Grundschülern Perspektive aufzeigen: „WortSchatz“: Sprache ist der Schlüssel zur Bildung

Spielerisch lernen Hagener Grundschulkinder die deutsche Sprache. (Foto: „WortSchatz“)

Hagen. (AnS) Nael ist acht Jahre alt und besucht die zweite Klasse einer Grundschule. Die Buchstaben hinter einander zu bringen, zu einem Wort zu formen und vorzulesen – das fällt ihm schwer. Der syrische Junge ist noch nicht lange in Deutschland, aber auch das deutsche Mädchen Mira hat enorme Probleme, kleine Texte fehlerfrei zu lesen. Die Sprache zu begreifen – ein Missstand, den immer mehr Kinder haben. Die Initiative „WortSchatz“ will hier helfen. Die Hagener Ursula und Rudolf Matzke haben das Unternehmen 2016 gegründet und unterstützen mit fünf Ehrenamtlern und einer Sozialpädagogin dort, wo Worte fehlen. „Jedes Kind sollte, unabhängig von seiner Herkunft und dem Bildungshintergrund seiner Eltern, die Chance auf eine Zukunft mit Perspektive haben. Der Schlüssel hierzu ist Bildung. Bildung be­ginnt mit der Beherrschung der deutschen Sprache“, erläutern Jürgen Eigenbrodt und Viola Schmidt-Werthmann die Ziele von „WortSchatz“, die in Kooperation mit der Stiftung Fairchance tätig ist. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund liegen ihnen am Herzen. „Die Flüchtlingswelle birgt so viele Integrationsmöglichkeiten.“

Eltern teilhaben lassen

Vier Hagener Grundschulen – die Emil-Schumacher-Grundschule ist schon seit einem Jahr dabei – nehmen zur Zeit an dem Projekt „MITsprache“ teil. Hauptaugenmerk legt Sozialpädagogin Viola Schmidt-Werthmann auf die praxisnahe Arbeit und die Elternarbeit. „Mir ist es wichtig, die Eltern, natürlich auf freiwilliger Basis, teilhaben zu lassen, sie für Sprache zu sensibilisieren. Sprachförderung hört nicht in der Schule auf.“ Die Hagenerin hat sich in den letzten Wochen ein umfassendes Netzwerk aufgebaut, um an allen sprachlichen „Baustellen“ helfen zu können. Sie wird in nächster Zeit an den Schulen hospitieren, um auch alle Beteiligten kennenzulernen.

Spielerisch lernen

Die Arbeit mit den Kindern selbst findet vor Ort in den Schulen statt. Die Lehrkräfte werden geschult, ihre Schüler selbstständig zu unterrichten. „Die gewohnte Umgebung ist genauso wichtig wie die vertraute Person.“ Parallel zum Deutschunterricht wird mit den Kindern – die alle eine Sprachstandserhebung durchlaufen haben – mehrmals wöchentlich gelernt. Wobei „lernen“ das falsche Wort ist: Wie eine Spielstunde läuft das Ganze für die Sechs- bis Achtjährigen ab: „Die Handpuppen Draco und Mimi sind Hauptakteure, den Kindern werden die Inhalte spielerisch vermittelt.“ Hausaufgaben gibt es selbstverständlich nicht, die Gruppen sind klein und übersichtlich. „Wir holen die Kinder und ihre Familien dort ab, wo sie stehen.“ Viola Schmidt-Werthmann möchte langfristig arbeiten, auch Elterncafés oder Spielnachmittage einrichten.

Stiftung fördert

29 Förderkräfte werden derzeit in der Volmestadt geschult, die die Stiftung Fairchance – hier engagieren sich auch Stars wie Joachim Löw und Dennenesch Zoudé – durchführt. Die Stiftung stellt auch die Fördermaterialien zur Verfügung. Unterstützung gesucht „Wir können es uns nicht leisten, dass Kinder aufgrund sprachlicher Mängel zurückbleiben.“ Das Engagement ausbauen, wirklich jedem Kind die Chance geben – das ist das Ziel von „WortSchatz“ in Hagen. „Gerne würden wir unser Projekt an jeder Schule anbieten.“ Dafür fehlen allerdings die Mittel, denn das junge Unternehmen finanziert sich hauptsächlich über Spenden. Und die bestimmen die Geschwindigkeit der Förderung. Wer die Arbeit unterstützen möchte, wendet sich an Marc Matzke, Tel. 0177 / 2891905, Mail matzke@wortschatz.nrw.