Extrabreit & Co. sind museumsreif: „Hagen – Popstar – Glück“

Heike Wahnbaeck, OB Erik O. Schulz und Extra­breit-Drummer Rolf Möller stellten zusammen mit Sponsoren, Mit-Veranstaltern und „goldenen Schallplatten“ das Festival „Hagen – Popstar – Glück“ vor. Es startet am 31. August.
Heike Wahnbaeck (Bildmitte, mit Gitarre), OB Erik O. Schulz (links neben ihr) und Extra­breit-Drummer Rolf Möller (rechts neben ihr) stellten zusammen mit Sponsoren, Mit-Veranstaltern und „goldenen Schallplatten“ das Festival „Hagen – Popstar – Glück“ vor. Es startet am 31. August. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) „Hagen – Popstar – Glück“: Fast jeder Hagener, der gern Musik hört, kennt diesen Dreiklang. Stammt er doch von einer der bekanntesten deutschen Bands der 1980er Jahre – von „Extrabreit“.

40 Jahre ist es her, dass dieser „Leuchtturm“ der deutschen Popkultur aus der Taufe gehoben wurde. Vor 40 Jahren startete auch Nena – damals mit den „Stripes“ – an der Volme ihre sagenhafte Karriere, die sie weit über Deutschlands Grenzen hinaus zum Star werden ließ. Und ebenfalls vor 40 Jahren erstürmte mit Grobschnitt eine weitere Hagener Band die Bühnen der Republik und wurde sogar von den Zuschauern der legendären TV-Sendung „Rockpalast“ zur beliebtesten Live-Band gekürt.

Heute, 2018, ist diese Ära „reif fürs Museum, reif für die Wissenschaft und reif für ein riesiges Erinnerungsspektakel“.

Ab 31. August

Unter dem Dreiklang „Hagen – Popstar – Glück“ startet dieses Festival am 31. August.

Mit im Boot sind nicht nur zahlreiche Musiker und Musikerinnen von einst (wie Grobschnitt- und Extrabreit-Drummer Rolf Möller, Sänger Kai Havaii oder Gitarrist Lupo), sondern auch die Fernuniversität, die Stadt Hagen, der Stadtheimatpfleger, die Hagen­agentur, diverse (Kult-)Wirte, Studio-Experten und Techniker sowie mit Heike Wahnbaeck auch eine Frau der „ersten Glücksstunde“.

Ihr war es vorbehalten, hunderte Erinnerungsobjekte, viele Menschen und zahllose Ideen zusammenzubringen. Nach mehrjähriger Recherche und Sammeltätigkeit entstanden daraus ein Buch, eine Museumsausstellung und ein spektakuläres Rahmenprogramm, dessen Höhepunkt sicherlich der Extrabreit-Auftritt beim Campusfest der Fernuniversität am 1. September sein wird.

Deutsches Liverpool

Schon Ende der 1970er Jahre, als Punk und New Wave die etablierte Rockmusik ablös­ten, gingen von der Hagener Musikszene so viele Impulse aus, dass Hagen Anfang der 1980er Jahre als „Deutsches Liverpool“ galt. 40 Jahre nach den Glanzstunden der Hagener Musikgeschichte holt „das Festival“ die Aufbruchsstimmung jener Zeit zurück an die Volme.

Dabei wirft das Festival zwar einen Blick zurück, spannt den Bogen aber auch ganz bewusst ins heutige kulturelle Leben Hagens. Konzerte feiern die alten und aktuellen Hits, Lesungen bieten spannende Einblicke und Führungen zeigen wichtige Orte des damaligen Geschehens.

Große Ausstellung

Die wohl aufregendste Zeit in der Hagener Musikgeschichte ist ab dem 31. August Thema einer großen Ausstellung im Osthaus-Museum. Größtenteils noch nie veröffentlichte Fotos und Filmausschnitte sowie Plakate, Platten, Fanartikel, Musikequipment, Konzert- und Studiotechnik, Bühnenoutfits, Originalzeichnungen und Layouts zu Plattencovern lassen die Zeit wieder lebendig werden.

