkenswerte Frau und bin dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte.“

Im Ambulanten Hospiz und im Kinderhospizdienst Sternentreppe beginnt am 29. Januar 2013 ein Qualifizierungskurs für die ehrenamtliche Mitarbeit. Nach einem gemeinsamen Grundkurs zur Thematik Tod/Sterben und Trauer, können sich die Teilnehmer entscheiden, ob sie lieber im Kinder- oder im Erwachsenenhospizbereich arbeiten möchten und absolvieren dann für diesen Bereich im zweiten Teil des Kurses einen Vertiefungsteil.

Ein Vorgespräch und eine Anmeldung sind erforderlich, der Kursus findet immer dienstags in der Zeit von 17 bis 19.30 Uhr in der Finkenkampstraße 5 statt und geht bis zu den Sommerferien.

Geleitet wird der Kursus von Antje Sendzik und Hans-Peter Osterkamp. Nach Beendigung des Kurses erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, eine regelmäßige Teilnahme ist erforderlich. Informationen und Anmeldung: Antje Sendzik, Tel.: 02331 / 803918-0.