Hagen wird Notinsel

Seit 2012 ist auch Hagen Notinsel-Standort (v.l.): Uwe Böhm, Melanie Purps, Stephanie Krause, Oberbürgermeister Jörg Dehm, Sascha Mader. (Foto: Freiwilligenzentrale)

Hagen. „Wo wir sind, bist Du sicher!“ Dieses Schild verspricht Hilfe und Schutz. Immer häufiger wird der Schulweg für Kinder zum Gefahrenweg. Spiel- und Freizeitaktivitäten bergen Gefahrenpotenzial und können Ängste auslösen. Ängste vor wem? Das können Gleichaltrige sein oder Aggressive, die es möglicherweise auf die Habseligkeiten der Kinder abgesehen haben. Das können ausländerfeindliche Gruppen sein oder verhaltensauffällige Erwachsene.

Aber auch verlorene Schlüssel, nicht erreichbare Eltern oder ein verlorenes Busticket können ein Kind vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen und Ängste auslösen. Und nicht immer sind beschützende Menschen in der Nähe, die eingreifen können. Es mussten Möglichkeiten gefunden werden, die den Kindern Schutz bieten und sich nahezu überall umsetzen lassen. Eine solche Möglichkeit ist das Projekt „Notinsel“, 2002 initiiert von der „Stiftung Hänsel + Gretel“.

Schutzangebot

Geschäfte, Banken, Apotheken, Redaktionen und andere Einrichtungen überall in der Stadt werden zu Schutzräumen. Sie verpflichten sich selbst zum Hinsehen und Handeln in Notsituationen. Das Notinselschild an ihrer Tür drückt das Schutzangebot für jeden erkenntlich deutlich aus. Verständliche Handlungsanweisungen helfen den Helfern und sagen, was im Falle eines Falles zu tun ist. Die Anlaufstellen sind flächendeckend geplant. Darüber hinaus ist das Projekt Notinsel Ausdruck einer funktionierenden Bürgergesellschaft und wird inzwischen bundesweit in vielen Städten und Gemeinden aufgegriffen und umgesetzt.

Immer mehr Geschäfte

Seit 2012 ist auch Hagen Notinsel-Standort unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters. Partner für die Notinsel in Hagen ist die Freiwilligenzentrale. Mitte April 2013 werden die ersten Notinseln auch als solche sichtbar. Viele der von der Freiwilligenzentrale angesprochenen Ladenbesitzer zeigten sich spontan an dem Projekt interessiert. Zu den ersten Notinseln in Hagen gehören: der wochenkurier an der Frankfurter Straße, Filialen der Stadtbäckerei Kamp, die Goldschmiede Adam, die Rathausapotheke, Nübel Catering, die Öse, das Comic-Zentrum, die Vollkornbäckerei Niemand, „Ihre Kette“ an der Berchumer Straße, Elektro Klinker, Imbiss Dettmar, der Idee-Creativmarkt, ein Kiosk an der Delsterner Straße 30 und diverse Einrichtungen des Caritasverbandes, das Haus für Kinder und die Freiwilligenzentrale Hagen. Nach und nach sollen in allen Stadtgebieten engagierte Händler und Geschäftsleute für das Projekt gewonnen werden.

„Das von uns betreute Projekt bietet nicht nur Zufluchtsorte für Kinder. Es soll auch eine öffentliche Diskussion in Gang setzen, die die Gesellschaft aufrüttelt und motiviert, sich für einen besseren Schutz unserer Kinder einzusetzen“, so Stephanie Krause, Leiterin der Freiwilligenzentrale Hagen. „Eltern, Lehrer und Erzieher sollen angeregt werden, mit Kindern über mögliche Gefahren zu sprechen und auf Schutzräume wie die Notinsel zu verweisen.“

Besondere Unterstützung erfährt das Projekt durch die Polizei in Hagen. Über die Listung des Notrufs 110 und der Jucops hinaus sicherte Polizeitpräsident Frank Richter zu, sich dafür zu engagieren, dass das Symbol und die Bedeutung der Notinsel bei Kindern und Jugendlichen bekannt wird (z.B. anlässlich der Verkehrserziehung).