Große Jubelfeiern

Hagen. (tau) Was stand bei den Hagenern am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ abermals mit einem Blick in die Wochen vor genau hundert Jahren fort.

Es berichtet wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach:

Vergnügen und Unterhaltung konnten sich die Hagener im Juli 1914 bei Jubiläumsfeiern verschaffen.

Den Anfang machte der Hagener Kriegerverein, der sein 90-jähriges Bestehen mit einer großen dreitägigen Jubelfeier von Samstag, 11. Juli, bis Montag, 13. Juli, beging. Sie bestand aus Festzügen, Parade, Militärkonzerten, Festball und weiteren Veranstaltungen. Als Festplatz diente die Springe mit den zu diesem Zweck dort noch stehen gebliebenen Bauten der gerade beendeten Gewerbeausstellung.

Etwa 40 örtliche und auswärtige Vereine beteiligten sich an der Feier, deren Beginn am Samstagmorgen um 8 Uhr nach altem Brauch Kanonenschüsse ankündigten. Eine Viertelstunde später versammelten sich die Mitglieder des Hagener Kriegervereins und der eingeladenen Vereine vor dem Vereinslokal, der „Tonhalle“ am Markt, zum Zapfenstreich und anschließendem Festzug durch die Stadt. Danach folgte ein großer Kommers im Festzelt auf der Springe, bei dem die Gäste durch Liedvorträge des Hagener M.G.V. „Eichenkranz“ und Turnvorführungen des örtlichen Turnvereins „Jahn“ unterhalten wurden.

Am Montag nachmittag waren auch die Waisenkinder der Stadt Hagen eingeladen worden, die auf Kosten des Vereins bewirtet wurden und zum Beispiel kostenlos Karussell fahren durften. Den Tag wie auch die Jubelfeier beschloss ein um 8 Uhr abends beginnender Festball.

Schützen feierten vier Tage lang

Sogar vier Tage, von Freitag, 10. Juli, bis Montag, 13. Juli, dauerte das kombinierte Jubiläums-, Schützen- und Volksfest, das der Altenhagener Schützenverein aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens auf der (Fest-)Wiese von Heinrich Refflinghaus an der Hermannstraße in Altenhagen abhielt. Ebenfalls sein 25-jähriges Jubiläum feierte unter Mitwirkung der örtlichen Gesangvereine „Sängerbund“, „Eintracht“, „Glocke“, Liederstrauß“, des „Quartett-Vereins Wehringhausen“ sowie des M.G.V. Herbeck am Samstag, 11. Juli, abends ab 8.30 Uhr der Hagener Gesangverein „Westfalia“ mit einem Festkommers im Vereinslokal, der Wirtschaft von Fritz Simon in der Langestraße, und am folgenden Sonntag nachmittags mit einem Festzug vom Vereinslokal zum Germaniasaal in Wehringhausen. Dort gab es anschließend ein Konzert und abends einen Großen Ball.

Vier Tage später, am Donnerstag, 16. Juli, fand ebenfalls im Germaniasaal das 79. Stiftungsfest des Hebammenvereins für den Stadt- und Landkreis Hagen statt, zusammen mit dem 40-jährigen Dienstjubiläum der Berufskollegin Witwe Lina Eicken. Auch hier gehörten Konzert und ein Ball zum Festprogramm. Am Schluss der am 11. Juli im „Westfälischen Tageblatt“ erschienenen Einladung zu dieser Feier heißt es jedoch: „Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt“.

Regenpleite

Aus Anlass seiner Gründung vor 20 Jahren führte der Schwimmverein Hagen am Sonntag, 12. Juli, ab 3 Uhr nachmittags in dem neu eröffneten Freibad in Gevelsberg Herren-, Damen- und Jugend-Schwimmwettkämpfe unter Mitgliedern der Deutschen Schwimmerschaft durch. Wiederholt fielen aber die schönen Pläne für Veranstaltungen im Freien in Hagen im Juli 1914 buchstäblich ins Wasser. So mussten wegen Regens die für Dienstag, 21. Juli, nachmittags in Eilpe, Wehringhausen und Altenhagen vorgesehenen Promenadenkonzerte des Städtischen Orchesters ebenso ausfallen wie das Konzert am Donnerstag, 23. Juli, nachmittags um 4 Uhr am Neumarkt. Sie waren im Rahmen der vom 20. bis 23. Juli dauernden Hagener Festwoche geplant gewesen.

Dasselbe Schicksal erlitt aus diesen Wettergründen auch das von der Wehringhauser Turnerschaft für Sonntag, 26. Juli, nachmittags um 4 Uhr auf dem Sportplatz oberhalb der Gaststätte „Waldlust“ angekündigte Schauturnen.

Bundesfest des Sängerbundes

Ein weiteres Großereignis, das in Hagen im Juli 1914 für Unterhaltung sorgte, war das 2. Bundesfest des Westfälischen Provinzial-Sängerbunds. Es fand von Sonntag, 19. Juli, bis Montag, 20. Juli, auf der Springe und in den dortigen und auch dafür ebenfalls noch stehen gebliebenen Bauten der Gewerbeausstellung statt.

Forsetzung folgt.

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