Gutachter fand erhebliche Mängel

Hagen. (ME) Das Leben schreibt immer wieder die dreistesten Geschichten. Elisabeth G. weiß eine solche Story zu berichten. Die Witwe und Mutter eines erwachsenen Sohnes wohnt zwar im Hagener Norden, ist aber seit „ewigen Jahren“ Stammkundin einer Autowerkstatt im Hagener Westen. Genau hier wurde ihre Geduld in den letzten Wochen auf eine harte Probe gestellt. Ob es ein Happy-End gibt? Das weiß Elisabeth G. noch nicht, jedenfalls war sie mittlerweile bei der Polizei und hat eine Anzeige wegen Betruges erstattet.

Dieser drei Jahre alte Opel Corsa musste zur Hauptuntersuchung. „Das wird kein Problem sein,“ dachte die Eigentümerin. Umso größer war dann ihr Erstaunen, als ihr ein Mechaniker offenbarte: „Die Verkehrs- und Betriebssicherheit ist erheblich gefährdet.“ Unter anderem wurde ein Defekt an einem Teil festgestellt, das dieser Corsa nach wk-Recherche gar nicht besitzt.(Foto: wk)

Es fing alles damit an, dass ihr Auto – ein kleiner, absolut gepflegt aussehender Opel Corsa – zur Hauptuntersuchung (HU) musste. „Das wird kein Problem sein,“ dachte Elisabeth G., „schließlich ist mein kleiner Flitzer erst drei Jahre alt und hat lediglich 13.000 Kilometer auf dem Buckel.“ Umso größer war dann ihr Erstaunen, als sie das Fahrzeug am 27. März 2012 wieder aus der Werkstatt abholen wollte und ihr ein Mechaniker offenbarte: „Der Corsa weist immense Mängel auf. Die Verkehrs- und Betriebssicherheit ist erheblich gefährdet. Erstens ist die Domlagerung ausgeschlagen und zweitens die Befestigung des Hinterachsen-Stabilisators beeinträchtigt.“ Festgestellt wurde dieser „erhebliche Mangel“ von einem im Ennepe-Ruhr-Kreis wohnenden Ingenieur, der einer Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger angeschlossen ist.

Verdattert

Elisabeth G. war verdattert. Erhebliche Mängel! Das konnte sie gar nicht glauben. Dennoch spielte sie sofort mit dem Gedanken, den Wagen umgehend in der bisherigen „Werkstatt ihres Vertrauens“ reparieren zu lassen. Etwa 350 Euro sollte die Behebung des Schadens kosten. Nicht gerade wenig Geld für eine Witwe. Schlussendlich fuhr sie nach Hause, um sich alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. In der Werkstatt wurde ihr erklärt, die Domlagerung könne deshalb defekt sein, weil sie wenig fahre, und eine Koppelstange gehe oft schon nach einem Jahr kaputt. Das kam ihr alles höchst „spanisch“ vor. Weshalb sie gleich wenige Stunden später eine zweite Werkstatt mit einem anderen Sachverständigen konsultierte. Der neue Gutachter – ein Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) – wiederum kam schnell zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der Corsa weist überhaupt keine Mängel auf“, weshalb umgehend die HU-Plakette zugeteilt wurde. Kosten 11 Euro. – 340 Euro gespart!

Erbost

Jetzt war Elisabeth G. nicht nur verdattert, sondern zusätzlich auch reichlich erbost. Um endgültig sicher zu gehen, fuhr sie noch eine weitere Werkstatt, einen Opel-Fachbetrieb, an. Hier wurde ebenfalls kein Mangel festgestellt. Das machte die Frau aus dem Hagener Norden vollends misstrauisch. Bei ihren weiteren Recherchen erfuhr sie nun sogar, dass der zweite Mängel-Grund – die ausgeschlagene Befestigung des Hinterachsen-Stabilisators – überhaupt nicht vorliegen könne, weil ihr Corsa eine derartige Konstruktion nicht aufweise.

Damit war der erste HU-Bericht aus dem Hagener Westen offenbar „völliger Murks“. Um ihn aus der Welt zu schaffen, nahm Elisabeth G. rasch Kontakt zu ihrer bisherigen „Werkstatt des Vertrauens“ und zum ersten „Sachverständigen“ auf – mit der Bitte, den mangelhaften HU-Bericht zu korrigieren und ihr ihre weiteren – letztlich ja unnötigen – Kosten zu erstatten. Doch sowohl in der Werkstatt – wo jetzt plötzlich ein „radiales Spiel“ als Problem benannt wurde – wie auch bei dem Prüfingenieur stieß sie auf taube Ohren, berichtet sie. Enttäuscht schrieb sie allen Beteiligten einen Beschwerde-Brief. „Doch darauf erhielt ich keine Antwort.“

Anzeige

Ende April war bei Elisabeth G. das Maß voll: Sie erstattete Anzeige. Wegen des Verdachts auf Betrug. Auch läuft gegen den Ingenieur eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Jetzt darf man gespannt abwarten…