Häute, Leim und Filz: Spannende Fotos im Freilichtmuseum

Otto Arnold dokumentierte 1927 die Arbeitsprozesse in der damals größten Gerberei in Siegen

Otto Arnold dokumentierte 1927 die Arbeitsprozesse in der damals größten Gerberei in Siegen, der Firma H. Wagner. Im Vordergrund sind Steinbecken zu erkennen, in denen der Fäulnisprozess der Schwitzhäute durch Eintauchen in Frischwasser gestoppt wurde. De

Hagen. (lwl) Fotografien des Siegerländers Otto Arnold (1881–1944) sind bis zum 31. Oktober im Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zu sehen. Der Lehrer und spätere Schulrektor fotografierte zwischen 1927 und 1938 die heimische Umgebung. Seine Motive reichen von Pflanzen und Tieren über Landschaften und Bauwerke bis hin zur Arbeitswelt. Insgesamt entstanden über 1.000 Glasplattendias.
Otto Arnold dokumentierte seine Umwelt nicht nur aus Heimatverbundenheit und um immer seltener werdende Gewerbe festzuhalten. Er verband mit seinen Aufnahmen ein besonderes Anliegen: Seine Schüler sollten mithilfe der Bilder etwas über ihre Heimat und die Berufe ihrer Eltern erfahren.
Motive mussten stillstehen
Der engagierte Hobbyfotograf wuchs in Soest auf und begann 1905 seinen Schuldienst in Siegen. 1924 erwarb er eine Zeiss-Ikon-Plattenkamera mit dem Negativformat 9 x 12 cm sowie eine Fotolaborausrüs­tung für Amateurfotografie. 1927 startete er mit seiner Dokumentation des Siegerlandes. 1932 wurde Arnold zum Volksschulrektor in Siegen ernannt.
Mit der schweren Kamera und umfangreicher Ausrüstung im Rucksack machte sich Otto Arnold per Bus und Bahn, häufig auch zu Fuß auf den Weg. Er arbeitete mit natürlichen Lichtverhältnissen, nutzte eine kleine Blendenöffnung und verlängerte Belichtungszeiten – seine „Motive“ mussten also lange stillstehen können.
Er gestaltete seine Aufnahmen, um die wesentlichen Arbeitsvorgänge und Stimmungen bei der Arbeit zu erfassen. Dennoch wirken nur wenige Fotos gestellt.
Aus Otto Arnolds umfangreichem Fotobestand wurden für die Ausstellung solche Fotografien ausgewählt, die die Verarbeitung von Haut und Haaren in Gerberei, Leimsiederei und Filzfabrik zeigen.
Ausgangspunkt ist dabei das Gerben von Leder, das in enger Verbindung zur der für das Siegerland typischen Haubergswirtschaft steht. Haubergswirtschaft ist ein Wechsel von Wald-Feld-Weide-Nutzung der Landschaft bis um 1900.
Dokumentation der Lohgerberei
In der Haubergswirtschaft wurde u. a. aus Eichenrinde Lohe gewonnen. Mit dieser Lohe wurde Leder gegerbt. Neben der Lohe waren im Siegerland Vieh als Lieferant für die Häute sowie kalkarmes Wasser zum Wässern reichlich vorhanden. So entstand hier ein Zentrum der Gerberei in Deutschland.
Otto Arnolds Fotografien zeigen, wie mit Lohe Leder gegerbt wurde und was mit den Abfallprodukten passierte. Das Besondere an den Fotos ist, dass sie die wichtigsten Stationen im Arbeitsablauf nachvollziehbar darstellen.
Die Aufnahmen zur Gerberei entstanden 1927 in der Gerberei H. Wagner, der damals größten Siegener Gerberei. Sie belegen noch viel Handarbeit in diesem Gewerbe. Damals schon war Gerben mit Lohe selten geworden, denn neue billigere und schneller wirkende Gerbmittel hatten die Gerbverfahren verändert. Aus Tierhautstücken, die nicht gegerbt werden konnten, wurde Leim hergestellt. Diese Aufnahmen machte Otto Arnold ebenfalls 1927 in Siegen in dortigen Leimfabriken.
Als Abfallprodukte aus der Gerberei wurden auch die Tierhaare zu Filz verarbeitet. Diese Fotos machte er 1933 in einem der größten deutschen Unternehmen dieser Art, der Stift-Keppeler Filzfabrik im Ferndorftal in der Nähe von Hilchenbach.