„Gundlach mit Meister an der Ennepe gesehen“

Haspe. Das ist fürwahr kein alltägliches Fest, das die Hasper Ursula und Herbert Gundlach am kommenden Dienstag, 18. September, feiern dürfen: An diesem Tag vor 65 Jahren gingen die beiden den „Bund der Ehe“ ein. Das heißt: Herbert Gundlach und Ehefrau Ursula, geborene Meister, feiern am Dienstag ihre „Eiserne Hochzeit“.

Angefangen hat alles vor gut sieben Jahrzehnten in der „alten Penne“ am Kirmesplatz. Damals – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – wurde das eigentlich als „Knaben-Oberschule“ eingerichtete Gebäude aufrgund vieler zerstörter Hagener Schulen vorübergehend auch von Mädchen besucht. Das geschah im Wechselunterricht – in einer Woche hatten die Jungen morgens Unterricht und die Mädchen nachmittags, in der darauffolgenden Woche wurde dies umgedreht.

Diese Regelung verhinderte jedoch nicht, dass sich manche Jungen und Mädchen näher kamen, so wie Herbert Gundlach und Ursula Meister. Dies rief Studienrat Bathe auf den Plan, der seinerzeit wutentbrannt im Klassenbuch festhielt: „Gundlach blieb dem Lateinunterricht fern. Ging dieweil mit Mädchen an der Ennepe spazieren.“

Theaterspielstätte

Doch für Ursula Meister war nicht nur diese Begegnung schicksalhaft, sondern auch die Tatsache, dass das Hasper Gymnasium – ebenfalls kriegsbedingt – als provisoriche Spielstätte des Stadtthea­ters diente. Das führte dazu, dass Ursula Meister fortan ein großes Faible für Gesang und Schauspiel entwickelte.

Hinzu kam, dass sich manche Künstler und Künstlerinnen bald auch regelmäßig im elterlichen Haus an der Berliner Straße einfanden. Ursula Meisters Vater ist der bereits in den 1950er Jahren bundesweit berühmte Dichter Ernst Meister. Nach ihm wurde 1980 jene „Penne“ benannt, in der die Liebesbeziehung des Paars begann. Heute ist in der altehrwürdigen Oberschule ein Teil der Gesamtschule Niederhaspe untergebracht. Die jungen Leute heirateten am 18. September 1953, weil Sohn George, das älteste von insgesamt vier Kindern, unterwegs war.

Reitsport

Das Leben der Familie Meister-Gundlach war über all die vielen Jahre hinweg auch von vielen sportlichen Hobbys gekennzeichnet – Fechten, Tanzen und vor allem das Reiten haben einen breiten Raum eingenommen. Unter anderem gehörte das Ehepaar zu den Gründungsmitgliedern des Reitervereins Bühren. Herbert Gundlach stand dem Club sogar eine Zeitlang als 1. Vorsitzender vor, Ehefrau Ursula war Jugend- und Pressewartin. Zwischen 1987 und 1991 führten die beiden das Casino des Reitervereins Hagen, wo sie beispielsweise den berühmtesten deutschen Springreiter kennenlernten, Hans-Günther Winkler. Der Kontakt zu ihm und seiner jungen Frau Debby hat lange bestanden.

Das lag unter anderem daran, dass die Gundlachs zu diesem Zeitpunkt angefangen hatten, sich mit Pferdezucht zu beschäftigen. Fortgeführt wurden diese Tätigkeiten insbesondere von Tochter Andrea, die bereits als 18-Jährige ein Pferdebuch verfasst hat und die heute einen großen Reiterhof am hessischen Vogelsberg besitzt.

Bücher und Lesungen

Ein klein wenig ist Ursula Gundlach zudem in die Fußstapfen ihres berühmten, 2004 verstorbenen Vaters Ernst Meister getreten – so hat sie Beiträge für Zeitungen geschrieben und auch ein Buch verfasst („Fräulein Millie kann nicht mehr“), das spannende Erinnerungen an das alte Haspe enthält.

Zwischen den Jahren 2000 und 2012 waren Ursula und Herbert Gundlach außerdem Gastgeber diverser „Lesungen“. Viele prominente Hagener und zahlreiche alte Freunde Ernst Meisters gaben sich ein Stelldichein im „Grünen Salon“ der Gundlachs im Haus an der Berliner Straße. Erworben wurde der Bau 1918 vom Großvater, der eine Fabrik in Westerbauer besaß (später „Möbellager Frenzel“).

Das Ehepaar Gundlach selbst wohnt schon seit 52 Jahren in der ersten Etage dieses mehrgeschossigen Hauses, wo übrigens auch Ernst Meister aufgewachsen ist.