Grundschüler spenden für Kinderdorf in Brasilien

Brasilianische Kinder haben es oft schwer in ihrer Heimat: Das Kinderdorf gibt deshalb ein Zuhause, Bildung und Liebe für die, die sonst auf der Straße leben müssen. (Foto: Privat)

Hagen. (ric) Soziales Engagement, Hilfe für Menschen in Not und Verantwortung spielen besonders in der vorweihnachtlichen Zeit eine wichtige Rolle. Für die Schüler an der Grundschule Geweke ist die soziale Verantwortung jedoch das ganze Jahr über ein wichtiges Thema – und das bereits seit Ende der 80er Jahre. Seitdem unterstützt die Schule nämlich den Oberhausener Verein Kinderdorf Rio“.

Kinder leben auf den Straßen

In Brasilien gibt es etwa 70 Millionen Menschen, die in normalen bis sehr guten Verhältnissen leben“, weiß Schulrektor Karl-Heinz Langer. Dagegen stehen aber 130 Millionen Menschen mit größter Armut.“ Der Rektor wollte sich selbst von den Lebensbedingungen und der Verwendung der Spenden überzeugen und flog somit für 14 Tage nach Rio. Die Reise war emotional grenzwertig“, sagt er. Neben dem Tourismus, schicken Hotels und überwachten Universitäten existiert der bedürftige Teil der Gesellschaft nahezu unbeachtet. Kinder schlafen draußen auf Pappkartons, sie haben kein Haus, keine Spielsachen, keine finanziellen Mittel“, erklärt Langer, der sich aktiv im Verein betätigt. Das Leben der Kinder geht zwangsläufig in die Kriminalität. Sie haben keine eigenen Möglichkeiten, keine Bildung, kein Zuhause.“

Hilfen sind wichtig

Aktive Hilfe ist also dringend nötig. In den Klassenräumen der Geweker Schule stehen Spendendosen, in die die Kinder etwas Geld werfen können. Und wenn Milch und Kakao übrig bleiben, weil einer der Schüler nicht zum Unterricht kommt, kann ein anderes Kind gegen eine Spende das Getränk bekommen. Auf diese Weise sammeln wir zwischen 600 und 1000 Euro im Jahr“, freut sich der Direktor über das Engagement an seiner Schule. Außerdem werden Spenden durch Sponsorenläufe, Gottesdienste und Aktionen wie Martinsumzüge gesammelt. So ist es den Schülern möglich, ihr Patenprojekt in Brasilien regelmäßig mit finanziellen Mitteln zu unterstützen.

Es ist jedoch nicht nur das Geld, das zählt. Bei meiner Reise haben mir die Kinder viel mitgegeben“, erzählt der Rektor. Unmengen an Büchern, Kleidungsstücken und verschiedensten Spielsachen wurden zusammen getragen und auch die Fluggesellschaft machte mit: Wir durften ausnahmsweise die doppelte Menge an Gepäck mitnehmen.“

Die Spenden kommen direkt in den Kinderdörfern an. Hier können die Kinder in familiärer Umgebung aufwachsen. Pro Haus und Ehepaar wird die Pflege und Erziehung für zwölf Mädchen und Jungen übernommen. Die Kinder leben nicht länger auf der Straße und haben endlich ein Zuhause. Sie bekommen Kleidung, Nahrung, Bildung – und Liebe und Schutz durch die Familie. Das Kinderdorf bedeutet für die Kinder einen Weg hinaus aus der Kriminalität und hinein in ein schöneres Leben.

Im Dorf gibt es Schulen, Gemeinschaftshäuser und Kinderstätten. Die Kitas sind allerdings nicht mit deutschen bzw. europäischen Verhältnissen zu vergleichen“, stellt Langer dar. Es gibt zu wenig Personal für zu viele Kinder. Es muss noch viel getan werden, damit die Kinder in diesem Land eine reelle Chance auf ein schönes Leben bekommen.“

Die Grundschüler aus der Geweke wissen genau, wie die Situation in Brasilien aussieht. Regelmäßig und ganz offen besprechen sie mit ihren Lehrern die Notwendigkeit ihres Einsatzes. Im Eingangsbereich der Schule hängt ein großes Plakat, auf dem Bilder der Reise nach Rio aufgeklebt sind. Über diese Reise wird es auch extra einen Vortrag geben: Am Dienstag, 7. Dezember, wird der Schulleiter ab 20 Uhr in einem Diavortrag über seine Reise berichten. Der Eintritt ist frei, eine freiwillige Spende ist aber erwünscht.