ha.ge.we-Chef Kaerger blickt auf erfolgreiche Jahre zurück

Hagen. (ME) Die deutschen Städte stehen vor großen Herausforderungen. „Das,“ stellt der Geschäftsführer der ha.ge.we, Harald Kaerger, heraus, „gilt insbesondere auch für das Wohnen.“

In der Tat: in fast allen Großstädten sinken rapide die Einwohnerzahlen, der prozentuale Anteil der älteren Einwohner steigt hingegen gewaltig an. Das gilt im hohen Maß auch für Hagen. Diesen Trend können wir vorerst nicht aufhalten.

Am 29. Februar ist Schluss - dann wechselt Harald Kaerger (rechts) in den Ruhestand. Der ha.ge.we-Geschäftsführer kann auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Jetzt hofft er, dass vom Aufsichtsrat unter dessen Vorsitzenden Timo Schisanowski (links) ein guter Nachfolger gefunden wird... (Foto: ha.ge.we/ Christian Nielinger)

Qualität wichtiger als je zuvor

„Als die ha.ge.we vor über 90 Jahren – genauer: 1919 – unter dem vollständigen Namen Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft gegründet wurde, sah die gesamte Situation völlig anders aus,“ weiß Harald Kaerger. „Seinerzeit herrschte große Wohnungsnot.“ Ähnlich verhielt es sich in den 1950er Jahren. Sowohl in den Jahren nach der Gründung der ha.ge.we als auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit brauchten die Menschen vor allem ein Dach über dem Kopf. Es ging darum, möglichst schnell viele Wohnungen zu bauen. „Unsere Vorfahren haben damals gegen die Wohnungsnot gebaut. Es ging um Quantität. Heute hat ganz eindeutig Qualität die oberste Priorität,“ betont Harald Kaerger.

Auf Qualität zu setzen, ist denn auch wichtiger als je zuvor, denn: „Im gesamten Hagener Stadtgebiet gibt es – von allen Anbietern zusammengerechnet – etwa 10.000 Wohnungen zu viel,“ rechnet der Geschäftsführer vor. „Dennoch gibt es eine Lücke zwischen dem vorhandenen und dem nachgefragten Wohnraum.“ Das liegt daran, dass eine nicht unerhebliche Menge an Wohnungen nicht mehr marktfähig ist. Anders ausgedrückt: diese Wohnungen will kaum jemand haben. Die Gründe können vielfältig sein: Ungünstige Lage (etwa an großen Straßen), unattraktive Raumgrößen, technische Unzulänglichkeiten…

Andere Ansprüche

Harald Kaerger erinnert sich: „Früher war es völlig normal, dass vier Personen auf 55 Quadratmetern lebten. Überdies hatte man ganz andere Ansprüche an den Komfort. Winzige Bade- und Kinderzimmer reichten aus.“

Vielen Hausbesitzern fehlten heutzutage aber oft genug die Mittel, gegenzusteuern. Deshalb falle gerade den großen gemeinnützigen Unternehmen wie der ha.ge.we eine enorme Verantwortung für das Wohnen in der Volmestadt zu. „Wir stehen in der Pflicht, modernen und attraktiven Wohnraum für Hagen zu schaffen, der gut für die Bürger und gut für den Standort ist.“

Mit gutem Beispiel

Die ha.ge.we, so Kaerger, gehe mit gutem Beispiel voran. Noch im Jahre 2004 verfügte die Gesellschaft über 5700 Wohnungen, mittlerweile sei man auf 5300 geschrumpft. Dieser Wohnungsbestand verteilt sich über fast alle Stadtteile (außer Hohenlimburg). Die Reduzierung ist aber nur selten auf Abrissmaßnahmen zurückzuführen (ein Abriss ist oft fast genauso teuer wie ein Neubau), sonder eher darauf, dass Wohnungszuschnitte verändert („aus zwei mach‘ eins“) und einige unrentable Bauten verkauft wurden.

Zukunftsfähig

Am 29. Februar 2012 scheidet Kaerger aus seinem Amt, er wechselt in den Ruhestand. Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Er hinterlässt eine Gesellschaft, die in seiner Amtszeit erhebliche Anstrengungen unternommen hat, die Bestände zu modernisieren und zukunftsfähig zu machen. „Allein im Jahr 2010 flossen mehr als 50 Prozent unseres Jahresumsatzes in die Instandhaltung, Sanierung und Wertsteigerung unserer Häuser und Wohnungen,“ rechnet er vor.

Neu gebaut wird hingegen nur noch sehr selten. „Wenn wir Neubauten planen, dann geschieht dies nur in Bereichen, in denen es einen wirklichen Nachbeholbedarf gibt.“ Als Beispiel nennt Kaerger die aktuelle Maßnahme am Köhlerweg. „Ermutigt vom guten Zuspruch unserer barrierefreien Wohnungen im Wehringhauser Amalie-Sieveking-Haus sowie von unseren seniorengerechten Wohnungen in vielen Stadtteilen realisieren wir derzeit am Köhlerweg auf Emst gemeinsam mit der Caritas ein Projekt, bei dem 41 komfortable barrierefreie Wohnungen mit gehobener Ausstattung und der Möglichkeit betreuten Wohnens bestehen.“

Zeichen gesetzt

Ob am Loxbaum oder in Eilpe, die ha.ge.we hat zahlreiche Zeichen gesetzt, wenn es darum ging, in die Jahre gekommene Siedlungen qualitativ, technisch, ästhetisch und ökologisch „aufzufrischen“. Damit stellt die ha.ge.we einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor für die Region dar. Schließlich sei das von ihm geführte Unternehmen auch ein wichtiger Auftraggeber für die hiesige Handwerkerschaft, so Kaerger. „Denn 95 Prozent der gesamten Instandhaltungsinvestitionen fließen ins heimische Handwerk. Unsere Instandhaltungsquote lag zuletzt bei etwa 19 Euro pro Quadratmeter,“ unterstreicht Harald Kaerger, „das ist eine beachtliche Summe. Es gibt andere große Wohnungsbaugesellschaften, die sich damit rühmen, lediglich 9,90 Euro pro Quadratmeter zu investieren, die aber auch nur mit unfairen Dumpingpreisen bezahlen.“

Neue Weichen gestellt

Als der Jurist Harald Kaerger einst seinen Geschäftsführer-Posten bei der ha.ge.we antrat, kam er aus dem städtischen Rechtsamt. Als dortiger Amtsleiter hatte er es vorrangig mit Streitfällen zwischen Stadt und Bürgern zu tun. Die Wohnungswirtschaft war für ihn zunächst ein eher unbekanntes Terrain. Welche Weichen hat er seinerzeit, vor fast einem Jahrzehnt, bei der ha.ge.we neu gestellt?

„Das war ein ganzes Bündel von Maßnahmen,“ blickt er zurück. Zum einen ging es ihm darum, die Eigenkapitalquote zu steigern, was damit zu tun hat, dass die ha.ge.we der städtischen Tochter GIV gehört und diese Tochter ihrerseits auf ausreichende Finanzmittel angewiesen ist.

„Und zum anderen habe ich von Anfang an angestrebt, die ha.ge.we in Hagen neu zu positionieren. Schließlich mussten wir vehement auf die Veränderungen am Wohnungsmarkt reagieren. Dafür war es unerlässlich, zum Beispiel ein neues, von der Öffentlichkeit besser wahrgenommenes Erscheinungsbild aufzubauen und sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren.“

Wenn Harald Kaerger im Februar in den Ruhestand wechselt, kann er auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken. Jetzt hofft er, dass ein guter Nachfolger gefunden wird…