Im Soundraum wird der Trickfilm des schottischen Künstlers John McGeoch gezeigt, der die Hagener Musikszene vor 40 Jahren beleuchtet.

Bis zum 23. September wirft die Ausstellung (Eröffnung am Freitag, 31. August, um 18.30 Uhr) mit über 300 Exponaten einen neuen Blick auf das Musikmärchen der 1970er und 1980er Jahre in einer Stadt, die im Musikbusiness weit entfernt von Metropolen wie Köln, Hamburg oder Berlin liegt – Städte, in denen seinerzeit die Plattenfirmen, bedeutende Auftrittsorte oder wichtige Medienhäuser existierten.

In Hagen bildete sich allerdings schon Mitte der 1970er Jahre eine erfolgreiche Musikszene, die einige Jahre später junge Musiker aus der Provinz an die Spitze der Charts katapultierte. Die spektakulären Karrieren von Inga und Annette Humpe, von Extrabreit und Nena starteten damals. Die Ausstellung versucht zu ergründen, warum gerade in Hagen die Bedingungen für den Start in diverse Musikkarrieren so gut waren.

Weniger bekannt ist, dass neben den Musikern auch Bühnentechniker und Produzenten aus jenen Tagen bis heute ein Teil der aktuellen überregionalen und internationalen Musikszene sind. Mit dem Abstand von über 40 Jahren betrachtet die Ausstellung, welche langfristigen Karrieren und Berufe aus dieser Zeit entstanden sind. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein 360-Seiten-Buch über die damalige Zeit.

Fernuni-Campusfest

„Komm‘ nach Hagen, werde Popstar, mach‘ dein Glück“, heißt der Songtext von Extrabreit in Gänze. Er stammt aus einer Zeit, als es in Hagen brodelte und viele junge Menschen neue Wege einschlugen – auch politisch.

Grund genug, das Geschehen von damals auch beim Campusfest der FernUniversität in Hagen aufleben zu lassen: musikalisch und wissenschaftlich. Dazu gibt es wieder ein Begleitprogramm für alle – umsonst und unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt.

Die „extrabreiten“ Musikhelden von einst wollen beweisen, dass sie immer noch „hart wie Marmelade“ sind. Drumherum werden Bands im NDW-Zeitgeist spielen – etwa eine 80erJahre-All-Star-Band, „Die Goldenen Reiter“ oder auch die Sieger eines Bandwettbewerbs im Kultopia. Die Musik startet gegen 18 Uhr.

Wie sich in Hagen eine so lebendige und vielseitige Musikszene entwickeln konnte, die Bands und Sängerinnen wie Nena und die Humpe-Schwestern hervorbrachte, untersucht Fernuni-Kultursoziologe Prof. Dr. Frank Hillebrandt. Ferner möchten Hillebrandt und Heike Wahnbaeck mit Besucherinnen und Besuchern des Campusfestes locker ins Gespräch kommen. Hillebrandt und Wahnbaeck sind auch diejenigen, die gemeinsam das Buch zum Hagener NDW-Phänomen Ende August herausgeben.

Infos und Sponsoren

Zusätzliche Infos zum Campusfest gibt es online bei der Fernuni sowie alles rund um das gesamte Festival bei der Stadt Hagen.

Ohne die finanzielle Unterstützung der Sparkassenstiftung für Hagen, von C.D. Waelzholz, Mark-E und der Märkischen-Bank-Stiftung wäre die Durchführung des Festivals nicht möglich gewesen.

Zwischen dem Theater Hagen an der Elberfelder Straße, wo am 1. September obendrein die Spielzeit-Eröffnung gefeiert wird, und der Fernuni an der Universitätsstraße wird ein Shuttle-Bus eingerichtet.

Über die weiteren Programmpunkte demnächst mehr im Wochenkurier.