Auf die neue Blätterhöhlen-Ausstellung in Werdringen mitsamt ihren bedeutenden Funden freuen sich (v.l.): Hubert Köhler (Geschichtsfreunde Hagen), Margarita Kaufmann (Kulturdezernentin), Frank Walter (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hagen/Herdecke) und Wolfgang Röspel (Kuratorium der Sparkassenstiftung). (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) Gravierende Veränderungen des Klimas hat es bereits am Ende der Altsteinzeit gegeben. Und auch die Zuwanderung (Migration) ist kein neues Phänomen. Das beweisen einzigartige Funde aus dem Lennetal. Sie sollen demnächst in einer Dauerausstellung im Vorhaller Wasserschloss Werdringen präsentiert werden.

In der berühmten Holthauser Blätterhöhle, einem der bedeutendsten Steinzeit-Fundplätze Westdeutschlands, und auf ihrem Vorplatz lief im August und September des vergangenen Jahres die 10. Grabungskampagne ab.

Bei dieser Grabung drangen Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-­Lippe (LWL) und ihre Kooperationspartner – unterstützt von Studentinnen und Studenten – tiefer in die Schichten aus der letzten Eiszeit vor über 11.000 Jahren vor. Ziel war es, den Übergang von der Alt- zur Mittelsteinzeit näher zu erforschen.

In Nordwest­europa gehört die Blätterhöhle zu den wenigen Plätzen, die diesen Übergang vor Augen führen. Die Jäger, die hier – auf dem Vorplatz der Höhle – seinerzeit kampierten, waren sicherlich „Migranten“; sie folgten vielleicht Rentierherden durch das Lennetal gen Norden. Auch der seinerzeitige Fischreichtum der Lenne scheint „anziehend“ gewirkt zu haben. Der Vorplatz der Blätterhöhle bot jedenfalls gute Voraussetzungen für ein „Jagd-Lager“, denn damals gab es hier einen Felsüberhang, der optimal Schutz bot.

Sonderlich viel weiß man über diese Zeit nicht. „Was wir aber wissen, ist“, so Dr. Michael Baales, Chef der LWL-Archäo­logie-Außenstelle in Olpe und Professor an der Ruhr-Universität Bochum, „dass es am Ende der letzten Eiszeit zu dramatischen Klima- und Umweltveränderungen kam – mit einem drastischen Wandel der Lebensverhältnisse.“

Schon im Jahr 2016 fanden die „Ausgräber“ überregional bedeutende Siedlungsspuren aus der Spätphase der letzten Eiszeit. Die Funde konnten 2017 ergänzt werden um weitere Werkzeuge aus Feuerstein und Kieselschiefer. Dazu zählen Pfeilspitzen, ein Kratzer zur Fellbearbeitung sowie ein Stichel zur Bearbeitung von Geweih und Knochen.

Besser verstehen

Die Forschungen in der Blätterhöhle und auf dem Vorplatz wurden 2006 gestartet und dann fast jährlich fortgesetzt. Prof. Michael Baales koordiniert inzwischen die Ausgrabungen. Dabei arbeitet er eng mit dem langjährigen Forschungsleiter Jörg Orschiedt zusammen.

„Steinwerkzeuge, Tierknochen oder Holzkohlen sind für uns wichtige Quellen“, erläutert Wolfgang Heuschen, der wahrscheinlich auch im kommenden Sommer wieder als Grabungsleiter bei der 11. Kampagne vor Ort sein wird. „Sie ermöglichen uns, Umwelt und Lebensweise der Jäger und Sammler am Ende der letzten Kaltzeit besser zu verstehen.“

Knochenfunde

Im Inneren der engen Höhle stießen die Archäologen sogar auf „neue“ Menschenknochen. „Diese Knochenfunde und die Abfolge der Erdschichten haben unsere Kenntnis von den Bestattungen in der Jung- und Mittelsteinzeit enorm erweitert“, sagt Dr. Jörg Orschiedt von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Auch Tierknochen kamen zutage. Darüber hinaus fanden die Forscher einige Pfeilspitzen (Mikrolithen) aus der Mittelsteinzeit.

Ausstellung

All‘ diese wissenschaftlichen Kostbarkeiten sehen zu können, ist natürlich der Wunsch aller Hagener, die sich für die heimische Geschichte interessieren. Gebündelt werden diese Bestrebungen im noch jungen Verein „Geschichtsfreunde Hagen“. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen sollen die Funde im Vorhaller „Museum Wasserschloss Werdringen“ ab 2019 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Möglich wird dies durch Umnutzung eines bisherigen Speicherraums.

Um dies jedoch der Bedeutung angemessen und insbesondere für junge Leute attraktiv gestalten zu können, sind erhebliche personelle, aber auch finanzielle Anstrengungen notwendig. Glücklicherweise fand der Verein in der Hagener Sparkassenstiftung einen weiteren Partner, der das Ausstellungsprojekt „Hagen in der Mittel- und Jungsteinzeit“ unterstützt – mit einer Spende in Höhe von 15.000 Euro.

„Die Sparkassenstiftung begleitet dieses Projekt sehr gerne, da insbesondere die Geschichtsvermittlung für junge Menschen im Fokus steht“, so Wolfgang Röspel, Vorsitzender des Stiftungs-Kuratoriums. Frank Walter, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hagen/Herdecke, ist überzeugt: „Die Fundstücke an sich, aber auch die Art und Weise der Darstellung werden große Beachtung finden.

Fragen zur Stiftung beantwortet Thorsten Irmer per E-Mail an stiftung@skhahe.de.