Hagener Karte der Abflusspotentiale

Hagen. Es kann auch positiv sein, wenn nichts passiert. Vor einem
Jahr hat der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) die Hagener Karte der
Abflusspotenziale (wbh-hagen.de/wbh/aktuelles.html) vorgestellt, auf der jeder
Grundstückseigentümer sehen kann, wie stark sein Grundstück bei Starkregen
eventuell von abfließendem Niederschlagswasser betroffen sein
könnte.

Die Karte der Abflusspotenziale zeigt die grundsätzlichen Fließwege
unabhängig von der Kanalisation auf. „Viele werden denken, dass sich diese
Fließwege erst gar nicht bilden werden, weil das Niederschlagswasser ja von der
Kanalisation aufgenommen und abgeführt wird“, sagt Dipl.Ing. Uwe Sommer,
Fachbereichsleiter Planung beim WBH.
Schlechteste Fall
Während die Karte den „worst case“ darstellt, erklärt Sommer, werden in den
Entwässerungsentwürfen die Niederschlagsintensitäten zu Grunde gelegt, die sich
aus den technischen Vorschriften ergeben.
„Auch nach Sanierung des Kanalnetzes darf Wasser aus dem Kanalnetz austreten
oder nicht in dieses hineingelangen, wie es so schön in der Vorschrift heißt. Es
darf nur nicht zu einem Schaden führen.“ Wenn das Wasser etwa im Straßenkörper
zwischen den Bordsteinen verbleibt oder eine Freifläche benetzt, ist dies kein
Sanierungsgrund für die Kanalisation.
Anspruchsvoll
Diese Berechnungen sind technisch anspruchsvoll und benötigen eine hohe
Rechnerkapazität. Daher kann die Berechnung des gesamten Hagener Stadtgebietes
nur schrittweise erfolgen.
Absichern sollte sich allerdings jeder. Warum, das erklärt der
Fachbereichsleiter: „Damit Grundstücke genutzt werden können, senkt man häufig
die abflussbegrenzenden Bordsteine immer wieder für Gehwegüberfahrten ab. Und
das öffnet dem auf der Oberfläche fließenden Wasser sozusagen die Tore zum
Grundstück. Besonders dramatisch wird das dann, wenn große Wassermassen in eine
Tiefgarage fließen können.“
In vielen neuen Baugebieten gibt es keine Gehwege mehr, weswegen sich
Bordsteine von zwölf Zentimetern Höhe und mehr erübrigen. Seit einigen Jahren
erhält jeder Grundstückseigentümer und damit auch sein Architekt mit der so
genannten Entwässerungsmitteilung den Hinweis, dass Öffnungen in Gebäuden
mindestens 20 Zentimeter über der Geländeoberkante liegen sollten.
Diese Infos müssen Bauherr und Architekt bei der weiteren Gebäude- und
Grundstücksplanung berücksichtigen; ihre Umsetzung wird im weiteren
Baugenehmigungsverfahren nicht weiter geprüft.