Hagen bittet zur Extraschicht

(Foto: Stadt Hagen)
(Foto: Stadt Hagen)
Heike Drewes (Ruhr Tourismus), Andrea Honickel (Fachbereich Kultur der Stadt Hagen) und Christian Isenbeck (Management Elbershallen; von links)
Vorfreude auf eine Extraschicht: Heike Drewes (Ruhr Tourismus), Andrea Honickel (Fachbereich Kultur der Stadt Hagen) und Christian Isenbeck (Management Elbershallen; von links) plauderten über die Piazza del Popolo, den Platz des Volks, der zur Nacht der Industriekultur am 6. Juli auf dem Elbersgelände entstehen soll. (Foto: A. Schneider)

Hagen. (as) Andrea Honickel schwärmt, wie wohl nur Andrea Honickel schwärmen kann. „Es wird etwas Besonderes, etwas Wunderbares, etwas Faszinierendes“, sagt die Fachfrau in Sachen Kultur der Stadt Hagen. Das „Es“, von dem sie spricht, ist die Nacht der Industriekultur, die Extraschicht, die am Samstag, 6. Juli 2013, die Ruhrgebiets-Nacht zum Tag machen wird. An 50 Spielorten in 25 Städten des Ruhrgebiets wird getanzt, gerockt, geturnt, gebraut, gelesen – und auf jeden Fall gestaunt. Einer der Spielorte ist erneut das Elbersgelände in Hagen. „In dem Bereich zwischen Kesselhaus und Theater an der Volme entsteht eine Piazza del Popolo“, erzählt Andrea Honickel. Was das ist? „Ein Platz des Volkes, ein Platz für das Volk“, sagt sie. Was dort geschieht? Andrea Honickel schwärmt weiter: „Ein wenig Chaos, ganz viel Lebendigkeit und eine große Portion Dolce far niente, süßes Nichtstun.“

Sitzen, trinken und schmausen

Es ist mittlerweile die 13. Extraschicht, die am Samstag, 6. Juli, ab 18 Uhr bis tief in die Nacht im Ruhrgebiet gefeiert wird. Zum dritten Mal ist Hagen mit einem Beitrag auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik vertreten. Die Piazza del Popolo, die auf dem Gelände entstehen wird, soll vor Lebensfreude strotzen. Gefeiert wird ein großes Fest mit vielen Menschen. All sie können Platz nehmen an einem 90 bis 120 Meter langen Tisch. Die Besucher werden sitzen, trinken und schmausen.

Doch Vorsicht: Der Tisch ist gleichsam Laufsteg. Es gilt, Teller, Tassen und Gläser gut festzuhalten, wenn ein Rudel Carabinieri über den Tisch hetzt, um einen Taschendieb zu fangen. Wenn ein Melonenverkäufer am Brunnen mit den Waschfrauen flirtet. Wenn Gondolieri Besucher zu einer Fahrt über den Platz verführen. „Nein, keine Angst, wir fluten das Gelände nicht“, sagt Andrea Honickel. Die Hagener Gondeln sind durchaus Rasen- und Asphalt-tauglich.

Mit der Gondel über die Piazza del Popolo.
Mit der Gondel über die Piazza del Popolo. Das gab’s in Hagen schon einmal, damals bei einem Muschelsalat-Spektakel. (Foto: Stadt Hagen)

Wundersame Begegnungen

Opern erklingen, aber auch italienische Volksmusik. Eine Folkloregruppe legt italienische Tänze aufs Parkett – beziehungsweise auf den Tisch und den Platz. Lichtinstallationen verwandeln die Piazza in einen Ort wundersamer Begegnungen, in einen Platz, auf dem die Nacht einen ganz besonderen Zauber entwickeln darf.

Von 18 bis 24 Uhr nehmen Schauspieler, Artisten und Musiker die Gäste mit auf die Reise zu der italienischen Piazza del Popolo. Die Extraschicht in Hagen nimmt sich auch der Geschichte der ehemaligen Textilfabrik Elbers an. „Wir bieten klassische Führungen an“, sagt Beate Hauck, stellvertretende Leiterin des Hagener Fachbereichs Kultur. So geht beispielsweise wochenkurier-Chefredakteur Michael Eckhoff mit den Besuchern auf Tuchführung mit der Vergangenheit des Geländes. Jeweils im Stundenrhythmus werden die Führungen angeboten.

Eine etwas andere Art der Führungen übernimmt das Improtheater Kulturbeutel. Schlagfertig und mit reichlich komödiantischem Sprachwitz erzählen Schauspieler die etwas andere Geschichte des Elbersgeländes.

450 Events, aber nur ein Eintritt

25 Städte, 50 Spielorte, 450 Events, aber nur einmal Eintritt zahlen. Auch das ist die Extraschicht, die Nacht der Industriekultur im Ruhrgebiet. 15 Euro kostet so ein Ticket im Vorverkauf beispielsweise im wochenkurier-Reisebüro an der Frankfurter Straße 90. 12 Euro kostet das ermäßigte Ticket. 50 Euro werden für ein Vierer-Ticket fällig. Damit können Kulturbegeisterte und Nachtschwärmer nicht nur alle Events zwischen Hamm und Duisburg besuchen, sondern bis zur Frühstückszeit des nächsten Morgens zudem kostenlos das Nahverkehrsnetz des VRR und die zusätzlich eingerichteten Extraschicht-Shuttlebusse nutzen. Ein Shuttle-Bus fährt beispielsweise vom Dortmunder U zum Hagener Elbersgelände und wieder zurück. Von dort lässt sich prima beispielsweise der Nordsternpark Gelsenkirchen, der Abwasserkanal Emscher, der Oberhausener Gasometer oder die Kamener Kläranlage als Beispiele für Extraschicht-Spielorte erreichen.

Die Extraschicht, das ist Sehen, Hören und Staunen im gesamten Ruhrgebiet. Bei hoffentlich schönem Wetter. Andrea Honickel ist optimistisch. Das war sie schon immer. In vielen Jahren Freiluft-Kulturarbeit musste sie erst zweimal Veranstaltungen wegen des Wetters absagen. „Die Piazza“, davon ist sie überzeugt, „findet statt.“ Schließlich möchten sie und ihre Mitstreiter viele, viele Besucher auf der lauschigen, quirligen und überraschenden Piazza del Popolo verzaubern.